Kulturphilosophie: Der Gelehrte und die Denkfreiheit Fichtes Bildungsphilosophie
Zum Beginn der Moderne wird die Universität zum privilegierten Ort ihrer eigenen Idee. Die Universität stiftet endlich den Raum, in dem sich Wissenschaftler autonom auch über die Verfasstheit derselben verständigen können. Was vormals - wie in Halle oder Göttingen -...
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Jetzt Lernplan erstellenZum Beginn der Moderne wird die Universität zum privilegierten Ort ihrer eigenen Idee. Die Universität stiftet endlich den Raum, in dem sich Wissenschaftler autonom auch über die Verfasstheit derselben verständigen können. Was vormals - wie in Halle oder Göttingen - nur lokal möglich war, entfaltet sich nunmehr zu einem Merkmal universitären Daseins. Ein entscheidender Wegbereiter dieser Entwicklung ist Johann Gottlieb Fichte, der wir kaum ein anderer mit einer unbedingten Haltung für die freiheitlichen akademischen Grundrechte des gelehrten gemeinen Wesen gefochten hat. Dass, was er für alle und von allen einforderte, beanspruchte er immer schon für und von sich. Obgleich ihm das zwei Mal in seiner akademischen Laufbahn zum Verhängnis werden sollte, machte er seine Bildungsideale nie zum Gegenstand von Kompromissen. Auch aufgrund dieser Haltung verdanken wir Fichte brillante Argumente, welche die Denkfreiheit als ein unveräußerliches Menschenrecht ausweisen, ergreifende Vorlesungen, welche die Rolle des Gelehrten in der Gesellschaft bestimmen sowie legitimieren, und eine beeindruckende Rektoratsrede, die gleichermaßen philosophisch tief wie wissenschaftspolitisch durchschlagend ist. Dieses umfassende, im Zeitraum von 1793 bis 1811 entstandene Schrifttum wird vervollständigt durch die 1807 vom Kabinettsrat und späteren Minister Carl Friedrich von Beyme in Auftrag gegebene Planungsschrift für eine zu Berlin zu errichtende höhere Lehranstalt. Fichtes Deducirter Plan prägte wie kaum eine andere Schrift das Selbstverständnis des neuen humboldtschen Universitätstyps. Im Seminar werden wir uns eingehend mit jenen aufklärungsphilosophischen, hochschulpolitischen und universitätsphilosophischen Schriften Fichtes befassen, die zusammen als seine Bildungsphilosophie ausgezeichnet werden können. Das Seminar ist in erster Linie für Masterstudierende gedacht und hat ein entsprechendes Anforderungsniveau. Vorausgesetzt werden gute Kenntnisse der Epoche der Aufklärung sowie der Wissenschaftslehre Fichtes. Bekanntschaft mit der allgemeinen Universitätsgeschichte ist von Vorteil.
Philosophie Universität Duisburg-Essen SoSe 2014 Priv.-Doz. Dr. phil. Wille Matthias