Uni-Siegen
14. März 2017Heterochronien Kreuzungspunkte der Zeit
In einem berühmten Aufsatz von 1967 hat der Philosoph Michel Foucault den einflussreichen Begriff der Heterotopien in die Kultur- und Medienwissenschaft eingeführt. Heterotopien sind demnach -Nicht-Orte-, d.h. besondere Orte, an denen sich unterschiedliche Räume verdichten oder begegnen, an denen Illusion...
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Jetzt Lernplan erstellenIn einem berühmten Aufsatz von 1967 hat der Philosoph Michel Foucault den einflussreichen Begriff der Heterotopien in die Kultur- und Medienwissenschaft eingeführt. Heterotopien sind demnach -Nicht-Orte-, d.h. besondere Orte, an denen sich unterschiedliche Räume verdichten oder begegnen, an denen Illusion und Realität aufeinander treffen.
Im selben Aufsatz spricht Foucault aber zugleich von Heterochronien: -Die Heterotopien sind häufig an Zeitschnitte gebunden, d.h. an etwas, was man symmetrischerweise Heterochronien nennen könnte.- Heterochronien bezeichnen Schnittpunkte der Zeit, Kollisionen von Gegenwart und Vergangenheit, paradoxe Zeitformen also, auf die wir gerade in der gegenwärtigen Mediengesellschaft ständig treffen. Im Seminar werden wir den Begriff medientheoretisch einkreisen und mit prominenten Modellen der Gedächtnisforschung abgleichen (Aleida Assmann, Elena Esposito). Geht es der Gedächtnisforschung doch ebenfalls um die Verschränkung von Gegenwart und Vergangenheit – sei es in unserem Gehirn, sei es in Speichermedien.
Besonders das Kino der Moderne und Nachmoderne, das auch den Schwerpunkt des Seminars bildet, ist ein Kino der Heterochronien. Es löst die Rückblende des classical cinema, wo die Zeiten noch klar voneinander getrennt waren (z.B. in Casablanca), zugunsten mehrdeutiger Zeit-Bilder auf. So in Filmen wie Alain Resnais’ Letztes Jahr in Marienbad (1960), Karel Reisz’ The french Leutenant’s Woman (1981), Samuel Becketts That Time (Verfilmung von 2001), Stephen Daldrys The Hours (2002) und Derek Cianfrances Blue Valentine (2010).
Literaturhinweis: Michel Foucault: -Andere Räume”.
http://www.uni-weimar.de/cms/uploads/media/Foucault_AndereRaeume_01.pdf
(Volltext)
Medienwissenschaftliches Seminar
Universität Siegen
WiSe 2015/16
Priv.-Doz. Dr.
Lommel Michael Priv Doz