Uni-München
14. März 2017Fortgeschrittenenseminar Creative Advance into Novelty Einführung in die Philosophie Alfred N Whiteheads
Kreativität – dieser Zentralbegriff beschäftigt die verschiedensten Wissenschaften und Forschungsgebiete: in den Naturwissenschaften in der Form der Frage nach dem kreativen Kosmos und der Emergenz von qualitativ Neuem im evolutionären Prozess – in den Humanwissenschaften in der Frage nach den...
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Jetzt Lernplan erstellenKreativität – dieser Zentralbegriff beschäftigt die verschiedensten Wissenschaften und Forschungsgebiete: in den Naturwissenschaften in der Form der Frage nach dem kreativen Kosmos und der Emergenz von qualitativ Neuem im evolutionären Prozess – in den Humanwissenschaften in der Frage nach den Charakteristika kreativen menschlichen Handelns und schöpferischer Praxis.
In der Philosophie stellt einer der großen systematischen Denker des 20. Jahrhunderts – Alfred N. Whitehead – diesen Begriff ins Zentrum seines Denkens eines kreativen Universums: Er beschreibt den Kosmos als wesentlich freien, kreativen Prozess, der darauf ausgerichtet ist, Neues hervorzubringen: -Creativity is the principle of novelty. ... The creative advance is the application of this ultimate principle of creativity to each novel situation which it originates.- Jede Ebene der Welt – von der Aktivität der Atome bis zu den ethischen Fragen menschlichen Zusammenlebens – ist von diesem Prinzip des kreativen Hervorbringens von Neuem abhängig. Die Philosophie Whiteheads eignet sich daher wie kaum eine andere dazu, verschiedene Disziplinen zusammenzuführen, in denen der Begriff der Kreativität eine Rolle spielt – seine Relevanz muss er in den pragmatischen Kontexten der menschlichen Lebenswelt erweisen.
Whiteheads Philosophie ist darüber hinaus so interessant für die philosophische Forschung im 21. Jahrhundert, weil sie als Schnitt von drei großen Strömungen philosophischen Forschens des vergangenen Jahrhunderts begriffen werden muss: Sie ist ihrem Wesen nach systematisch – d.h. sie ist an der begrifflichen Einordnung der gesamten Lebenswelt des Menschen interessiert. In diesem Sinne sollte die Philosophie Whiteheads als kontinental beschrieben werden. Sie ist aber, zweitens, ihrer Methode nach analytisch. Philosophisches Arbeiten, so Whitehead, ist wesentlich durch logische Begriffsanalyse gekennzeichnet. Solche Analysen müssen sich aber, drittens, immer an den Erfahrungsgehalten in der Wissenschaft und der Alltagswelt orientieren. Sie sollen diese adäquat abbilden und anwendbar im praktischen Leben der Menschen sein. So kann die Philosophie Whiteheads als pragmatisch bezeichnet werden. Dieser Umstand spiegelt sich auch im Leben Whiteheads, der als Grenzgänger verschiedener Welten im Alter von 63 einen Ruf der Universität Harvard annahm und von England in die USA übersiedelte. Er beschäftigte sich dort intensiv mit dem Denken des amerikanischen Pragmatismus – vor allem William James, John Dewey und Charles S. Peirce.
Trotz einer gewissen Wirkmächtigkeit steht jedoch das Werk Whiteheads in dem nicht vollkommen unbegründeten Ruf, dass es besonders schwierig zu lesen – ja, opak und dunkel – sei. Der Schüler Whiteheads Charles D. Broad hat dies in einer Besprechung in Mind im Jahr 1947 folgendermaßen zusammengefasst: -I cannot pretend to understand much of it, and I cannot help thinking that many of its enthusiastic admirers must simply be counted among those who wonder with a foolish face of praise.-
Mit dem vorliegenden Seminar soll zumindest exemplarisch an wichtigen Textstellen der Gegenbeweis angetreten werden, dass diese Einschätzung Broads einer detaillierten Analyse und Auseinandersetzung mit dem Whiteheadianischen Denken nicht standhalten kann. Im Zentrum meiner Interpretation des Denkens Whiteheads steht dabei der Begriff der Kreativität und seine systematische Ausfaltung in Whiteheads opus magnum -Process and Reality-. Dieser Begriff soll im vorliegenden Seminar systematisch entfaltet und ins Verhältnis zu den anderen Grundbegriffen der Philosophie Whiteheads gesetzt werden – damit wird eine begriffliche Landkarte des Denkens Whiteheads entwickelt.
