Uni-Siegen
14. März 2017Inszenierungen von Lebendigkeit und Intensität in der Gegenwartsliteratur
Der Kulturbetrieb der Gegenwart, sei es derjenige der Populärkultur, sei es derjenige der sogenannten -ernsten- Kunst und Literatur, widmet sich in den letzten Jahren verstärkt der Darstellung, Herstellung oder Problematisierung von -Lebendigkeit-: einem Gefühl des Stimuliertseins und einer überschüssigen -Intensität-...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Kulturbetrieb der Gegenwart, sei es derjenige der Populärkultur, sei es derjenige der sogenannten -ernsten- Kunst und Literatur, widmet sich in den letzten Jahren verstärkt der Darstellung, Herstellung oder Problematisierung von -Lebendigkeit-: einem Gefühl des Stimuliertseins und einer überschüssigen -Intensität- – oder ihrer jeweiligen Abwesenheit. Oft wird -Lebendigkeit- aufgerufen, um gegen einen als artifiziell und technologisch überfrachtet angesehenen Alltag ein ungesteuertes -Leben- in seiner Zufälligkeit und Spontaneität zu befreien. Bei einem solchen -Unbehagen in der Kultur- (und der Kritik an ihm) handelt es sich keinesfalls um ein neues Thema, schon gar nicht für die Literatur: Wie den -toten-, d.h. unsinnlich-abstrakten Buchstaben -Leben- einzuhauchen sei, ist eine alte Frage der Rhetorik, die seit dem 18. Jahrhundert in der Literatur gerne mit der Suche nach kulturellen Gegenentwürfen vermengt wird. In diesem Seminar erkunden wir Situation und Strategien der Literatur des beginnenden 21. Jahrhunderts im Zeichen einer ökonomisch und medientechnologisch transformierten Welt. In dieser, so behaupten viele Stimmen, stehen -Lebendigkeit- und -Intensität- nicht unbedingt für einen Ausbruch aus der gegebenen Ordnung. Vielmehr machen deren Steuerungsmechanismen sich das Begehren nach -Lebendigkeit- und -Intensität- zueigen und lassen es so ins Leere laufen.
Wir lesen der Gegenwartskultur, -kunst und -literatur gewidmete Manifeste (David Shields) und Analysen (Diedrich Diederichsen) sowie literarische Texte von voraussichtlich Airen, Ann Cotten, Rainald Goetz, Clemens Meyer, Clemens J. Setz und Sila Sönmez. Wir schlagen die Brücke sowohl zu poetologischen, ästhetischen und kulturgeschichtlichen Theorien (Roland Barthes, Gilles Deleuze, Frederic Jameson) wie zu anderen Erzählmedien (voraussichtlich der TV Serie -True Blood-).
Seminarlektüre (teilweise in Auszügen):
- Diedrich Diederichsen: Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation. Köln 2008, S. 39-72, 256-279.
- David Shields: Reality Hunger. A Manifesto. New York 2010.
- Airen: Strobo. Berlin 2009.
- Ann Cotten: Florida-Räume. Berlin 2010.
- Rainald Goetz: Loslabern. Frankfurt a.M. 2009.
- Clemens Meyer: Als wir träumten. Frankfurt a.M. 2006.
- Clemens J. Setz: -Milchglas-, in: Die Liebe zur Zeit des Mahlstedter Kindes. Berlin 2011, S. 9-38.
- Sila Sönmez: Das Ghetto-Sex-Tagebuch. Berlin 2011.
Der Meyer-Roman (>500 Seiten) wird in Gänze gelesen. Wer Gelegenheit hat, bitte in den Semesterferien mit der Lektüre beginnen.
Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft I
Zulassung bei:
- Anmeldung im LSF,
- regelmäßiger Teilnahme und Vorbereitung
- hoher Lektürebereitschaft
Es wird keine Zulassung während der vorlesungsfreien Zeit geben, sondern erst Anfang der Vorlesungszeit nach den genannten Kriterien.
Universität Siegen
WiSe 2011/12
Priv.-Doz. Dr.
Schäfer Martin Jörg Priv Doz