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Uni-Siegen
14. März 2017

Houellebecq Soumission Unterwerfung

Der jüngste Roman Michel Houellebecqs spielt im Jahr 2022. In Frankreich sind Präsidentschaftswahlen. Die sozialistische Partei unter François Hollande ist erschöpft. Um einen Sieg des Front National von Marine Le Pen zu verhindern, unterstützt sie die Wahl eines Kandidaten der...

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Der jüngste Roman Michel Houellebecqs spielt im Jahr 2022. In Frankreich sind Präsidentschaftswahlen. Die sozialistische Partei unter François Hollande ist erschöpft. Um einen Sieg des Front National von Marine Le Pen zu verhindern, unterstützt sie die Wahl eines Kandidaten der muslimischen Bruderschaft, deren Vertreter Muhammed Ben Abbes als Staatspräsident in den Élysée-Palast einzieht. Das Land, das zuvor in Lagerstellungen, offenen und latenten Konflikten, Krisen und Pessimismus versunken war, atmet auf: Die Wirtschaft floriert, die Frauen tragen Schleier und ziehen sich aus dem Arbeitsleben zurück, die Sorbonne wird islamische Universität. François, der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, ist Literaturwissenschaftler und Spezialist des Dekadenz-Autors Joris Karl Huysmans. Er konvertiert, wird hoch dekoriert und erlöst von seinen Problemen mit Frauen. Ein Zufall ist ein Zufall ist ein Zufall. Soumission wurde veröffentlicht am 7. Januar 2015 (Unterwerfung am 16. Januar), dem Tag der Anschläge auf Charlie Hebdo und einen jüdischen Laden in Paris. Die Kritiker, schon vor dem Erscheinen gespalten und auf der Hut, reagierten alarmiert. Dass Houellebecq, in moralistischer Tradition, ein scharfsinniger Beobachter gesellschaftlicher Stimmungs- und Diskurslagen ist, ein Satiriker und auch ein entschiedener Provokateur, hatte er schon mit seinen früheren Texten bewiesen, allesamt literarisch raffiniert, sarkastisch und sprachlich singulär. Ob mit ihm, wie Libération schrieb, die «rechten Schriftsteller» zurückgekehrt sind, wird zu diskutieren sein. Sicher ist nur, dass der Roman seinen Lesern und Leserinnen eine Reihe von Denkfallen stellt, in die hineinzutappen allenfalls verhindern kann, wer Denktabus und eingefahrene Denkmuster hinter sich lässt und bereit ist, Ambiguität auszuhalten. Knobloch, Clemens, 24 Univ.-Prof. Dr. A Die Arbeit am Text und die aktive Teilnahme an den Veranstaltungen sind für den Erwerb der Leistungspunkte verpflichtend. Universität Siegen 20152 WiSe 2015/16 Germanistik - Sprachwissenschaft I 24 Univ.-Prof. Dr. A Hülk Althoff Walburga 24 A