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14. März 2017Ingeborg Bachmann Werke und Briefe
Die aus Klagenfurt stammende österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1978), nach der ein bedeutender Literaturpreis benannt ist, wurde als Lyrikerin, die in der Gruppe 47 debütierte, zum shooting star der bundesdeutschen Literaturszene, bevor sie sich Anfang der 60er Jahre der Prosa...
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Jetzt Lernplan erstellenDie aus Klagenfurt stammende österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1978), nach der ein bedeutender Literaturpreis benannt ist, wurde als Lyrikerin, die in der Gruppe 47 debütierte, zum shooting star der bundesdeutschen Literaturszene, bevor sie sich Anfang der 60er Jahre der Prosa zuwandte. Sie war nicht nur eine Akademikerin, die sich mit sprachphilosophischen Fragen beschäftigte, sondern eine politisch engagierte Intellektuelle. Mit ihrem Todesarten-Projekt, von dem einige Romanfragmente überliefert sind, hielt sie in der Restaurations-Ära der Nachkriegszeit das ‚Eingedenken' (Walter Benjamin) an die Shoah auch in der Form ihres Schreibens wach (vgl. Der Fall Franza). Denn der gewöhnliche Faschismus, den Bachmann vor allem in der ‚Gaunersprache' der Alltagskommunikation wirksam wähnt, führt letztlich bis zum ‚Seelenmord'. Obwohl Bachmanns Texte von einer hohen Sensibilität für geschlechtliche Machtverhältnisse zeugen, setzte sich die Autorin vom militanten Feminismus der frühen 70er Jahre ab. Heute gilt sie als Vordenkerin einer ‚weiblichen Ästhetik', die auch dekonstruktive Verfahren vorwegnimmt. Anhand ausgewählter Texte, die von Gedichten (z.B. -Böhmen liegt am Meer-) über Hörspiele (z.B. -Der gute Gott von Manhattan-) und Erzählungen (z.B. -Das dreißigste Jahr-, -Ein Schritt nach Gomorrha-, -Undine geht- usw.) bis zu Romanfragmenten (Malina) reichen, soll Bachmanns Schreiben vor dem sozial- und literaturhistorischen Horizont ihrer Epoche in den Blick rücken. Dabei wäre die Bezugnahme auf Selbstkommentare (z.B. die Frankfurter Poetik Vorlesungen oder die zahlreichen Interviews) ebenso erforderlich wie die kulturhistorische Kontextualisierung eines ‚Werks', das sich in ein komplexes Netz interkultureller Korrespondenzen einschreibt. Gedacht ist u.a. an Bachmanns Briefwechsel mit dem ‚jüdisch-deutschsprachigen' Schriftsteller Paul Celan (aus der Bukowina) oder dem Komponisten Hans Werner Henze, aber auch Spuren ihrer ambivalenten Beziehung zu Max Frisch. - Formale Teilnahmebedingung ist die Übernahme eines Referats.
Primärliteratur: Gedichte, Erzählungen, Romanfragmente, Poetik-Vorlesungen, Interviews
I.Bachmann/Paul Celan: Herzzeit. Briefwechsel. Suhrkamp 2008; dies./H.W. Henze: Briefe einer Freundschaft. Piper 2004
Sekundärliteratur:
Weigel, Sigrid: Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses. Wien: Zsolnay 1999
Sonderband von Text + Kritik. München 1984
Larcari, Arturo: -Unterwegs nach Böhmen. Zur topographischen Poetologie bei I.B.-. In: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft, 32, 1 (2001), S. 59-69
Dusar, Ingeborg: Choreographien der Differenz in I.Bachmanns Prosaband ‚Simultan'. Köln u.a.: Böhlau 1994
Stoll, Andrea (Hg.): Ingeborg Bachmanns ‘Malina'. Materialien. Suhrkamp 1992
Böschenstein, Bernhard/Sigrid Weigel (Hg.): I. Bachmann - P. Celan. Poetische Korrespondenzen. Suhrkamp 2000
Schnell, Ralf (Hg.): Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Metzler 1993
Zeyringer, Klaus: Österreichische Literatur seit 1945. Überblicke, Einschnitte, Wegmarken. Innsbruck/Wien/Bozen: StudienVerlag 2008
Germanistik
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SoSe 2010
apl. Prof. Dr.
Runte Annette