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Uni-Essen
17. Juli 2017

Hauptseminar Regionalkrimi ein Subgenre zwischen Marketingstrategie und literarischer Heimatsuche

Regionalkrimis boomen nach wie vor - heißt es zumindest in der Verlagsbranche, und wenn man sich die Regale der Buchhandlungen, insbes. der Bahnhofsbuchhandlungen anschaut, scheint das auch zu stimmen. Der Trend, das fiktionale Verbrechen aus der oftmals im doppelten Sinne...

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Regionalkrimis boomen nach wie vor - heißt es zumindest in der Verlagsbranche, und wenn man sich die Regale der Buchhandlungen, insbes. der Bahnhofsbuchhandlungen anschaut, scheint das auch zu stimmen. Der Trend, das fiktionale Verbrechen aus der oftmals im doppelten Sinne anonymen und fernen Großstadt in die Region, gewissermaßen vor die eigene Haustür zu holen, begann vermutlich in den 1980er und 1990er Jahren mit Romanen wie -Steeler Straße- und fand im Fernsehen in den Schimanski-Tatorten einen seiner ersten Höhepunkte. Ein anderer, ein hiesiger Realismus zog in Kriminalliteratur und Film ein. Inzwischen jedoch scheint die Fortsetzung des Regionalkrimibooms immer mehr eine Marketingstrategie zu werden und das Genre selbst wird zunehmend eine Art Paradox: Einerseits geht es um regional vermarktbare Bücher, also Geschichten, die Einheimische wie Touristen vornehmlich wegen des Lokalkolorits kaufen sollen. Andererseits bauen Kriminalgeschichten gleich welchen Mediums und Subgenres per se darauf auf, 'im Dreck zu wühlen', 'die Idyllen als blutigen Schein zu enthüllen', eben das Verbrechen möglichst überall aufzuspüren. Kann das gut gehen? Anders gefragt: wie passt der Straßenkarten- und Tourismusführerrealismus namens Lokalkolorit samt all den regionalen und lokalen Krimifestivals mit dem zusammen, worum sich Krimis nun mal drehen: Gewalt und Korruption, Betrug, Mord und Totschlag, eben all die häßlichen, oft verdrängten Aspekte menschlichen Handelns und Seins? Diesen Fragen nachzugehen, herauszufinden, was das denn nun eigentlich ist, dieser Regionalkrimi zwischen Kunst und Kommerz, Tourismusbüro und aufklärerischen wie literarischen Ambitionen, darum dreht sich das Seminar. Die Analyse von Primärtexten wie Filmen des Genres bildet dabei ebenso eine Grundlage wie die Beschäftigung mit sogenannten Regional(krimi)verlagen und deren Programm. Rezeptionsgeschichtliche Ansätze sind ebenso willkommen wie, bei Bedarf und nach Möglichkeit, Marktanalysen. Primärliteratur: (1) Romane (Auswahl): Ani, Friedrich: z. B. aus der Süden-Reihe Bach, Mischa: Der Tod ist ein langer, trüber Fluss oder Rattes Gift Carels, Maeve: Wintereinbruch oder Das Amulett des Toten Cerutti, Silvano: Du nennst das Gier Chandler, Raymond: z.B. Farewell my Lovely Dunkel, Hanna: Mordsache Ulsnis Erler, Lukas: Ölspur Glauser, Friedrich: Die Wachtmeister-Studer-Reihe Horst, Norbert: Leichensache Juretzka, Jörg: Prickel Sense oder Der Willy ist weg Germanistik Das Seminar richtet sich an fortgeschrittene Studierende mit Bereitschaft, Referate zu halten. Wichtig: Die Themen werden in der ersten Sitzung verteilt! Teilnahmeschein: Referat (Buch/Verlagsvorstellung oder Theorietext) qualifizierter Schein: ein bis zwei Referate (buch/Verlagsvorstellung, ggf. Filmanalyse und Theorietext) & deren Verschriftlichung Leistungsnachweis: Hausarbeit Universität Duisburg-Essen WS 2010/11 Dr. Bach Michaela