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Uni-München
14. März 2017

Fortgeschrittenenseminar und Essaykurs John McDowell Mind and World

Empirische Urteile wie -Dort hinten liegt ein Geldbeutel- können wir rechtfertigen, indem wir z.B. sagen: -Ich habe das gesehen!-. Doch um welche Art von Rechtfertigung handelt es sich hier? Offenbar ist -Ich habe das gesehen!- kein Satz, aus dem das...

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Empirische Urteile wie -Dort hinten liegt ein Geldbeutel- können wir rechtfertigen, indem wir z.B. sagen: -Ich habe das gesehen!-. Doch um welche Art von Rechtfertigung handelt es sich hier? Offenbar ist -Ich habe das gesehen!- kein Satz, aus dem das Urteil -Dort hinten liegt ein Geldbeutel- in irgendeiner dem logischen Schluss analogen Weise folgen würde. Versteht man -Ich habe das gesehen!- hingegen, wie es scheinbar naheliegt, als den Verweis auf ein psychophysisches Ereignis, so stellt sich die Frage: Wie kann ein solches Ereignis rechtfertigende Funktion für ein Urteil haben? Denn ein solches Ereignis mag zwar eine notwendige Bedingung dafür sein, dass wir überhaupt gerechtfertigt urteilen können; es scheint aber ein Kategorienfehler zu sein, ein psychophysisches Ereignis (z.B. einen neuronalen Vorgang) als rechtfertigende Instanz für ein Urteil zu verstehen. Denn als Rechtfertigung kann, mit einem Wort von Wilfrid Sellars gesprochen, nur dasjenige fungieren, was im -logical space of reasons- lokalisiert ist, nicht aber ein factum brutum in der Welt. Die Frage bleibt also unbeantwortet: Wie haben wir rechtfertigende Sätze wie z.B. -Ich habe das gesehen!- philosophisch zu analysieren? John McDowell, der wohl bedeutendste Erkenntnistheoretiker der Gegenwart, zeigt in seinem Hauptwerk Mind and World (1991/1994) im Detail auf, dass und warum die Erkenntnistheorie in Bezug auf diese Frage in die soeben skizzierte Sackgasse geraten ist und versucht davon ausgehend, diese Frage einer Antwort zuzuführen. Im Seminar wollen wir McDowells scharfsinnigen Gedankengang präzise rekonstruieren und kritisch auf seine Überzeugungskraft hin prüfen. Primärtext: • John McDowell (21996): Mind and World. With a New Introduction by the Author. Cambridge (MA)/London. Sekundärtexte: • Nicholas Smith (Ed.) (2002): Reading McDowell: On Mind and World. Abingdon/New York. Weitere Literatur (insbesondere ausgewählte Aufsätze) wird im Seminar bekanntgegeben. Zur Einführung in das Seminarthema sei die von McDowell selbst verfasste Introduction zur o.g. 2. Auflage von Mind and World empfohlen. Voraussetzungen Grundkenntnisse der kantischen Philosophie sind erwünscht, zwingende Teilnahmevoraussetzung ist jedoch eine Vertrautheit mit den Grundbegriffen der analytischen Erkenntnistheorie. Leistungsnachweis Hausarbeit; oder, falls Belegung als Essaykurs (nur für Philosophie-Masterstudierende und BA-Hauptfachstudierende der Philosophie): 4 Essays Anmeldung Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich Zu dieser Veranstaltung gehört folgende Übung Nr. Bezeichnung SWS 10031 Übung zum Essaykurs -John McDowell: Mind and World- 2.0 Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft Grundkenntnisse der kantischen Philosophie sind erwünscht, zwingende Teilnahmevoraussetzung ist jedoch eine Vertrautheit mit den Grundbegriffen der analytischen Erkenntnistheorie. Hausarbeit; oder, falls Belegung als Essaykurs (nur für Philosophie-Masterstudierende und BA-Hauptfachstudierende der Philosophie): 4 Essays LMU München SoSe 2016 Oehl Thomas