Uni-Siegen
14. März 2017Heist Movies
Das Spielfilmgenre des Heist-Movies zeichnet sich durch eine ungewöhnlich hohe typologische Prägnanz und Plastizität aus. Kaum ein anderes Genre des Erzählkinos erlaubt eine derart stereotype Pflege der Formensprache bei gleichzeitiger Freiheit der Variantenbildung. Worum geht es in Heist-Movies? Zentrales Motiv...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Spielfilmgenre des Heist-Movies zeichnet sich durch eine ungewöhnlich hohe typologische Prägnanz und Plastizität aus. Kaum ein anderes Genre des Erzählkinos erlaubt eine derart stereotype Pflege der Formensprache bei gleichzeitiger Freiheit der Variantenbildung. Worum geht es in Heist-Movies? Zentrales Motiv ist in immer ein minutiös geplanter und spektakulär durchgeführter Einbruch oder Überfall durch eine Gruppe krimineller Experten. Ein Heist-Movie gewinnt seine Spannungsmomente aus der immer gleichen Spielanordnung: Ein 'unmöglich' zu raubender Schatz soll geraubt werden und dabei sind viele technische Hürden zu meistern und Unwahrscheinlichkeiten in Wahrscheinlichkeiten zu transformieren. Genrekonstitutiv ist vor allem das Darstellungsverhältnis zwischen dem Einbruchsplan und seiner Ausführung: Die Hürden, die es zu überwinden gilt, werden in Form von Instruktionsszenen erläutert, so dass das Filmpublikum den Spielfortschritt im Laufe des Einbruchs gut beobachten kann. Klassiker des Genres wie Du Rififi Chez Les Hommes (F 1955, Regie: Jules Dassin), Ocean's Eleven (USA 1960, Regie: Lewis Milestone; Remake unter demselben Titel USA 2001, Regie: Steven Soderbergh, Sequels dieses Remakes: Ocean's Twelve, USA 2004, sowie Ocean's Thirteen, USA 2007) , Topkapi (USA 1964, Regie: Jules Dassin) und The Italian Job (GB 1969, Regie: Peter Collinson; Remake USA 2003, Regie: Felix Gary Gray) bestechen dabei durch die Engführung einer transparenten Spiellogik mit aparten Milieu-Kontrasten. Neuere Genrevertreter wie Reservoir Dogs (USA 1992, Regie: Quentin Tarrantino) oder Inception (USA 2010, Regie: Christopher Nolan) zeigen zudem, wie flexibel die Formel invertiert und transponiert werden kann, ohne dass der Genrezusammenhang zerfällt.
Das Seminar -Heist-Movies- analysiert die genrebegründenden Klassiker und die jüngsten Variationen des Genres. Dabei geht es einerseits darum, die Formelemente und deren Varianz herauszuarbeiten, andererseits wollen wir die Funktionslogik der Formelemente und deren Stabilität klären.
Vor diesem Hintergrund und in einem genre- und medienübergreifenden Sinn werden wir diskutieren, welche Rolle genrespezifische Formen in den Medien spielen, wie und woran sie zu erkennen sind, unter welchen Umständen sie mediengeschichtlich entstehen, reproduziert und über Mediengrenzen hinweg verwendet werden, wie sie realweltliche Zusammenhänge perspektivieren bzw. unsere Vorstellungen realweltlicher Zusammenhänge prägen.
Medienwissenschaft
Universität Siegen
SoSe 2011
Dr.
Venus Jochen