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Uni-Kassel
14. März 2017

Forschungswerkstatt FW I Sozialstaat des Schreckens Angstmobilisierung bei soziapolitischen Reformprojekten und sozialen Interventionen

Die Mobilisierung von Angst zur Regulation des sozialen Lebens ist bislang nur selten Gegenstand sozialwissenschaftlicher Betrachtungen gewesen, zumal wenn es um Sozialpolitik und Soziale Arbeit geht - konkreter: einschneidende sozialpolitische Reformprojekte zum einen, die Moderation sozialer Interventionen, die sich an...

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Die Mobilisierung von Angst zur Regulation des sozialen Lebens ist bislang nur selten Gegenstand sozialwissenschaftlicher Betrachtungen gewesen, zumal wenn es um Sozialpolitik und Soziale Arbeit geht - konkreter: einschneidende sozialpolitische Reformprojekte zum einen, die Moderation sozialer Interventionen, die sich an aktuellen (neueren) sozialpolitischen Zielen orientieren, zum anderen. Die Einführung von Hartz IV, aber auch die Ansätze für praktische Arbeitsmarktintegration sind schillernde Beispiele. Mehr noch: Die Warnung vor zu viel oder zu wenig Immigration, den Folgen des demographischen Wandels, dem Facharbeitermangel oder den Konsequenzen des wirtschaftlichen Standortwettbewerbs waren und sind wesentliche Wegbereiter für Umbauten im deutschen Wohlfahrtsstaat. Angstmobilisierung kann die Akzeptanz von Reformen erhöhen, zugleich aber auch Nebenwirkungen haben, die Folgeprobleme (z.B. Ausländerfeindlichkeit, Vorbehalte gegenüber der älteren generation etc.) nach sich ziehen. Die reformpolitischen Agenden sind dabei vielfach - wenigstens implizit - auch auf den Zuschnitt sozialer Interventionen (bzw. Sozialer Arbeit) bezogen. Z.B. kann unterstellt werden, dass in Einrichtungen, die für Programme der Arbeitsmarktintegration zuständig sind (etwa denen der Jugendberufshilfe), Angst (ob absichtsvoll oder nicht) immer im Spiel ist, wenn es um konkrete soziale Interventionen geht (Beratung, Hilfe, -Fördern und Fordern-) - wobei dies die Erreichung von (Re-)Integrationszielen leichter machen, aber auch zu Blockaden führen kann. In der Forschungswerkstatt sollen für beide Bereiche (also: Reformpolitik und Interventionspraxis) Erkenntnisse darüber gewonnen werden, inwieweit Angstmobilisierung stattfindet und wo sie wie zum Einsatz kommt; dabei sollen gezielt auch Überlappungen zwischen beiden -Mobilisierungsdynamiken- betrachtet werden (also z.B.: restriktivere Arbeitsmarktpolitiken und strenger kontrollierende Interventionen der Arbeitsverwaltung). Am Anfang steht eine grundsätzliche Befassung mit dem Sinn und Zweck sowie der -Technik- der Forschung zu diesem Thema. Im zweiten Block geht es um die Nutzbarmachung basaler Wissensbestände (vorhandene Studien) rund um das Thema Angst und organisiertes Handeln sowie darum, überhaupt konzeptionelle und wissenschaftliche Zugänge für ein Thema zu erschließen, welches als solches in der Fachöffentlichkeit bislang wenig verhandelt worden ist. Hier werden dann zwei Gruppen gebildet: eine, die sich auf Reformprojekte im zeitgenössischen Wohlfahrtsstaat konzentriert und eine, die spezifische soziale Interventionen fokussiert. Bis zum Ende des ersten Werkstattsemesters (WS 2015/16) werden die Gruppen verfügbare Literaturbestände (z.B. zum Thema Arbeitsmarktpolitik und -integration) danach durchforsten, welche (impliziten) Bezüge zum Thema Angstmobilisierung in vorliegenden Untersuchungen auffindbar sind. Im dritten Block der Veranstaltung, der das zweite Werkstattsemester (SoSe 2016) abdeckt, geht es dann um eigene Recherchen - einerseits in Gestalt der Analyse von Medienkommunikationen (Talkshows, Presse) zu ausgewählten sozialpolitischen Reformprojekten, andererseits anhand einer Sekundärauswertung von Materialien, die die Interaktion zwischen SozialarbeiterInnen und Addressaten, z.B. im Bereich von (Re-)Integrationsprogrammen, beschreiben. Auch eigene exemplarische Erhebungen sind hier möglich. Den Recherchen geht die Befassung mit angemessenen Erhebungs- und Auswertungsmethoden voraus, wobei für das Seminar ein qualitativer Zugang gewählt wird und hier einerseits Medienanalysen und andererseits Darstellungen von in soziale Interventionen involvierten Akteuren interpretativ bearbeitet werden sollen. Im Rahmen der für die -Option Forschung- in Modul 6 vorgesehenen Leistungsanforderungen ist eine Studienarbeit im Umfang von 30 Seiten (66.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) zu verfassen; die Bausteine dazu werden im Verlaufe beider Werkstattsemester erstellt - die Beiträge zur Werkstatt fließen dabei direkt in die Prüfungsleistung ein (die Arbeit entsteht also gewissermaßen kumulativ). Es werden keine Möglichkeiten zur Absolvierung von Studienleistungen angeboten, die Werkstatt kann also nur für die im Modulhandbuch vorgesehene CP-Option verwendet werden. Es ist vorgesehen, dass die Werkstatt von einer Tutorin mitbetreut wird, u.a. im Hinsicht auf die Versorgung mit Materialien und die Organisation der Studienarbeit. Literatur zum Einlesen in die Rahmenproblematik: Bude, H. (2014), Gesellschaft der Angst. Hamburger Edition. FB 01 Humanwissenschaften Uni Kassel WiSe 2015/16 Lehrveranstaltungspool FB 01 Prof. Dr. Bode Ingo