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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar quot Was soll man denn überhaupt noch glauben quot Einführung in die Textlinguistik

Textlinguistik – Was soll man überhaupt noch glauben? In einer entwickelten Industriegesellschaft wird das Individuum permanent mit Texten konfrontiert. Zu lesende Texte dringen auf uns ein, sie wollen uns informieren, uns etwas erklären, uns überzeugen, zu Entscheidungen veranlassen oder zu...

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Textlinguistik – Was soll man überhaupt noch glauben? In einer entwickelten Industriegesellschaft wird das Individuum permanent mit Texten konfrontiert. Zu lesende Texte dringen auf uns ein, sie wollen uns informieren, uns etwas erklären, uns überzeugen, zu Entscheidungen veranlassen oder zu bestimmtem Verhalten verpflichten. Als Zeitungsartikel, behördliche Anschreiben, Werbebriefe, Internet-Portale usw. gestaltet sich der Zugriff der Texte auf das Bewusstsein des Individuums. Diese Flut von Texten bewältigen wir, indem wir vorbewusst bestimmte Filterfunktionen aktivieren: Wir unterscheiden Verpflichtendes von Belanglosem, Glaubwürdiges von Unglaubwürdigem, Offizielles von Privatem. Dabei berücksichtigt der Leser nicht nur inhaltliche Aussagen des Textes, sondern in starkem Maße auch bestimmte formale Textsignale, die als Indikatoren für bestimmte Textsorten angesehen werden können. Das Seminar will eine Einführung in die Textlinguistik vermitteln und mit Hilfe der Analyse-Kategorien, die diese Teildisziplin der Linguistik zur Verfügung stellt, das implizite Textsortenwissen der Sprachgemeinschaft rekonstruieren. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse lassen sich manipulative Vertextungsstrategien detailliert beschreiben. In der gegenwärtigen Euphoriephase glauben Mediennutzer unter Umständen daran, dass das Internet jegliche Informationsbeschaffung scheinbar problemlos ermöglicht. Gerade deshalb muss die Fähigkeit geschult werden, die Glaubwürdigkeit von Texten prüfen zu können. Nur derjenige, der manipulative Vertextungsstrategien durchschaut, kann Texte als ein Mittel aufgeklärter Weltaneignung nutzen. Für den Deutschunterricht ergibt sich daraus eine wesentliche, bislang aber kaum wahrgenommene Aufgabe. Literaturangaben: Klaus Brinker. Linguistische Textanalyse. Berlin 2001 Wolfgang Dressler. Einführung in die Textlinguistik. Tübingen 1973 Ulla Fix, Hannelore Poethe, Gabriele Yos. Textlinguistik und Stilistik für Einsteiger. Frankfurt a.M. 2001 Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann. Studienbuch Linguistik. Tübingen 1994 Eckhart Rolf. Die Funktionen der Gebrauchstextsorten. Berlin 1993 Heinz Vater. Einführung in die Textlinguistik. Struktur, Thema und Referenz in Texten. München 1994 FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WS 2007/2008 Dr. Müller Christoph