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Uni-Siegen
14. März 2017

Kulturgeschichte als Arbeitsfeld Vom Suchen und Finden geraubter Kunstwerke

Kunstraub, so schrieb der Historiker Wilhelm Treue vor mehr als einem halben Jahrhundert, sei ein Teil unserer abendländischen Kunstgeschichte, ein Teil unserer Kulturgeschichte. Tatsächlich kennt man aus allen Jahrhunderten und vielen Schauplätzen europäischer (und nicht-europäischer) Geschichte Fälle geraubter Kunstwerke; Plünderung...

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Kunstraub, so schrieb der Historiker Wilhelm Treue vor mehr als einem halben Jahrhundert, sei ein Teil unserer abendländischen Kunstgeschichte, ein Teil unserer Kulturgeschichte. Tatsächlich kennt man aus allen Jahrhunderten und vielen Schauplätzen europäischer (und nicht-europäischer) Geschichte Fälle geraubter Kunstwerke; Plünderung von Bibliotheken und Museen in Bagdad im Zuge des Irak-Kriegs sind nur ein Beispiel aus jüngerer Zeit. Ein genauerer Blick auf die Gesamtthematik verdeutlicht, dass ein spezifischer Zweig der Provenienzrecherche und Provenienzforschung, nämlich jener, der sich mit den Eigentumsverhältnissen solcher Kulturgüter beschäftigt, die während der nationalsozialistischen Diktatur den Opfern des NS-Regimes - zumeist den jüdischen - entzogen wurden, erst seit einigen Jahren zunehmende Bedeutung erlangt. Restitutionsforderungen von Erben dieser Opfer beschäftigen immer größere Öffentlichkeiten. Der Sensationsgehalt, der den medial inszenierten Großereignissen innewohnt, verdeckt dabei oftmals, dass die Grundlage, die oftmals akribische und komplexe wissenschaftliche Erforschung der Provenienz, also der Herkunft eines Kunstwerks, zunächst einmal eher wenig Spektakuläres an sich hat. In den vergangenen zehn Jahren, seit der Erarbeitung international weithin bekannter und anerkannter Grundsätze, ist die Geschichte von Tausenden von Kunstwerken und Büchern ermittelt worden, meistensteils wurden die Objekte am die rechtmäßigen Eigentümer übergeben. Demgegenüber verzeichnen die Datenbank weltweit noch mehr als 100.000 NS-verfolgungsbedingt entzogene oder im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verbrachte Kulturgüter. Vor diesem Hintergrund sind Provenienzrecherche und Provenienzforschung in den letzten zehn Jahren zunehmend Betätigungsfelder von Historikerinnen und Kunsthistorikern geworden. Dabei sind die Methodologie und das Konzept der neuen Disziplin als Suche nach der Objektbiographie und Sozialgeschichte der Kunst alles andere als fundiert. Im Rahmen des Blockseminars sollen ebenso die Grundlagen von Provenienzrecherche und forschung gemeinsam erarbeitet wie verschiedene spektakuläre und weniger spektakuläre - Restitutionsfälle der Vergangenheit vorgestellt und analysiert werden. Dies soll anhand von einschlägiger Sekundärliteratur ebenso geschehen wie durch einen einleitenden Fachvortrag, durch Internetrecherchen und Dokumentarfilmanalysen. Geschichte (Kernfach), Bachelor Kern-/Ergänzung, PO 2003 Universität Siegen SoSe 2010 Geschichte, LA Haupt / Real, PO 2004 Geschichte, Magister, PO 1998 Dr. Katenhusen Ines