Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Der Tannhäuser Komplex

Auf Blatt 264r des berühmten Codex Manesse wird dem Leser der Handschrift im ganzseitigen Porträt ‚der Tannhäuser‘ vorgestellt: Man sieht einen bärtigen Mann in der Tracht des Deutschen Ordens, selbstbewußt und zugleich elegant posierend. Damit wird im Kontrast zu den...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Auf Blatt 264r des berühmten Codex Manesse wird dem Leser der Handschrift im ganzseitigen Porträt ‚der Tannhäuser‘ vorgestellt: Man sieht einen bärtigen Mann in der Tracht des Deutschen Ordens, selbstbewußt und zugleich elegant posierend. Damit wird im Kontrast zu den insgesamt eher höfisch-weltlich orientierten Tannhäuser-Texten eine auktoriale Position suggeriert, die einen ‚Seitenwechsel‘ vom Weltlichen zum Geistlichen vorauszusetzen scheint. Eben dies – der Minnesänger als Grenzgänger – könnte ein wesentliches Moment der Faszination sein, die sich in anhaltender Rezeption manifestiert. In deren Verlauf verschwindet die nur sehr vage faßbare historische Autorpersönlichkeit hinter legendarischer Fiktion: So berichtet die im Spätmittelalter entstandene Tannhäuser-Ballade davon, wie der Ritter ein Leben voller Liebesfreuden im Berg der Venus aufgibt, um in Rom bußfertig vor den Papst zu treten. Weil dieser ihm aber die Hoffnung auf göttliche Vergebung nimmt, kehrt Tannhäuser wieder in den Venusberg zurück. Der doppelte Grenzgang konstituiert ein diskursives Spannungsfeld, das bis ins 20. Jahrhundert hinein in immer neuen Ausgestaltungen aktualisiert wurde. Im Rahmen des Seminars soll dieser literaturgeschichtliche Komplex ausgehend von der Lektüre des im Codex Manesse überlieferten Œuvres nachgezeichnet werden. Neben den frühneuzeitlichen Fassungen der Tannhäuser-Ballade könnten dabei auch die romantische Rezeption (E.T.A. Hoffmann, Friedrich Tieck, Heinrich Heine) sowie Richard Wagners musiktheatrale Version des Stoffs Beachtung finden. Vorausgesetzt wird die gründliche Lektüre der Tannhäuser-Texte bis zur ersten Seminarsitzung (‚Kieler Online-Edition‘:http://www.lapidarius.de/Tanhuser/). Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. B.A.-Hauptfach Germanistik: Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG: Masterseminar der Neueren deutschen Literatur im Rahmen des Gemeinsamer Geistes- und Soz.Wiss. Profilbereichs: Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG: Masterseminar im Rahmen des M.A.-Studiengangs Germanistische Literaturwissenschaft Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert): Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet (Ausnahme: im Freien Bereich im LA GS/HS/RS wird die Prüfung mit bestanden/nicht-bestanden bewertet). Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. LMU München SoSe 2016 Univ.Prof.Dr. Waltenberger Michael