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Uni-München
14. März 2017

Fortgeschrittenenseminar Charles Siewert The Significance of Consciousness

In der zeitgenössischen Philosophie des Geistes galt lange Zeit das Paradigma, dass sich Mentalität auf zwei prinzipiell unterschiedliche und unabhängige Weisen realiseren kann, nämlich einerseits als Intentionalität (-Gerichtetheit- auf ein Objekt/Inhalt, z. B. Wahrnehmungen und Überzeugungen) und andererseits als Phänomenalität/Bewusstsein...

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In der zeitgenössischen Philosophie des Geistes galt lange Zeit das Paradigma, dass sich Mentalität auf zwei prinzipiell unterschiedliche und unabhängige Weisen realiseren kann, nämlich einerseits als Intentionalität (-Gerichtetheit- auf ein Objekt/Inhalt, z. B. Wahrnehmungen und Überzeugungen) und andererseits als Phänomenalität/Bewusstsein (Sich-auf eine bestimmte Weise-anfühlen, Erleben, Qualia, z. B. Schmerzen). Worin die -Einheit- des Mentalen bestehen soll, bleibt bei einer solchen Konzeption rätselhaft. Zudem wurde oft angenommen, dass sich Intentionalität naturalisieren lasse, während Phänomenalität ein -hartes Problem- darstelle. Methodologisch ging und geht dies ferner mit der Annahme einher, dass es kein verlässliches Wissen vom Bewusstsein geben kann, da dieses radikal -subjektiv-, strukturlos und somit nicht kommunizierbar sei. Charles P. Siewert entwickelt in seinem einflussreichen und umfangreichen Buch -The Significance of Consciousness- (1998) eine alternative Sichtweise, die mit vielen der genannten Annahmen bricht. Siewert plädiert für eine Rückbesinnung auf die eigene Erlebnisperspektive und versucht zu zeigen, dass sich auch hier philosophisch Wichtiges entdecken lässt. Siewert zufolge muss vor allem der Begriff des Bewusstseins viel ernster genommen werden als bisher; die Analyse des Bewusstseins kann dabei in großen Teilen unabhängig von der metaphysischen Leib-Seele- bzw. Geist-Gehirn-Debatte geführt werden, die nach Siewert nicht an erster Stelle in der Philosophie des Mentalen stehen sollte, sondern vielmehr durch eine Analyse des Bewusstseins vorbereitet werden sollte. In seinem Buch verteidigt Siewert seine auf -first-person knowledge- basierende Bewusstseins- und Intentionalitätskonzeption und grenzt sich von alternativen Theorien ab. Zudem betrachet er eine Fülle von konkreten empirischen Fallbeispielen. Im Seminar soll das gesamte (englische) Buch von Siewert, ggf. unter Heranziehung kritischer Rezensionen, sorgfältig gelesen und diskutiert werden; unterstützend dazu sollen die SeminarteilnehmerInnen Kurzreferate zu den jeweiligen Kapiteln halten. Ziel ist es insbesondere, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu gewinnen, wie der so elusive Begriff des Bewusstseins philosophisch verstanden werden kann. Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft Grundkenntnisse in zeitgenössischer Philosophie des Geistes sind hilfreich. Hausarbeit LMU München SoSe 2016 Dr. Erhard Christopher