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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Geschichten von Indifferenz und Verweigerung

Klassische Erzähltheorie fokussiert das Wie, die Darstellungsweise von Welt oder auch nur von Geschichten. Sie unterlegt dabei, wie implizit auch immer, ein Standardmodell von Welt und Geschichte. Nur mit Bezug hierauf lassen sich Begriffe wie Erzählperspektive, intradiegetisch-extradiegetisch formulieren – indem...

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Klassische Erzähltheorie fokussiert das Wie, die Darstellungsweise von Welt oder auch nur von Geschichten. Sie unterlegt dabei, wie implizit auch immer, ein Standardmodell von Welt und Geschichte. Nur mit Bezug hierauf lassen sich Begriffe wie Erzählperspektive, intradiegetisch-extradiegetisch formulieren – indem man ein textexternes Weltmodell als Maßstab zugrunde legt. Fragwürdig ist dieses Vorgehen spätestens bei Geschichten, die von Indifferenz und Verweigerung handeln. Denn diese bringen ihrerseits eine irreduzible, radikal andere Welt zur Sprache, der mit Anmerkungen zur Erzählperspektive nicht beizukommen ist. Dennoch ist auch hier in Blick zu nehmen, wie die anderen Welten der Indifferenz und der Verweigerung erzählerisch vermittelt werden. Dabei ergeben sich zum Teil durchaus bemerkenswerte Überkreuzungen: Melvilles Bartleby und Perecs Homme qui dort verweigern beide Arbeit und Kommunikation, nur wird das eine Mal der Erzähler mit dem stummen Arbeitsverweigerer konfrontiert, während dieser das andere Mal seine Geschichte selbst erzählt, aus seiner Innensicht. In vergleichbarer Weise sind Erzählfunktionen bei den Kriminalgeschichten von Camus (L’étranger) und Robbe-Grillet (Le voyeur) überkreuzt. Es stellt sich die Frage, ob solche Verschiebungen auf sachhaltige Unterschiede in der Gegenwelt der Verweigerung hindeuten oder ob sie nicht -lediglich- anders kommuniziert werden – vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Kulturgeschichte, in der diese Welt sich stets schon in eine andere verschiebt. Käuflich zu erwerben und baldmöglichst zu lesen sind: • Herman Melville, Bartleby der Schreiber (1853), Köln, Anaconda 2010 • Georges Perec, Un homme qui dort (1967), Paris, Gallimard (coll. folio) 1990 • Albert Camus, L’étranger (1942), Paris, Gallimard (coll. folio) 2013 • Alain Robbe-Grillet, Le voyeur (1955), Paris, Minuit (coll. double) 2013 Bemerkung Die Bücher sind bei UniBuch in der Gottschalkstraße vorrätig! Voraussetzungen Erfolgreich abgeschlossenes Basismodul französische Literaturwissenschaft. Leistungsnachweis Mündliches Referat / Präsentation / Diskussionsleitung o.ä. und schriftliche Hausarbeit. FB 02 Institut für Romanistik Erfolgreich abgeschlossenes Basismodul französische Literaturwissenschaft. Mündliches Referat / Präsentation / Diskussionsleitung o.ä. und schriftliche Hausarbeit. Uni Kassel WiSe 2014/15 Romanistik/Französisch Prof. Dr. Sick Franziska