Uni-Hannover
14. März 2017Individuum Masse Gesellschaft Eine Einführung in die psychoanalytische Sozialpsychologie
Für Sigmund Freud galt die Psychoanalyse immer mehr als eine bloße therapeutische Spezial­disziplin im klinischen Arsenal von Medizin und Psychiatrie. Als tiefenpsychologische Lehre vom seelisch Unbewussten, könne sie -all den Wissenschaften unentbehrlich werden, die sich mit der Entstehungsgeschichte der menschlichen...
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Jetzt Lernplan erstellenFür Sigmund Freud galt die Psychoanalyse immer mehr als eine bloße therapeutische Spezialdisziplin im klinischen Arsenal von Medizin und Psychiatrie. Als tiefenpsychologische Lehre vom seelisch Unbewussten, könne sie -all den Wissenschaften unentbehrlich werden, die sich mit der Entstehungsgeschichte der menschlichen Kultur und ihrer großen Institutionen wie Kunst, Religion und Gesellschaftsordnung beschäftigen-. Als Sozialwissenschaft besteht ihre Hauptaufgabe vor allem in der Analyse -der subjektiven Bedingungen objektiver Irrationalität- (Adorno), d.h.: Die Psychoanalyse befasst sich vorrangig mit der unbewussten Dynamik von Gruppen und Massen, mit der Entstehung und Wirkung von Vorurteilen, Aggressionen und Ideologien von Ungleichheit und Gewalt im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft. In einer Mischung aus Vorlesungen, Referaten und Gruppenarbeiten soll in diesem Seminar zunächst ein Überblick über die Geschichte und die wichtigsten Konzepte der Psychoanalyse vermittelt werden, um dann in einem zweiten Schritt ihre Bedeutung für die Sozialpsychologie anhand ausgewählter Theorien und Anwendungsfelder (Massenpsychologie, Nation und kollektive Identität, Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, Geschlechterverhältnis, Sozialisation) herauszuarbeiten.
Die Lehrveranstaltung wird durch einen Lektürekurs zu Freuds grundlegenden kulturtheoretischen Texten sowie ein bis zwei Tutorien, d.h. von erfahrenen Studierenden betreute Arbeitsgruppen ergänzt. Neben einer studiengangsbezogenen Beratung soll hier der Stoff des Seminars nachbearbeitet und entlang eigener thematischer Schwerpunkte vertieft werden.
Freud, S. (1992): Das Ich und das Es. Metapsychologische Schriften. Frankfurt/Main
Freud, S. (1993): Massenpsychologie und Ich-Analyse/ Zukunft einer Illusion. Frankfurt/Main
Freud, S. (1994): Das Unbehagen in der Kultur und andere kulturtheoretische Schriften; Frankfurt/Main
Gay, P. (1987): Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. Frankfurt/ Main; 1995
Dahmer, H. (Hg.) (1980): Analytische Sozialpsychologie (2 Bände). Frankfurt/Main
Zepf, S. (2000): Allgemeine psychoanalytische Neurosenlehre, Psychosomatik und Sozialpsychologie. Ein kritisches Lehrbuch. Gießen
Quindeau, Ilka (2008): Psychoanalyse. Stuttgart
Institut für Soziologie
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Prof. Dr. phil.
Pohl Rolf phil