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Uni-Siegen
14. März 2017

Konstruktionsgrammatik

Unter dem Sammelnamen -Konstruktionsgrammatik- etabliert sich in den letzten Jahren eine lose Aggregation von grammatischen Theorien, Heuristiken, Analyse- und Beschreibungspraktiken, deren gemeinsamer Nenner nicht deutlich zu erkennen ist. Wie so oft ist auch in der Konstruktionsgrammatik (künftig: KG) die Kontur...

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Unter dem Sammelnamen -Konstruktionsgrammatik- etabliert sich in den letzten Jahren eine lose Aggregation von grammatischen Theorien, Heuristiken, Analyse- und Beschreibungspraktiken, deren gemeinsamer Nenner nicht deutlich zu erkennen ist. Wie so oft ist auch in der Konstruktionsgrammatik (künftig: KG) die Kontur des Gegners deutlicher als die eigene: Fest im Blick haben die Anhänger der KG die hoch entwickelten generativen Formalismen mit ihren Denk- und Darstellungszwängen, mit ihrer kompositionellen Axiomatik, mit ihrer strikten Trennung von Lexikon und Syntax. Wie in allen linguistischen Erneuerungsbewegungen gibt es auch bei den Anhängern der KG eine Art -Pathos der Empirie-: Gesprächsforscher, Korpuslinguisten, Spracherwerbsforscher fühlen sich wenig gefördert durch formale Exerzitien und erklären in aller Form, dass sie der interaktiven, prozessualen und textuellen Realität des Sprachgebrauchs wieder zu ihrem Recht verhelfen wollen gegenüber den Sachzwängen linguistischer Formalisierung. Über die Perspektiven und Paradoxien, über Chancen, aber auch über Risiken und Nebenwirkungen der KG im sprachwissenschaftlichen Feld soll die Vorlesung informieren. Ziel ist es, einen Überblick über Themengebiete, Arbeitsweisen und Methoden der KG insbesondere im Bereich der germanistischen Sprachwissenschaft zu geben. Gliederung der Vorlesung [1] Einführung und Überblick [2] Drei Arten, einen Satz zu beschreiben (top down, bottom up, intermediär oder konstruktionsgrammatisch) [3] Konstruktionen: Standardbeispiele: caused motion, ditransitiv, /Y hat zu Xen/, /je…, desto…/ [4] Definitionsversuche: Was ist eine Konstruktion? [5] Warum Konstruktionsgrammatik? Risiken und Nebenwirkungen [6] Valenz und Konstruktion [7] Muster mittlerer Reichweite [8] Verblose Konstruktionen: einige Beispiele (/weg mit den Studiengebühren, runter mit den Steuern/, /der und gewinnen!/, /umso schlimmer für die Tatsachen) [9] KG in der Spracherwerbsforschung (Tomasello 2007) [10] Grammatikalisierung und Konstruktionen, Grammatikalisierung von Konstruktionen (Diewald 2007) [11] Partikelverbkonstruktionen (Knobloch 2010) [12] Zusammenfassung Literatur Bergs, Alexander & Diewald, Gabriele, eds. (2008): Constructions and Language Change. Berlin: de Gruyter. Bühler, Karl (1934): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena: Fischer. Diewald, Gabriele (2007): -Konstruktionen in der diachronen Sprachwissenschaft-. In: Fischer & Stefanowitsch (2007: 79-103). Diewald, Gabriele (2008): -Die Funktion ´idiomatischer´ Konstruktionen bei Grammatikalisierungsprozessen – illustriert am Beispiel der Modalpartikel ruhig-. In: Stefanowitsch & Fischer (2008: 33-58). Engelen, Bernhard (1986): Einführung in die Syntax der deutschen Gegenwartssprache, Teil 2. Satzglieder und Satzbaupläne. Baltmannsweiler: Pädagogischer Verlag Schneider. Feilke, Helmuth (2007): -Syntaktische Aspekte der Phraseologie III: Construction Grammar und verwandte Ansätze-. In: HSK Phraseologie, 1. Halbband (herausgegeben von Harald Burger, Dmitij Dobrovol´skij, Peter Kühn, Neal R. Norrick). Berlin, New York: Walter de Gruyter. S. 63-76. Fillmore, Charles & Kay, Paul & Michaelis, Laura, eds. (2009): Construction Grammar. Stanford: CSLI. Fischer, Kerstin & Stefanowitsch, Anatol, Hg. 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Klos, Verena (2009): Komposition und Kompositionalität: Möglichkeiten und Grenzen der semantischen Dekodierung von Substantivkomposita. Diss. Phil FB 3 Universität Siegen. Ries, John (1927 [1894]): Was ist Syntax? Ein kritischer Versuch. Prag: Taussig & Taussig. Schönefeld, Doris, ed. (2006): Special Volume I - Constructions all over: case studies and theoretical implications. [Sonderheft 1/2006 der Netzzeitschrift Constructions] Stefanowitsch, Anatol (2007): -Konstruktionsgrammatik und Korpuslinguistik-. In: Fischer & Stefanowitsch (2007: 151-176). Stefanowitsch, T omasello, Michael (2005): Constructing a Language: A Usage-based Theory of Language Acquisition. Cambridge, Mass.: Harvard UP. Tomasello, Michael (2007): -Konstruktionsgrammatik und früher Erstspracherwerb-. In: Fischer & Stefanowitsch (2007: 19-38). Zeitschrift für germanistische Linguistik (ZGL) Themenheft 1/2010 zur -Konstruktionsgrammatik- (hg. Von Clemens Knobloch) Angew. Sprachwiss.: Komm. u. Fremdspr. im Beruf, Prof.Kommunikat.-Deutsch, Master, PO 2009 Universität Siegen SoSe 2010 FB 3 - Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften Univ.-Prof. Dr. Knobloch Clemens