Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Könige Große und Kirchen Zur Entstehung mittelalterlicher Ordnungen

Mittelalterliche gesellschaftliche Ordnungen sind nicht per se -mittelalterlich-, sondern haben jeweils ihre eigene Genese, deren Kenntnis ein notwendiges Erklärungspotential bedeutet. Die meisten mittelalterlichen Ordnungen sind in ihrem Ursprung, mindestens aber in ihrer Begründung, antik, etwa die Kirchen, das Kaisertum, das...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Mittelalterliche gesellschaftliche Ordnungen sind nicht per se -mittelalterlich-, sondern haben jeweils ihre eigene Genese, deren Kenntnis ein notwendiges Erklärungspotential bedeutet. Die meisten mittelalterlichen Ordnungen sind in ihrem Ursprung, mindestens aber in ihrer Begründung, antik, etwa die Kirchen, das Kaisertum, das Münzwesen, die Städte, zahlreiche Rechtsregeln und natürlich Theoligie und Philosophie und ihre Vorstellungen von -Ordnung-. Der Wandel von gesellschaftlichen Ordnungen führt zu neuen Erscheinungsformen und ist abhängig von den zeitgenössischen Bedingungen, der Wirtschaft, von sozialen- und Herrschaftsstrukturen, aber auch von Vorstellungen über Ordnung. So ist die kirchliche Organisation des hohen Mittelalters zwar in der Antike grundgelegt, folgt dann aber den soialen und politischen Bedingungen, etwa in der Bestellung von Bischöfen durch Könige, in der aktiven Teilnahme von Bischöfen an Kriegen, in der Herkunft von Bischöfen. Das Papsttum ist ebenso antik, weil der Bischof von Rom der Nachfolger Petri ist und daraus eine besondere Stellung ableitet, aber daß er erfolgreich Zugriff auf die weltliche politische Ordnung nehmen kann und das er im laufe der Zeit zu einem regelrechten Dienstvorgesetzten von Bischöfen wird, hat seine eigene mittelalterliche Genese. Das gilt auch für das Königtum, das ja in der Sache weniger eine Angelegenheit der Tradition ist, als eine selbstverständliche und naheliegende Herrschaftsform, das sich in seiner Ausgestaltung aber immer auf die zeitgenössischen Bedingungen beziehen muß und auch auf überlieferte Vortsellungen rekurriert, wie etwa das Königtum des Alten Bundes. In gewisser Weise ist die Universität etwas genuin Mittelalterliches, weil sie bedeutet, daß Professoren und Studenten gemeinsam eine politische Einheit bilden, die sich weitgehend selbst verwaltet, und weil sie auch nicht an antike Schulen anknüpft. Das, was dort gelehrt wird, aber ist wesentlich für die mit ihr verbundene Ordnung der Welt undist zugleich fast immer eine Auseinandersetzung mit antiken Vorstellungen. Das -Lehnswesen- ist sicher noch -mittelalterlicher-, folgt aber letztlich den wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, die in der Folge der römischen Weltordnung maßgebend wurden, etwa der Veränderungen in der Besitzstruktur und dem weitgehenden Fehlen von zentraler Ordnung. -Entstehung- ist der Weg zu einem Befund, auf dem alle Facetten der Sache sichtbar werden können. Historisches Seminar Universität Siegen WiSe 2012/13 Dr. Strothmann Jürgen