Lernziele des Seminars :
Am Ende des Kurses sollten die Studenten in der Lage sein selbstständig und kritisch zu den zentralen (neu-artigen) Ideen der Philosophie Whiteheads summarisch Stellung zu nehmen. Dazu zählen die Begriffe: prehension, category of the ultimate, creativity, extensive abstraction, ingression of eternal objects, intensity, actual entity, presentational immediacy, causal efficacy, symbolic reference, subjective aim.
Besonderer Wert soll darauf gelegt werden deutlich zu machen, inwiefern diese Ideen das klassische (cartesische) Weltbild der Moderne verändern. System-immanent sollen die Studenten in die Lage versetzt werden zu beurteilen, auf welche Arten sich die Ideen Whiteheads gegenseitig bedingen und voraussetzen.
• Alfred North Whitehead: Science and Modern World.
New York: The Free Press, 1967.
[die entsprechenden Teile werden als Kopiervorlage zur Verfügung gestellt].
• Alfred North Whitehead: Modes of Thought. New York: The Free Press, 1968.
[die entsprechenden Teile werden als Kopiervorlage zur Verfügung gestellt].
• Alfred North Whitehead: Process and Reality. An Essay in Cosmology.
2nd Corrected Edition, eds. David Ray Griffin and Donald W. Sherburne. New York: The Free Press, 1978.
• John B. Cobb: Whitehead Wordbook. A Glossary with Alphabetical Index to Technical Terms in ‘Process and Reality’.
[wird als Kopiervorlage zur Verfügung gestellt].
Anmerkung: Aus dem ‘Whitehead Wordbook’ werden keine direkten Leseaufträge vergeben. Das ‘Wordbook’ fasst zentrale Gedanken von Whitehead systematisch zusammen und sollte als Glossar zum Seminar verwendet werden: Wenn Sie während Ihrer Lektüre auf eine Konzept stossen, das Sie nicht verstehen, dann beziehen Sie sich bitte zunächst auf das ‘Wordbook’. Sie können dort auch die Genealogie des entsprechenden Konzepts nachvollziehen und vor allem weitere Stellen aus Whiteheads Werk finden, die Ihnen beim Verständnis des entsprechenden Konzepts helfen.
Voraussetzungen
Englischkenntnisse
Leistungsnachweis
Das Seminar ist als Lektüre- und Diskussionsseminar konzipiert. Zum Gelingen ist es deshalb unumgänglich, dass alle Teilnehmer die Originaltexte Whiteheads genau studieren. Es empfiehlt sich die Lektüre der englischen Ausgaben, da die Übersetzung von -Process and Reality- ins Deutsche an einigen Stellen zu ungenau ist. Im Allgemeinen erschließt sich der gedankliche Duktus der Texte nach meiner Einschätzung im Englischen besser. Es liegen jedoch zu allen Originaltexten Übersetzungen vor.
Jeder Teilnehmer des Seminars übernimmt einmal die Einführung in den zu lesenden Text mittels eines (unbenoteten) Referats: Dabei ist es wichtig, dass diese Einführungen nicht den gelesenen Text wiedergeben sollen. Vielmehr sollen die zentralen Begriffe herausgearbeitet und kritisch eingeordnet werden. Die Referate sollten Diskussionsimpulse sein und deswegen 20min nicht übersteigen.
