Uni-München
14. März 2017Fortgeschrittenenseminar Verstehen und Verständigung
Ein Sprecher der deutschen Sprache hat in aller Regel keinerlei Schwierigkeiten, den Satz -Die Ampel ist grün- zu verstehen. Nicht ganz so leicht fällt es allerdings zu erklären, was es eigentlich heißt, einen solchen Satz zu verstehen. Einer gängigen semantischen...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenEin Sprecher der deutschen Sprache hat in aller Regel keinerlei Schwierigkeiten, den Satz -Die Ampel ist grün- zu verstehen. Nicht ganz so leicht fällt es allerdings zu erklären, was es eigentlich heißt, einen solchen Satz zu verstehen. Einer gängigen semantischen Theorie zufolge verhält sich die Sache ungefähr so: Ein Sprecher hat die wörtliche Bedeutung dieses Satzes genau dann verstanden, wenn er weiß, was der Fall ist, wenn dieser Satz wahr ist.
Ein solcher Erklärungsansatz stößt jedoch schnell an seine Grenzen, wenn wir uns einen konkreten Kontext vorstellen, in dem dieser Satz tatsächlich geäußert wird: Ein Auto hält an einer Kreuzung. Der Fahrer ist mit der Suche nach einem Radiosender beschäftigt. Als die Ampel auf Grün springt, sagt der Beifahrer an den Fahrer gerichtet: -Die Ampel ist Grün-. Offensichtlich reicht es in dieser Situation nicht mehr aus, zu wissen was der Fall ist, wenn dieser Satz wahr ist. Vielmehr scheint der Fahrer die Bedeutung dieses Satzes erst dann verstehen zu können, wenn er die Intention des Sprechers versteht, mit der er diesen Satz unter diesen Umständen geäußert hat – und das heißt hier: wenn er ihn als Aufforderung versteht, den Kopf zu heben und loszufahren.
Mit diesem kurzen Beispiel sind bereits zahlreiche -heiße Eisen- der aktuellen sprachphilosophischen Forschung berührt: Was genau verstehen wir eigentlich, wenn wir die Bedeutung eines Wortes oder Satzes (aber auch: einer Geschichte, eines Gedichts oder eines Witzes) verstehen? Wie ist es möglich, dass wir uns in immer neuen Situationen mit dem immer gleichen Inventar sprachlicher Ausdrücke verständigen können? Gibt es überhaupt so etwas wie wörtliche Bedeutung oder erhalten sprachliche Ausdrücke ihren Bedeutungsgehalt erst in den konkreten Kontexten ihrer Anwendung?
Fragen dieser Art liegen an der Schnittstelle von Semantik und Pragmatik. Anhand der Rolle von Verstehen und Verständigung in unserem Umgang mit der natürlichen Sprache soll den Teilnehmern ein Überblick über dieses schwierige Diskussionsfeld verschafft werden. Die Diskussionsgrundlage bilden Texte von Locke, Frege, Grice, Searle, Kripke, Davidson, Brandom und Luhmann.
In Begleitung zu diesem Seminar wird ein Forschungstutorium angeboten, in dem zentrale Aspekte der Grice-Theorie weiter vertieft werden. Das Forschungstutorium wird von Konstanty Kuzma geleitet. Zeit und Ort werden in der ersten Seminarsitzung bekanntgegeben.
Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
Grundlagenkenntnisse in analytischer Sprachphilosophie
Hausarbeit [9 ECTS-Punkte]
LMU München
SoSe 2015
Schmalhorst Clemens Paul