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Uni-Siegen
14. März 2017

Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip

Mit der Frage -Bestimmt die Muttersprache unser Denken und unser Weltbild?- werden vielfach Schüler in der Oberstufe traktiert, wenn denn überhaupt Sprachthemen behandelt werden. Dabei fallen dann unweigerlich Namen wie Humboldt und Sapir/Whorf. Unter -seriösen- Linguisten ist das Weltbild-Thema verpönt,...

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Mit der Frage -Bestimmt die Muttersprache unser Denken und unser Weltbild?- werden vielfach Schüler in der Oberstufe traktiert, wenn denn überhaupt Sprachthemen behandelt werden. Dabei fallen dann unweigerlich Namen wie Humboldt und Sapir/Whorf. Unter -seriösen- Linguisten ist das Weltbild-Thema verpönt, nicht zuletzt darum, weil zahllose Mythen und running stories, die mit diesem Thema verbunden sind, leicht widerlegt werden können (darunter auch der tausendfach wiederholte Satz, in der Eskimosprache gebe es einen unglaublichen Reichtum verschiedener Wörter für -Schnee-!). Der Linguist Guy Deutscher hat jetzt ein lesbares und spannendes Publikumsbuch geschrieben, in dem er die Frage nach der einzelsprachlichen Überformung unserer Wahrnehmung und unseres Denkens neu aufrollt (Deutscher 2010). Dieses Buch sollten Sie sich anschaffen, weil wir mehrere Kapitel davon genau unter die Lupe nehmen wollen. Daneben schauen wir jedoch auch auf die -Klassiker- des sprachlichen Relativitätsprinzips und lassen deren Kritiker ebenso zu Wort kommen wie die neuere sprachvergleichende Spracherwerbsforschung, die jedenfalls einen Teil der Whorf-Thesen neuerdings rehabilitiert (oder wenigstens wieder diskussionswürdig gemacht) hat, indem sie den Nachweis versucht, dass sprachlich fokussierte Merkmale (etwa der Raumorientierung) auch kognitiv für die Sprecher entsprechender Sprachen markanter sind. Themenplan [1] Einführung und Überblick [2] Der Klassiker: Whorf über Sprache und Weltbild (Whorf 1963) [3] Die Kritik an Whorf: -Raum- in der Hopi-Sprache (Malotki 1979: 290-301) [4] Die Kritik an Whorf: -Zeit- in der Hopi-Sprache (Deutscher 2010: 162-180) [5] Farbnamen I: Gladstone über Homer (Deutscher 2010: 34-86) [6] Farbnamen II: Berlin & Kay (Berlin & Kay 1969) [7] -Primitive Sprachen- oder: sind alle Sprachen gleichmächtig? (Deutscher 2010: 116-146) [8] Ist die Raumorientierung einzelsprachlich? (Bowerman 1999) [9] -Wo die Sonne nicht im Osten aufgeht- – Raumorientierung II (Deutscher 2010: 181-222) [10] Versuch einer Zusammenfassung Berlin, Brent & Kay, Paul (1969): Basic Color Terms: Their Universality and Evolution.Berkeley:University of California Press. Bloom, Paul & Peterson, Mary A. et al., eds. (1996): Language and Space. Cambridge, Mass.: MIT Press. Bowerman, Melissa (1999): -Learning how to Structure Space for Language: A Crosslinguistic Perspective-. In: Bloom, Peterson et al. (1999: 385-412). Deutscher, Guy (2010): Im Spiegel der Sprache. Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht. München: Beck. Joseph, John E. (2002): From Whitney to Chomsky. Essays in the History of American Linguistics. Amsterdam: Benjamins. Lee, Penny (1996): The Whorf Theory Complex. A critical reconstruction. Amsterdam: Benjamins. Levinson, Stephen C. (2003): Space in Language and Cognition: Explorations in Cognitive Diversity. Cambridge: Cambridge UP. Malotki, Ekkehart (1979): Hopi-Raum. Eine sprachwissenschaftliche Analyse der Raumvorstellungen in der Hopi-Sprache. Tübingen: Narr. Schmidt-Rohr, Georg (1933): Mutter Sprache. Vom Amt der Sprache bei der Volkwerdung. Jena: Diederichs. Silverstein, Michael (1979): -Language Structure and Linguistic Ideology-. In: The Elements: A parasession on linguistic units and levels. Chicago: Chicago Linguistic Society. S. 193-247. Whorf, Benjamin Lee (1963): Sprache, Denken, Wirklichkeit: Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie. Reinbek: Rowohlt Germanistik - Sprachwissenschaft I Universität Siegen 20151 SoSe 2015 24 Univ.-Prof. Dr. A Knobloch Clemens 24 A