Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Geisterfotografie

-Ein Foto ist ein Geheimnis über ein Geheimnis. Je mehr es uns verrät, desto weniger wissen wir...- (Diane Arbus) Anders als in der Malerei scheint sich in der Fotografie die Natur selbst in den Film (oder auch in den CCD-Sensor,...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
-Ein Foto ist ein Geheimnis über ein Geheimnis. Je mehr es uns verrät, desto weniger wissen wir...- (Diane Arbus) Anders als in der Malerei scheint sich in der Fotografie die Natur selbst in den Film (oder auch in den CCD-Sensor, das ändert am Prinzip nichts) -einzuschreiben-. Zwar verfügt der Fotograf über weitreichenden Spielraum hinsichtlich der Auswahl des Bildausschnittes, des Moments des Auslösens, der Auswahl unterschiedlicher Brennweiten, Filmmaterialien usw., aber das grundsätzliche Prinzip der Fotografie besteht dennoch darin, dass, sobald denn der Fotograf sich zum Auslösen entschließt, die dann vor der Kamera gegebene Situation aufgrund ihrer aktuellen spezifischen visuellen Beschaffenheit ein Bild gewissermaßen aus sich selbst -hervorbringt- – und dass dieses Bild dann als objektive Konsequenz dieser situationalen Beschaffenheit angesehen werden kann. (Nicht zufällig heißt das Objektiv -Objektiv-.) Einfach ausgedrückt, heißt das nichts anderes, als dass ein Foto das zeigt, was zum gegeben Zeitpunkt da war. Dieser Umstand ist es im Wesentlichen, welcher Fotografie als -Werkzeug- prädestiniert, sowohl im privaten Bereich (Erinnerungsfotos), als auch z.B. in der Forensik oder in der Medizin/Wissenschaft. Eigentlich fast immer geht bei Fotos darum, dass sie -bezeugen- können, dass zum Zeitpunkt x etwas (wer oder was auch immer auf dem Foto zu sehen ist) -da- war. Diese weitgehend implizite Funktionszuschreibung führt freilich zu -Strapazen-, sobald sich auf einem Foto Darstellungsgegenstände (oder -Zustände-) zeigen, deren objektive Existenz vom Betrachter aus irgendwelchen Gründen -eigentlich- bezweifelt werden (z.B. aus weltanschaulichen Gründen). Eine geradezu klassische solche Situation ist gegeben bei Fotos, auf denen (scheinbar, fälschlicherweise, erstaunlicherweise?) paranormale Phänomene zu sehen sind. Solche Fotos existieren seit den frühesten Zeiten der Fotografiegeschichte, und man kann sie geradezu als eigenes Genre (-Geisterfotografie-) bezeichnen. Die Herausforderung, vor die sich der Betrachter eines solchen Bildes gestellt sieht, ist nicht zu vergleichen mit der Herausforderung, die sich beispielsweise aus einer rein mündlichen Behauptung (-Ich habe ein Gespenst gesehen.-) ergibt: Dies kann einfach als Lüge abgetan werden. Der hier interessierende Fall ist von gänzlich anderer Qualität, denn es liegt immerhin ein -Beweisfoto- vor. Zwar kann auch jetzt vermutet werden, es handele sich um eine fotografische Fälschung (quasi eine optische Lüge), aber die materiale Evidenz des vorliegenden Fotos zwingt den Zweifler in eine defensive Rolle. Nicht mehr der -Behaupter- muss sich beweisen (denn er hat ja einen Beweis vorgelegt), sondern der Zweifler muss die Gefälschtheit des Beweises nachweisen, denn es bleibt dabei, dass -irgend etwas- da gewesen sein muss, was zum jetzt im Foto sichtbaren Effekt geführt hat: -Eine fotografische Platte kann nicht nichts aufzeichnen. Was auch immer sie zeigt, ist die Spur von etwas, nur weiß man eben nicht genau, von was.- (Geimer 2002, S. 338f). Geisterfotografie bezieht ihre ebenso eigentümliche wie große Faszination genau aus dieser Ungewissheit. Nach einer kleinen Einführung in die Geschichte der Geisterfotografie werden wir einige prominente -Fälle- genauer analysieren. Im weiteren Seminarverlauf sollen dann die gewonnenen Erkenntnisse praktisch umgesetzt werden: Wir werden Geister fotografieren. Geimer, Peter: Was ist kein Bild? Zur -Störung der Verweisung-, in: Geimer, Peter (Hg.): Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie, Frankfurt/M. 2002, S.313-341. Medienwissenschaftliches Seminar Universität Siegen WiSe 2012/13 Dipl.-Medienw. Schemer Reinhard Timo Dipl Medienw