Uni-Kassel
14. März 2017Hauptseminar Kartographie und Macht
Orientierung ist eine zentrale Voraussetzung mobiler Gesellschaften und globaler Politik. Von den antiken und mittelalterlichen Anfängen bis heute organisieren Karten den Raum nach jeweils unterschiedlichen Kriterien, in denen die Zeit- und Kulturgebundenheit der Wahrnehmung eng mit den sozialen, politischen und...
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Jetzt Lernplan erstellenOrientierung ist eine zentrale Voraussetzung mobiler Gesellschaften und globaler Politik. Von den antiken und mittelalterlichen Anfängen bis heute organisieren Karten den Raum nach jeweils unterschiedlichen Kriterien, in denen die Zeit- und Kulturgebundenheit der Wahrnehmung eng mit den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Diskursen des Entstehungskontexts verknüpft ist. Einer Definition der Internationalen Kartographischen Vereinigung (ICA) zufolge sind Karten die versinnbildlichte Repräsentation geographischer Realität, die auf der Kreativität und den Entscheidungen eines Kartographen beruht, um räumliche Beziehungen abzubilden. Als Ergebnis selektiver Definition und Benennung sind Karten von weitreichender Bedeutung, sind Ausdruck, Grundlage und Voraussetzung für die Ausübung von Macht. Um die Vielseitigkeit von Karten in diesem Zusammenhang zu beleuchten und die historische Dimension (Historizität) einzubeziehen, ist im Seminar auf verschiedene grundlegende Themenkomplexe zu blicken, insbesondere auf die Funktion von Karten (Wissensspeicher, Orientierung, Repräsentation von Zeit und Raum), das Verhältnis zwischen Kartenproduzenten und Kartenbenützern (zum Begriff der Repräsentation, Autorität, Positionierung), die hinter den geographischen Vorstellungen stehenden Weltsichten (Werte und Normen), kartographische Vernunft (Grenzziehungen, Benennungen, Logik), Raumkonzepte der Kartographie und die Karte als Grenze, die Technik der Projektionen und Standardisierungen, die Macht von Farbsymbolik und Benennungen, die Veränderungen kartographischer Perspektiven unter dem Einfluss der Politik, die Bedeutung von Grenzen und Ländern, die Intentionen der Kartenhersteller im Zeigen und Verschweigen, Karten und heutige Orientierung in einer lokalen/globalen Welt sowie Kartographie und Kunst.
Im Seminar sollen die vielschichtigen Verknüpfungen von Kartographie und Macht anhand mittelalterlicher und aktueller Beispiele aufgezeigt und mittels der Lektüre ausgewählter Aufsätze und historischer Quellen (bes. Karten) untersucht werden.
Dagmar REICHERT, Räumliches Denken als Ordnen der Dinge, Zürich 1996;
Ute SCHNEIDER, Die Macht der Karten. Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute, Darmstadt 2004. Eine ausführliche Quellen- und Literaturliste wird in den Feriensprechstunden oder zu Beginn des Semesters verteilt.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SS2006
Geschichte
Prof. Dr.
Baumgärtner Ingrid