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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Beobachtung und Beobachter

Wie schon Ludwik Fleck in seinen Überlegungen Über die wissenschaftliche Beobachtung und die Wahrnehmung im allgemeinen (1935) deutlich gemacht hat, gehört es zum Selbstverständnis aller Erfahrungswissenschaften, die Güte einer Wissenschaft maßgeblich an deren Ausrichtung auf -gute- Beobachtung zu bemessen. Diese...

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Wie schon Ludwik Fleck in seinen Überlegungen Über die wissenschaftliche Beobachtung und die Wahrnehmung im allgemeinen (1935) deutlich gemacht hat, gehört es zum Selbstverständnis aller Erfahrungswissenschaften, die Güte einer Wissenschaft maßgeblich an deren Ausrichtung auf -gute- Beobachtung zu bemessen. Diese Voraussetzung teilt die Fachwissenschaft mit bestimmten Positionen der Wissenschaftsphilosophie, für die es vor allem die empirische Fundierung ist, die wissenschaftliche Theorien von spekulativer Metaphysik unterscheidet. Dabei wird allerdings - sowohl beim Verifikationismus der Logischen Empiristen als auch beim Falsifikationismus der Kritischen Rationalisten - die Sphäre der Beobachtung nahezu unkritisch vorausgesetzt und in ihren Bedingungen nicht weiter analysiert. Die Analyse setzt (wenn überhaupt) erst auf der Ebene der Beobachtungssprache ein. Die Bedingungen der Beobachtung selbst und die Konstitutive des Beobachters werden nicht untersucht. Ähnlich basiert das Konzept naturwissenschaftlicher Objektivität maßgeblich auf dem Ideal eines neutralen - abstrakt-formalen - Beobachters, dessen objektive Bestandsaufnahme weder durch die Bedingungen seiner Leiblichkeit noch durch die individuellen oder sozialen Motivationslagen seines subjektiven Akteursstatus noch durch die Rahmenbedingungen des Beobachtungskontextes beeinflusst ist. Das Seminar widmet sich auf der Basis einer Sammlung von Auswahltexten den offenen Fragen nach Beobachtung und Beobachter unter Berücksichtung der Beobachtungskontexte verschiedener Fachwissenschaften. Die Frage nach dem neutralen Beobachter spielt deshalb ebenso eine Rolle wie etwa die Debatten um teilnehmende oder distanzierte Beobachtung in ethnologischen Kontexten. Literatur: Eine Sammlung von Auswahltexten wird zu Beginn der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Vorbereitung (auch als Verweis auf bestehende Desiderate!) (Auswahl) : Die Einträge: M. v. Cranach, H.-G. Frenz: -Systematische Beobachtung-, in: K. Gottschalk et al. (Hg.), Handbuch der Psychologie Bd.7, Göttingen 1969, 269-331; -Beobachtungsfehler/Beobachtungssatz/ Beobachtungssprache-, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie Bd.1, Darmstadt 1971; 832; -Beobachtung (allgemein)/ Beobachtung in den Naturwissenschaften /Beobachtung in den Sozialwissenschaften-, in: J. Speck (Hg.), Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe Bd.1, Göttingen 1980, 71-78; -Empirie/Beobachtung-, in: Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften Bd.1, Hamburg 1990, 683-686; -Beobachtung/Beobachtungssprache- in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd.1, Stuttgart 2004, 281-283 FB 01 Institut für Philosophie Uni Kassel WS 2009/2010 Philosophie Philosophie der Wissensformen Prof. Dr. Dr. Köchy Kristian