Darüberhinaus erklären sich die Teilnehmer bereit zu jeder Sitzung, in der sie kein Referat halten, zwei kritische Fragen zum Text zu formulieren. Diese Fragen sollen die folgende Form haben: In zwei bis drei Sätzen ist der Kontext der Frage zu beschreiben. Danach soll die Frage formuliert werden und in einen der drei folgenden Kontexte eingeordnet werden: Interne Fragen beziehen verschiedene Teile des Denkens Whiteheads kritisch aufeinander. Externe Fragen beschäftigen sich mit dem Verhältnis Whiteheads mit anderen Formen des wissenschaftlichen Diskurses. Komparative Fragen untersuchen Whiteheads Verhältnis zu anderen philosophischen Denkrichtungen. Die Fragen sind am Vortag der Sitzung bis 1800 an mich zu mailen.
Nach Abschluss des Seminar verfassen die Teilnehmer eine Seminararbeit nach den üblichen Gepflogenheiten der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Ich werde nach jeder Sitzung eine kurze Zusammenfassung der zentralen Begriffe und Diskussionen der entsprechenden Sitzung für die Teilnehmer erstellen und ihnen diese zugänglich zu machen.
In der letzten Sitzung werde ich mit einem kurzen Impuls meine Sicht auf die Philosophie Whiteheads im 21. Jahrhundert herausarbeiten. Die Teilnehmer des Seminars sind danach aufgerufen in einer kritischen Diskussion die im Seminar erworbenen Kenntnisse zur Anwendung zu bringen, um in einen kritischen Diskurs mit der von mir vertretenen These zu treten.
Anmeldung
Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich.
Downloads
DateinameBeschreibunggültig vongültig bis
Bibliographien_Whitehead.pdf Bibliographien Whitehead
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Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
Englischkenntnisse
Das Seminar ist als Lektüre- und Diskussionsseminar konzipiert. Zum Gelingen ist es deshalb unumgänglich, dass alle Teilnehmer die Originaltexte Whiteheads genau studieren. Es empfiehlt sich die Lektüre der englischen Ausgaben, da die Übersetzung von -Process and Reality- ins Deutsche an einigen Stellen zu ungenau ist. Im Allgemeinen erschließt sich der gedankliche Duktus der Texte nach meiner Einschätzung im Englischen besser. Es liegen jedoch zu allen Originaltexten Übersetzungen vor.
Jeder Teilnehmer des Seminars übernimmt einmal die Einführung in den zu lesenden Text mittels eines (unbenoteten) Referats: Dabei ist es wichtig, dass diese Einführungen nicht den gelesenen Text wiedergeben sollen. Vielmehr sollen die zentralen Begriffe herausgearbeitet und kritisch eingeordnet werden. Die Referate sollten Diskussionsimpulse sein und deswegen 20min nicht übersteigen.
Darüberhinaus erklären sich die Teilnehmer bereit zu jeder Sitzung, in der sie kein Referat halten, zwei kritische Fragen zum Text zu formulieren. Diese Fragen sollen die folgende Form haben: In zwei bis drei Sätzen ist der Kontext der Frage zu beschreiben. Danach soll die Frage formuliert werden und in einen der drei folgenden Kontexte eingeordnet werden: Interne Fragen beziehen verschiedene Teile des Denkens Whiteheads kritisch aufeinander. Externe Fragen beschäftigen sich mit dem Verhältnis Whiteheads mit anderen Formen des wissenschaftlichen Diskurses. Komparative Fragen untersuchen Whiteheads Verhältnis zu anderen philosophischen Denkrichtungen. Die Fragen sind am Vortag der Sitzung bis 1800 an mich zu mailen.
Nach Abschluss des Seminar verfassen die Teilnehmer eine Seminararbeit nach den üblichen Gepflogenheiten der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Ich werde nach jeder Sitzung eine kurze Zusammenfassung der zentralen Begriffe und Diskussionen der entsprechenden Sitzung für die Teilnehmer erstellen und ihnen diese zugänglich zu machen.
In der letzten Sitzung werde ich mit einem kurzen Impuls meine Sicht auf die Philosophie Whiteheads im 21. Jahrhundert herausarbeiten. Die Teilnehmer des Seminars sind danach aufgerufen in einer kritischen Diskussion die im Seminar erworbenen Kenntnisse zur Anwendung zu bringen, um in einen kritischen Diskurs mit der von mir vertretenen These zu treten.
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