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14. März 2017Klassische Texte zum Marxismus
Westlicher Marxismus Die Bildung der Dritten Kommunistischen Internationale im Jahre 1919 sowie die revolutionären Ereignisse in zahlreichen großen europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien usw.) bewirkten innerhalb der sozialistischen Bewegung nicht nur eine weitere politische Polarisierung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten,...
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Die Bildung der Dritten Kommunistischen Internationale im Jahre 1919 sowie die revolutionären Ereignisse in zahlreichen großen europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien usw.) bewirkten innerhalb der sozialistischen Bewegung nicht nur eine weitere politische Polarisierung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, sondern sie inaugurierten auch innerhalb der marxistischen Theoriebildung eine Periode großer Umwandlungen und tiefer Konflikte sowie eine schöpferische Weiterentwicklung des marxistischen Denkens. Als Antwort auf die versteinerte Marx-Orthodoxie, die später bekanntlich in der Sowjetunion zur staatsoffiziellen Doktrin gerinnt, lassen sich ab den 1920er Jahren zunehmend Bestrebungen in Richtung einer Entdogmatisierung und Aktualisierung des ideologisch gewordenen Marxismus erkennen. Deutlich wird vor allem eine zunehmende Abkehr vom ökonomischen Paradigma, das insbesondere die Periode des Marxismus der Zweiten Internationale prägte, und damit einhergehend eine stärkere Thematisierung der sogenannten Überbauphänomene (Geschichte, Kultur, Bewusstsein usw.) mittels der Einbeziehung ‚bürgerlicher’ Philosophie’ und Wissenschaft.
Die eigentliche Geburtsstunde des sogenannten -Westlichen Marxismus- fällt in das Jahr 1923. Georg Lukács’ Sammlung von Studien zur marxistischen Dialektik wird unter dem Titel Geschichte und Klassenbewusstsein veröffentlicht. Der große Aufsatz -Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats- wird zum wirkmächtigsten des ganzen Bandes, weil er verschiedene Traditions- und Theoriestränge (Webers Theorie der Rationalisierung, Marx’ Theorie des Warenfetischismus und idealistische Geschichtsphilosophie) gekonnt miteinander verknüpft und die Marxinterpretation damit auf ein vorher nicht dagewesenes Niveau hebt. Geschichte und Klassenbewusstsein entfaltet in der Folge eine enorme internationale Strahlkraft auf marxistisch inspirierte Denker wie Gramsci, Lefèbvre, Adorno, Horkheimer, Marcuse, um nur einige zu nennen, und wird zur Quelle eines neuen Typs marxistischer Theoriebildung.
Wir werden uns in diesem Seminar intensiv mit zentralen Texten des sogenannten -Westlichen Marxismus- auseinandersetzen. Im Fokus soll dabei insbesondere das in diesen Texten thematisierte Verhältnis von Philosophie und Marxismus stehen. Zudem werden wir uns der Klärung zentraler Begriffe wie -Verdinglichung-, -Entfremdung-, -Ideologie-, -Arbeit-, -Zweite Natur- usw. zuwenden. Eine Auswahl an Texten wird am Beginn des Semesters bereitgestellt.
Vorkenntnisse im Bereich marxistischer Theoriebildung sind von Vorteil, aber keineswegs obligatorisch.
Literatur zur Einführung:
Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. Zweiter Band. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1974.
Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte - Theoretische Entwicklung - Politische Bedeutung. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 2001.
Literatur zur Einführung:
Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. Zweiter Band. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1974.
Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte - Theoretische Entwicklung - Politische Bedeutung. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 2001.
Philosophie (Kernfach), Bachelor Kern-/Ergänzung, PO 2008
Universität Siegen
WiSe 2015/16
Philosophie - Theoretische Philosophie
Philosophisches Seminar
Dr.
Puzic Maik