Uni-München
14. März 2017Hauptseminar Erzählend Philosophieren 8211 Philosophie als 8222 literarisches Genre 8220
Literatur als Referenzobjekt und als -Begleiter- des Philosophierens hat durchaus Tradition. Man denke etwa an Theodor W. Adorno, Martin Heidegger oder Jacques Derrida. Doch auch eine andere Form der Verknüpfung von Literatur und Philosophie ist festzuhalten, ein Konnex, der heute...
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Jetzt Lernplan erstellenLiteratur als Referenzobjekt und als -Begleiter- des Philosophierens hat durchaus Tradition. Man denke etwa an Theodor W. Adorno, Martin Heidegger oder Jacques Derrida. Doch auch eine andere Form der Verknüpfung von Literatur und Philosophie ist festzuhalten, ein Konnex, der heute ein wenig aus dem Zentrum der Betrachtung geraten ist: Erzählend Philosophieren. Mit dem 1516 verfassten Werk -Utopia- hat der humanistische Philosoph und Staatsmann Thomas Morus (Sir Thomas More) Aspekte des utopischen Romans mit denen des politischen Romans und mit dialogischer Erzählstruktur verknüpft. Auch Komponenten der Satire sind in -Utopia- festzuhalten. Das umfassende Werk des Aufklärers Jean-Jacques Rousseau -Emile oder Über die Erziehung- von 1762 ist ein Erziehungs-, aber auch ein Entwicklungsroman. Um den zentralen Begriff des -homme naturel- entwickelt Rousseau mit den Mitteln des Romans sein philosophisch-pädagogisches Gedankenexperiment, wobei Aspekte des individuellen, politischen und gesellschaftlichen Handelns zum Tragen kommen. -Emile- gilt heute noch als umstrittenes Referenzwerk der Pädagogik. Während die philosophisch-literarischen Werke von Morus und Rousseau durchaus einem klaren Romanablauf folgen, bricht der dänische Philosoph Søren Kierkegaard mit diesem Aufbau. 1843 erschien sein Textkorpus -Entweder – Oder-, in dem der -liebe Leser- angesprochen wird, ein fiktiver Herausgeber der Schriften leitet (teilweise) das Geschehen. Das Werk selbst besteht aus Abhandlungen, Aphorismen, Aufsätzen und Studien. Und an zentraler Stelle findet man den Text -Das Tagebuch des Verführers- – ein der Form nach durchaus klassischer Tagebuch- und Briefroman.
Im Seminar soll erörtert werden, wie verschiedene Spielarten der literarischen Fiktion philosophische Thesen nicht nur untermauern, sondern ihnen eine größere gedankliche Entfaltungsmöglichkeit bieten und somit Philosophie als -literarisches Genre- strategisch wirksam wird.
Für die Teilnahme am Seminar sind folgende Bücher zu kaufen: 1) Thomas Morus: Utopia, lateinisch / deutsch. Reclam / 18875. 2) Jean-Jacques Rousseau: Emile oder Über die Erziehung. Reclam / 901. 3) Søren Kierkegaard: Entweder – Oder. Deutscher Taschenbuchverlag.
ECTS-Punkte:
MA 12: 6 ECTS (mit Hausarbeit benotet/ mit Essays od. Referat unbenotet)
MA NF für Soziologie: 6 ECTS (ohne Hausarbeit)
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
LMU München
WiSe 1415
Trojan Andreas