Uni-Hannover
14. März 2017Natürliche Ressourcen und Entwicklung in Lateinamerika
Die Region Lateinamerika verzeichnete in der zurückliegenden Dekade einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Boom. Viele Ökonomien des Subkontinents verzeichneten in dieser Phase hohe Wachstumsraten (im Gegensatz zu den Volkswirtschaften des globalen Nordens). Damit einhergehend ließ sich für weite Bevölkerungsteile ein bescheidener sozialer...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDie Region Lateinamerika verzeichnete in der zurückliegenden Dekade einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Boom. Viele Ökonomien des Subkontinents verzeichneten in dieser Phase hohe Wachstumsraten (im Gegensatz zu den Volkswirtschaften des globalen Nordens). Damit einhergehend ließ sich für weite Bevölkerungsteile ein bescheidener sozialer Aufstieg beobachten. So verringerten sich in verschiedenen Staaten die Armutsquoten und es konnten moderate Erfolge beim Abbau der sozialen Ungleichheit erzielt werden. Eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielten dabei die Rohstoffe der Region. Lateinamerika verfügt über hohe Vorkommen im Bereich strategischer Ressourcen wie fossile Brennstoffe, Mineralien und Agrarprodukte. Eine hohe Nachfrage nach diesen Rohstoffen führte zu anhaltend hohen Preisen auf dem Weltmarkt und verschaffte den Staaten des amerikanischen Subkontinents zuletzt beträchtliche Einnahmen und damit neue finanz- und sozialpolitische Spielräume. So bilden der Abbau und Export natürlicher Ressourcen den Kern einer verbreiteten rohstoffbasierten Entwicklungsstrategie, die derzeit in zahlreichen Staaten der Region anzufinden ist. Die Nachhaltigkeit dieses »extraktivistischen Entwicklungsmodells« ist jedoch umstritten. KritikerInnen sehen hierin v.a. das Fortbestehen Lateinamerikas als Rohstofflieferant des globalen Nordens und warnen eindringlich vor den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Rohstoffbooms, dessen negative Konsequenzen bereits vielerorts zum Vorschein kommen.
Im Fokus der Lehrveranstaltung gehen wir der Frage nach, welche Chancen und Risiken mit diesem rohstoffbasierten Entwicklungsmodell verbunden sind und wie die in Lateinamerika erzielten (entwicklungspolitischen) Erfolge der letzten Jahren zu bewerten sind? Hierzu werden wir uns einführend mit den aktuellen Debatten um den »Neuen Extraktivismus« in Lateinamerika auseinandersetzen, um anschließend eine gemeinsame empirische Analyse des Phänomens vorzunehmen. Dabei werden wir uns in die Anwendung von Online-Datenbanken internationaler Organisationen (Weltbank, UN, Cepal) einarbeiten. Abschließend ist die Analyse von verschiedenen Fallbeispielen geplant. Die SeminarteilnehmerInnen sollen dadurch in die Lage versetzt werden, die vielfältigen analytischen Konzepte und Perspektiven der Debatte theoretisch einzuordnen und mittels eigener umfassender Datenanalysen zu evaluieren. Ziel des Seminars ist es, eine theoretisch und empirisch fundierte Bewertung des rohstoffbasierten Entwicklungsmodells in Lateinamerika vornehmen zu können.
Das Seminar richtet sich an Studierende, die zum einen Lust haben sich einführend und vertiefend mit der Region Lateinamerika zu befassen und zum anderen Interesse haben mit dem statistischen Material internationaler Organisationen zu arbeiten. Sprachkenntnisse in English und/oder Spanisch sind von Vorteil jedoch nicht zwingend erforderlich! Zusätzlich kann das seminarbegleitende Colloquium bei Ingo Bultmann belegt werden (siehe gesonderten Ankündigungstext). Hier soll eine vertiefende Auseinandersetzung mit den zentralen Begriffen und Konzepten des Seminarthemas stattfinden. Die Teilnahme am Colloquium ist nicht verpflichtend, sondern als zusätzliches Einführungsangebot konzipiert. Die Teilnahme am Seminar und am Colloquium deckt die LP Anforderung des Moduls KW2 oder TRS2 vollständig ab. Um eine verbindliche Anmeldung wird im Vorfeld gebeten.
Bultmann, Ingo, Dr. phil.
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Matthes Sebastian