Uni-Hannover
14. März 2017Jenseits der Epochengrenzen 8211 Ansätze zu einer alternativen Bild und Kunstgeschichte
Traditionell wird die Entwicklung der europäischen Kunst durch große Stilbegriffe wie »Gotik« oder »Barock« gegliedert. Dabei suggerieren diese Epochenschablonen homogene Kunstperioden und plötzliche, oft als Fort- oder Rückschritt vorgestellte Brüche, die es den Kunstgegenständen nach tatsächlich nicht gibt, zumal diese...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenTraditionell wird die Entwicklung der europäischen Kunst durch große Stilbegriffe wie »Gotik« oder »Barock« gegliedert. Dabei suggerieren diese Epochenschablonen homogene Kunstperioden und plötzliche, oft als Fort- oder Rückschritt vorgestellte Brüche, die es den Kunstgegenständen nach tatsächlich nicht gibt, zumal diese kunstgeschichtlichen Ordnungskategorien bis in die Moderne hinein nicht von der Kunst selbst ausgehen, sondern häufig weltanschaulich und politisch gefärbte Konstrukte späterer Jahrhunderte sind.
Als Alternative zu den hergebrachten Stilkonzepten und Entwicklungsnarrativen soll hier der Versuch unternommen werden, Kontinuität und Wandel in der europäischen Bildgeschichte anhand kunstimmanenter Kriterien darzustellen. Dazu gehören beispielhaft etwa die Darstellungsweisen des menschlichen Gesichts und Körpers im Spannungsfeld von Naturnähe und Stilisierung, Sinn und Funktion bildlicher Objekte in unterschiedlichen Kontexten oder der Transfer von Formen und Bedeutungen über geschichtliche Zäsuren hinweg. Der zeitliche Schwerpunkt soll dabei auf den vermeintlichen Epochengrenzen und Übergangszeiten zwischen Antike, Mittelalter und Renaissance liegen.
Die Vorlesung versteht sich zugleich als experimentelle Einführung in die ältere Kunstgeschichte anhand exemplarischer Form- und Gegenstandsbereiche.
Seminar:
Einführung in Betrachtung und Deutung europäischer Malerei 800 bis 1500
(Das Seminar ist der Vorlesung thematisch zugeordnet, maximal 25 Teilnehmer)
Jene 700 Jahre europäischer Bildproduktion, die konventionell als »Mittelalter« bezeichnet werden, umgreifen eine bunte Mannigfaltigkeit stilistischer und inhaltlicher Strömungen und Tendenzen, die sich nach keiner Richtung sinnvoll zusammenfassen lässt. Ziel des Seminars ist daher nicht der Versuch einer Überblicksdarstellung. Vielmehr soll anhand einzelner Themen und Motive in gemeinsamer, vertiefter Bildbetrachtung das Sehen und Verstehen alter Kunst aus den Bereichen Tafel-, Wand- und Buchmalerei geübt werden. Alle Vorurteile gegenüber mittelalterlicher Kunst müssen dabei revidiert werden: ihre anonyme Urheberschaft, ihr rein christlicher Charakter, ihre fehlende Naturnähe sowie ihr mangelhaftes Verständnis von Körper und Raum.
Gasthörendenstudium
Der erste Veranstaltungsteil (12:00-14:00) ist konzipiert als Vorlesung.
Der zweite Veranstaltungsteil (14:00-16:00) ist konzipiert als Seminar.
Universität Hannover
WiSe 2016/17
Kunst, Master LA Sonderpädagogik
Dozent