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14. März 2017NormALL becoming gendered Geschlechternormen und Identitätsbildung
Der englische Sprachraum unterscheidet zwischen sex und gender, zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Unsere Sprache kennt diese Unterscheidung nicht: Wir kennen nur das Wort -Geschlecht-, das gleichzeitig biologisches und soziales Geschlecht beschreibt. Diese Zuordnung verbindet sich mit dem...
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Jetzt Lernplan erstellenDer englische Sprachraum unterscheidet zwischen sex und gender, zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Unsere Sprache kennt diese Unterscheidung nicht: Wir kennen nur das Wort -Geschlecht-, das gleichzeitig biologisches und soziales Geschlecht beschreibt. Diese Zuordnung verbindet sich mit dem gesellschaftlichen Dogma, dass beide Geschlechtswahrnehmungen, d.h. sowohl die körperliche als auch die soziale, sich zu decken haben, also kausal aufeinander abgestimmt sein müssen. Die Genderforscherin Judith Butler spricht in diesem Zusammenhang von der Zwangslogik der Zweigeschlechtlichkeit und dem Primat des -intelligiblen Geschlechts-, das die Kongruenz von sex und gender unmissverständlich vorgibt. Die geschlechtliche Identität des Einzelnen, seine geschlechtliche und auch sexuelle Selbstwahrnehmung werden stark durch diese Erwartungshaltungen der Gesellschaft bestimmt. Simone de Beauvoir bringt es bereits 1949 in ihrem epochalen Werk Le deuxième sexe (dt.: -Das andere Geschlecht-) auf den Punkt: -Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht.- Damit betont sie den Vorrang des gesellschaftlichen Anteils bei der psychosozialen Herausbildung der Geschlechtsidentität und schwächt den bis dato vorherrschenden biologischen Determinismus nach dem Motto -Geschlecht ist Schicksal-.
Was aber genau ist diese geschlechtliche Identität; was genau sind sex und gender? Wird das Individuum in seiner Identitätsfindung tatsächlich so stark durch die normierende Gesellschaft bestimmt? In welchen Fällen lassen sich Abweichungen von der Norm feststellen, wie werden diese gesellschaftlich sanktioniert und inwiefern sind diese ebenso identitätsbildend wie ein Verharren in der Norm?
Diese Ringvorlesung will versuchen, auf diese und ähnliche Fragen zu antworten. Dabei werden verschiedene Disziplinen, etwa Philosophie, Medien- oder Literaturwissenschaft Antworten anbieten.
Vorläufiges Programm:
13.04.: Gregor Schuhen (FB 3): Norm und Abweichung: Gender Trouble zwischen Theoriebildung und Boulevard
20.04.: Markus Prechtl (Chemiedidaktik): Perspektiven und Interventionsansätze der Gender Studies im naturwissenschaftlichen Unterricht.
27.04.: Mark Schreiber (FB3) – Sitzung auf Englisch!
04.05.: Organisatorisches (GenderS)
11.05.: Marion Heinz (Philosophie FB1): Die gefährdete Autonomie der Frau. W.v.Humboldt und der Geschlechterdiskurs der Aufklärung.
18.05.: Sonja Weber-Menges (FB1)
25.05.: Pfingsten
01.06.: Marcus Stiglegger (FB3): Queering by Terror. Sado/masochistische Elemente des Horrorgenres.
08.06.: Selvi Demir (FB3): Zum Alltag einer muslimischen Frau in Deutschland – Sitzung auf Englisch!
15.06.: Nils Wilkinson (FB 3): Wider die Homo-Ehe: Schwullesbischer Konservatismus und neoliberale Identitätspolitik.
22.06. : Monika Pietrzak-Franger (FB 3): Disease, Gender Identity and Representation
29.06.: voraussichtlich: Lisa Kleinberger (GenderS)
06.07.: Benjamin Ryan Ulonska (GenderS): Monstrosität des 'Anderen' - Mediale Repräsentation von Identität(en) jenseits der Norm.
13.07. : Uta Fenske (GestuS): Sex and the Army. Die US-Armee als Identitäten regulierende Institution.
Organisatorisches, Evaluation (GenderS)
Romanistik - Französische und italienische Literaturwissenschaft
Universität Siegen
SoSe 2010
Jun.-Prof. Dr.
Schuhen Gregor Jun