Uni-Dortmund
14. März 2017Hauptseminar Literarische Menschenbilder zwischen Autobiographie und Maschine Mensch
Das Leben ist kein Buch. Und doch scheint die Versuchung der Selbst-Duplizierung in Form einer Autobiografie für viele verlockend zu sein. Das autobiografische Erzählen entwickelt in der Rückschau einen wie auch immer gearteten -roten Faden- des Lebenslaufs, der auch Brüche...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Leben ist kein Buch. Und doch scheint die Versuchung der Selbst-Duplizierung in Form einer Autobiografie für viele verlockend zu sein. Das autobiografische Erzählen entwickelt in der Rückschau einen wie auch immer gearteten -roten Faden- des Lebenslaufs, der auch Brüche und Krisen zu integrieren vermag. Die stillschweigend vorausgesetzte Erzählbarkeit des eigenen Lebens vertraut auf die sinnstiftende Funktion tradierter Muster des Erzählens und Deutens.
Autobiografien stellen das individuelle Leben in den Mittelpunkt, heißt es lapidar. Doch um welches Erzählen geht es dabei, wenn niemand weiß, was Leben eigentlich ist? Dem Wunsch, das Leben -aufzuschreiben-, ist die gleichzeitige Unkenntnis, was das Leben überhaupt ist, geradezu eingeschrieben. Die Kunst des Lebens besteht vielleicht gerade darin, es zu leben, ohne es zu verstehen.
Auch die sehr alten und vielfach literarisierten Vorstellungen vom künstlichen Menschen kommen ohne das grundlegende Verstehen des Lebens aus. Die genuine Lust des Second maker an der gottgleichen Hervorbringung überspielt lediglich das Unvermögen zur tieferen Einsicht in die Natur des Hervorzubringenden. Die Befreiung des Menschen aus seinen natürlichen Abhängigkeiten mutiert dergestalt zu einem Phantasma, das in der Idee der Machbarkeit gründet. Es geht um die Experimentierlust eines Homo faber, der das Machen vor das Verstehen setzt.
Üblicherweise bilden die künstlichen Kreaturen, Kunstmenschen und Automaten einerseits und das autobiografische Schreiben andererseits getrennte Gegenstände in einem literaturwissenschaftlichen Seminar. Dabei sind diese Diskurse über den zugrundeliegenden Lebensbegriff explizit oder implizit miteinander verbunden. So erscheint beispielsweise die Aussage -Androiden schreiben keine Memoiren- nur deshalb humoristisch und nicht erklärungsbedürftig, weil die Leserin, der Leser, dem sogenannten künstlichen Leben bereits bestimmte Vorstellungen und Eigenschaften zuschreibt.
Anhand eines überschaubaren Textkorpus (Reader) sollen diese beiden Erzählwelten dialogisch mithilfe ausgewählter Analysekategorien in Beziehung gesetzt werden. Die zusammengestellten Textausschnitte des Readers zeichnen zum einen die geschichtliche Entwicklung der Autobiografie in Umrissen exemplarisch nach und dokumentieren zum anderen einige prominente, traditionsbildende Kunstwesen aus Mythologie, Kunst und Literatur (Pygmalion-Mythos, Prometheus, Daidalos [lat. Daedalus], Olimpia, Golem u.a.).
Nähere Informationen stelle ich vor Seminarbeginn im EWS- und Moodlearbeitsraum ein.
Leistungsnachweise: Hausarbeit (3CP), Übernahme und pädagogische Gestaltung einer Unterrichtseinheit (AT), subsidiär eine schriftliche Ausarbeitung (AT). Daneben ist die Absolvierung von etwa acht Moodleaufgaben für alle TeilnehmerInnen verpflichtend (es geht dabei um kleine sitzungsvorbereitende Text- bzw. Rechercheaufgaben).
Klären Sie Fragen bitte schon im Vorfeld via Mail ab.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Bangert Arno