Uni-Siegen
14. März 2017Individualität und Textualität Subjekttheorien in Literatur und Literaturwissenschaft
Literatur hat es immer mit besonderen Welt- und Menschenbildern zu tun, was Walter Jens dazu bewegte, zwischen einer ‚Ist
Was lernst du wirklich?
In diesem Kurs tauchst du tief in die Konzepte von Individualität und Textualität in der Literatur ein. Wir untersuchen, wie sich die Idee des 'Ichs' und des Subjekts historisch entwickelt hat und wie Literatur diese Entwicklung von der Aufklärung bis zur Postmoderne widerspiegelt. Dabei beleuchten wir, wie Texte selbst Bedeutung erzeugen und welche Rolle Geschlechterdifferenz und moderne Entfremdung spielen.
Das wirst du lernen
- Die historische Entwicklung des Konzepts von Individualität und Subjektivität in der Literatur nachvollziehen.
- Ausgewählte literarische Texte hinsichtlich ihrer Darstellung von Subjektformen und ästhetischen Konzeptionen analysieren.
- Grundlegende Theorien zu Textualität und Subjektivität (z.B. Kristeva, Genette) verstehen und anwenden.
- Die Zusammenhänge zwischen Individualität, Identität, Normalität, Abweichung und Geschlechterdifferenz in literarischen Kontexten diskutieren.
- Die Entwicklung literarischer Subjektformen von der Aufklärung bis zur Postmoderne kritisch reflektieren.
Passende Berufsfelder
Literaturwissenschaft und ForschungVerlagswesen (Lektorat, Redaktion)Kulturjournalismus und MedienBildung und ErwachsenenbildungKulturmanagement und Öffentlichkeitsarbeit
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Literatur hat es immer mit besonderen Welt- und Menschenbildern zu tun, was Walter Jens dazu bewegte, zwischen einer ‚Ist'- und einer ‚Ich'-Literatur zu unterscheiden. Doch wie der ‚Autor' ist auch die Individualität eine ‚junge Erfindung', die aus dem 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit, datiert. Zwischen dem ‚Menschen' als ‚politischem Tier' (Aristoteles) und seiner individuellen Einzigartigkeit (Kierkegaard) liegt ein weiter philosophischer Weg, den die Literaturwissenschaft zumindest kulturhistorisch überfliegen sollte.
‚Text' ist ein Begriff, der sich zwischen Linguistik, Semiotik und Philologie (vgl. Gérard Genette) ansiedelt. Versteht die Zeichentheoretikerin Julia Kristeva Subjektivität als ‚Bedeutungspraxis' und Textualität als ‚unendlichen Raum' (bzw. Prozess), erscheint die historische Parallelisierung zwischen Subjektformen, ästhetischen Konzeptionen und literarischen Texten als ein ebenso ergiebiges wie interessantes Unterfangen. Lässt sich behaupten, dass Literatur im Laufe der Zeit immer individualistischer geworden sei? ‚Ich ist ein Anderer', sagte Rimbaud. Mit der Anspielung auf moderne ‚Entfremdung' stellt sich nicht nur die Frage nach dem Bezug von Individualität und Identität, sondern auch jene nach Normalität und Abweichung. Wie aber lässt sich der Bezug von Subjektivität und Geschlechterdifferenz denken? Im geplanten Proseminar soll die Einführung in diese komplexe Problematik anhand von gemeinsamen Lektüren ausgewählter literarischer Beispiele, von Karl Philipp Moritz und Jean Paul über Goethe und F.Th. Vischer bis zu Rilke, Benn, Else Lasker-Schüler (IchundIch) und Rose Ausländer konkretisiert werden. Postmoderne Textproduktion wäre schließlich unter Einbezug neuer medialer Bedingungen (z.B. Rainald Goetz, Elfriede Jelinek, Helene Hegemann) zu untersuchen.
(Eine Liste von Primärtexten wird zusammen mit den TeilnehmerInnen erstellt. Bedingung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.)
- Zima, Peter V.: Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Tübingen/Basel: Francke 2000
- Bürger, Peter/Bürger, Christa: Das Verschwinden des Subjekts. Das Denken des Lebens. Fragmente einer Geschichte der Subjektivität. Frankfurt a.M. 2001
- Fülleborn, Ulrich/Engel, Manfred (Hg.): Das neuzeitliche Ich in der Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts. Zur Dialektik der Moderne. München: W. Fink 1988
- Menke, Christoph: -Subjektivität-. In: Ästhetische Grundbegriffe [..]. Hg. von K. Barck u.a. Stuttgart: Metzler 2003, S. 734-786 [im Hinblick auf Ästhetik]
- Kemper, Dirk: ineffabile. Goethe und die Individualitätsproblematik der Moderne. München: W. Fink 2004
- Zizek, Slavoj: Die Tücke des Subjekts. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2001
Germanistik - Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft I
Universität Siegen
SoSe 2011
apl. Prof. Dr.
Runte Annette