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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Deutsche Grammatik 1650-2000 Satzverknüpfungen Modulzuordnung L3 M14

„Deutsche Grammatik 1650-2000“ ist einerseits die Bezeichnung für ein laufendes Forschungsprojekt, das mittelfristig zum Ziel hat, eine Grammatik des jüngeren Neuhochdeutschen (Nhd.) zu erstellen. Im Rahmen des Projekts (aber natürlich nicht im Rahmen eines einzelnen Seminars!) sollen die Syntax und...

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„Deutsche Grammatik 1650-2000“ ist einerseits die Bezeichnung für ein laufendes Forschungsprojekt, das mittelfristig zum Ziel hat, eine Grammatik des jüngeren Neuhochdeutschen (Nhd.) zu erstellen. Im Rahmen des Projekts (aber natürlich nicht im Rahmen eines einzelnen Seminars!) sollen die Syntax und die Flexionsmorphologie des Deutschen von 1650 bis heute behandelt werden. Besonderes Gewicht ist dabei auf die Unterschiede zwischen Mündlichkeit (Nähesprechen) und Schriftlichkeit (Distanzsprechen) zu legen. „Deutsche Grammatik 1650-2000“ ist andererseits die Bezeichnung für eine Reihe von Seminaren. Jedes Glied der Seminarreihe „Deutsche Grammatik 1650-2000“ wird als eine thematisch weitgehend unabhängige Einheit mit eigenen Schwerpunktthemen konzipiert. Von den Seminarteilnehmern wird also nicht erwartet, dass sie auch die Vorgängerseminare besucht haben. Die Seminare der Seminarreihe „Deutsche Grammatik 1650-2000“ streben eine möglichst kreative Verbindung von Forschung und Lehre an. Gearbeitet wird mit eigens für Projektzwecke bestimmten Quellentexten. Geeignete Textfunde von Seminarteilnehmern sind aber ebenfalls willkommen. Die Ergebnisse des Seminars können auch in die Gestaltung der geplanten neuhochdeutschen Grammatik eingehen. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist es auch, engagierte Teilnehmer zur Projektarbeit, zu ein¬schlägigen Abschlussarbeiten und evtl. auch zu Dissertationen anzuregen und sie auf diese Weise längerfristig ‚im Bann des Projekt‘ zu halten. Thema des aktuellen Seminars sind Theorie und Korpusanwendung der zahlreichen Techniken von Satzverknüpfungen wie z.B. (1)Peter liegt mit Grippe im Bett. Er geht nicht zur Schule. (2)Peter liegt mit Grippe im Bett. Deshalb geht er nicht zur Schule. (3)Weil Peter mit Grippe im Bett liegt, geht er nicht zur Schule. (4)Peter liegt mit Grippe im Bett und geht nicht zur Schule. In (1) wird die Relation zwischen den beiden Sätzen durch bloße Aneinanderreihung indiziert. Ein besonderes Sprachzeichen, das die kausale Relation anzeigen würde, wird nicht verwendet. Die Erschließung der kausalen Relation wird dem Leser überlassen. In (2) und (3) wird dagegen die Relation zwischen den beiden Sätzen durch besondere Sprachzeichen und Techniken angezeigt: durch ein Kausaladverb im Vorfeld (deshalb) und durch einen vorangestellten Kausalsatz mit dem Subjunktor weil. Mit (4) liegt eine grundsätzlich andere Technik vor: Die Relation zwischen den beiden Sätzen wird durch die elliptische Weglassung des Subjekts im zweiten Satz indiziert. Die Relation ist grammatisch fest, die Erschließung der kausalen der Relation wird jedoch dem Leser überlassen. Sprachen, Sprachvarietäten und Sprachstufen unterscheiden sich hinsichtlich der möglichen und angewandten Satzverknüpfungstechniken. Die Unterschiede zwischen Mündlichkeit (Nähesprechen) und Schriftlichkeit sind mitunter gravierend, und auch historisch unterliegen die Techniken einem Wandel. Die Untersuchung der Satzverknüpfung setzt die theoretische Untersuchung wichtiger Bereiche der deutschen Syntax voraus: Techniken der Subjunktion und der Konjunktion, Techniken elliptischer Verknüpfung. Die Ergebnisse der theoretischen Analysen werden an historischen Texten des Projektzeitraumes erprobt. Ágel, Vilmos (2000): Syntax des Neuhochdeutschen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2. Aufl. Bd.2. Hgg. v. W. Besch/A. Betten/O. Reichmann/S. Sonderegger. Berlin/New York: de Gruyter (HSK 2.2), 1855-1903. Ágel, Vilmos/Hennig, Mathilde (Hrsg.) (2006a): Grammatik aus Nähe und Distanz. Theorie und Praxis am Beispiel von Nähetexten 1650-2000. Tübingen: Niemeyer. Klein, Wolfgang (1993): Ellipse. In: Jacobs, Joachim/Stechow, Achim von/Sternefeld, Wolf¬gang/Vennemann, Theo (Hrsg.): Syntax. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. Bd.1. Berlin/New York: de Gruyter (Handbücher zur Sprach- und Kommunika¬tionswissenschaft 9.1), 763-799. Pasch, Renate / Brauße, Ursula / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann (2003): Handbuch der deutschen Konnektoren. Linguistische Grundlagen der Beschreibung und syntaktische Merkmale der deutschen Satzverknüpfer (Konjunktionen, Satzadverbien und Partikeln). Berlin/New York: Walter de Gruyter (Schriften des Instituts für deutsche Sprache 9). Raible, Wolfgang (1992): Junktion. Eine Dimension der Sprache und ihre Realisierungsformen zwischen Aggregation und Integration. Heidelberg: Winter (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse 1992/2). Projektskizze Neuhochdeutsche Grammatik (s. auch Homepage). BemerkungAm 14.11.06 findet die Veranstaltung e i n m a l i g in Raum 0211, NP 6, statt!!! Für die erste Sitzung lesen Sie bitte die „Projektskizze Neuhochdeutsche Grammatik“ (im Semesterapparat oder auf meiner Homepage). Leistungsnachweis durch Referat und Hausarbeit. Ein Reader wird zusammengestellt. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WS 2006/2007 Prof. Dr. Ágel Vilmos