Uni-Hannover
14. März 2017Lucas Cranach und der dürr grüne Baum
Der Wittenberger Humanist Christoph Scheurl veröffentlichte 1508 eine Lobrede auf Lucas Cranach, in der er dessen malerisches Können mit dem Albrecht Dürers an den ersten Platz seiner Zeit setzte. Er feierte Cranach als den schnellsten Maler und pries seine Naturdarstellungen,...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Wittenberger Humanist Christoph Scheurl veröffentlichte 1508 eine Lobrede auf Lucas Cranach, in der er dessen malerisches Können mit dem Albrecht Dürers an den ersten Platz seiner Zeit setzte. Er feierte Cranach als den schnellsten Maler und pries seine Naturdarstellungen, die so waren, dass die Vögel die Beeren aus seinen Bildern picken wollten. Für die Humanisten war es ein Hinweis auf die von Plinius beschriebenen Maler Zeuxis und Apellis. Cranach war ein Renaissance-Maler.
Im Seminar wollen wir seinen künstlerischen Werdegang nachvollziehen: Ausgehend von seiner Wiener Zeit und dem Einfluss des Humanisten Conrad Celtis, über die Ernennung zum Hofmaler des sächsischen Kurfürsten und die Entwicklung seiner Malerwerkstatt bis hin zu der Zeit im Exil mit seinem Landesfürsten Johann Friedrich dem Gutmütigen in Aschaffenburg (1550-1552). Wir werden der Frage nachgehen: Wie hat es Cranach verstanden, Luthers Abneigung gegen -schöne- Bilder und die Bevorzugung der Worte so zu handhaben, dass seine Bilder zu protestantischen Lehrstücken wurden, die nicht nur – wie die Lutherporträts – propagandistisch oder als bissige Spottflugschriften gegen den Papst und die alte Kirche eingesetzt wurden, sondern auch der Vermittlung spezifisch reformatorischer Inhalte dienten? Gesetz und Gnade (um 1529), Zentrum der neuen Lehre, dieser Inhalt tritt uns in der Darstellung vom dürr/grünen Baum entgegen. Bild und Thema werden im Seminar erarbeitet.
Lucas Cranach gilt als Lutherfreund, als der Maler der Reformation. Andreas Tacke macht aber in seinem Aufsatz -gleich dem Kaninchen vor der Schlange? Altgläubige und die Wittenberger Bilderpropaganda- (2014) darauf aufmerksam, dass -arbeitet man einmal Cranachs Aufträge für Altgläubige in den ersten beiden Reformationsjahrzehnten auf, dann kann festgestellt werden, daß der Wittenberger Künstler alle Hände voll zu tun hatte, ihren Bestellungen nachzukommen.-
Allein Kardinal Albrecht von Brandenburg hatte für den Hallenser Heiligen- und Passionszyklus 142 Bilder bei Cranach anfertigen lassen.
Lucas Cranach d.Ä. wirkte in einer Zeit des konfessionellen und politischen Wandels, des Umbruchs, der Neuorientierungen mit zunehmend kriegerischen Auseinandersetzungen. Studierende, die sich mit diesem frühneuzeitlichen Künstler beschäftigen wollen, sind eingeladen sich aktiv am Seminar zu beteiligen!
Bitte nutzen Sie die Info-Veranstaltung!
Gasthörendenstudium
Begrenzte Teilnehmerzahl.
Anmeldungen sind ab Dienstag, den 29.09.2015, 09:00 Uhr möglich.
E-mail: ghs-info@zew.uni-hannover.de oder Tel. (0511) 762-5687
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Dozent