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Uni-Hannover
14. März 2017

Politik und Politikwissenschaft im frühen Westdeutschland Leitideen und Schlüsselbegriffe der Adenauer Jahre

Für den 1949 neu errichteten westdeutschen Staat und die neu sich etablierende westdeutsche Politikwissenschaft schien die Auflösung der Weimarer Republik eine Lehre zu liefern: besser weniger als zu viel Demokratie. Der Regierungsstil des ersten Bundeskanzlers verstärkte die Tendenz zum -demoautoritären-...

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Für den 1949 neu errichteten westdeutschen Staat und die neu sich etablierende westdeutsche Politikwissenschaft schien die Auflösung der Weimarer Republik eine Lehre zu liefern: besser weniger als zu viel Demokratie. Der Regierungsstil des ersten Bundeskanzlers verstärkte die Tendenz zum -demoautoritären- politischen System. Der -Kanzlerwahlverein- CDU passte sich diesem System und seinen Wertmustern erfolgreicher an als die Weltanschauungspartei SPD vor der Godesberger Programmwende. Die Politikwissenschaft proklamierte entweder einen gemäßigten Pluralismus starker Interessengruppen, oder sie vermutete eine -Herrschaft der Verbände-. Dennoch: Komitees gegen Atomrüstung entfalteten erste außerparlamentarische Aktivitäten. Während -Vergangenheitspolitik- auf die Integration NS-Belasteter zielte und die Parole -Keine Experimente!- keineswegs nur im politischen Raum Zugkraft entfaltete, begannen bei gesellschaftlichen Lebensweisen und Leitbildern liberale Wandlungsprozesse einzusetzen. Die politischen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. In einer Einführungsphase (Textdiskussion) soll zunächst der Rahmen der Veranstaltung abgesteckt werden. Anschließend sollen folgende Einzelthemen auf der Grundlage von Referaten vertieft behandelt werden: -Bonn darf nicht Weimar werden- (1): Politisches System: -Kontrollierter- Parlamentarismus und -wehrhafte- Demokratie; -Bonn darf nicht Weimar werden- (2): Politikwissenschaft - -Minimalistisch-demokratisch- inspirierte Forschungspraxis; politische Parteien: Weltanschauungspartei oder Wahlverein?; Interessenpolitik: gebändigter Pluralismus oder hintergründige Herrschaft der Verbände?; Anfänge außerparlamentarischer Aktionen: -Kampf dem Atomtod-; Vergangenheitspolitik als Rückkehr zu scheinbarer -Normalität-; -Keine Experimente- - oder erste Schritte auf dem Weg zu sozialer, kultureller, politischer Liberalisierung? Literatur (Auswahl): Boventer, Gregor Paul: Grenzen politischer Freiheit im demokratischen Staat, Berlin 1985; Eschenburg, Theodor: Herrschaft der Verbände?, Stuttgart 1955; Fraenkel, Ernst: Deutschland und die westlichen Demokratien, Stuttgart 1964; Frei, Norbert: Vergangenheitspolitik, München 2012; Günther, Klaus: Politisch-soziale Analysen im Schatten von Weimar, Frankfurt 1985; Herbert, Ulrich (Hrsg.): Wandlungsprozesse in Westdeutschland, Göttingen 2002; Loewenstein, Karl: Verfassungslehre, Tübingen 1959; Lösche, Peter/Walter, Franz: SPD: Klassenpartei – Volkspartei – Quotenpartei, Darmstadt 1992; Narr, Wolf Dieter: CDU – SPD: Programm und Praxis seit 1945, Stuttgart 1966; Rupp, Hans Karl: Politische Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 2009; Schildt, Axel/Sywottek, Arnold (Hrsg.): Modernisierung im Wiederaufbau. Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, Bonn 1993. Politik, Bachelor (fachübergr.) VM 1 Universität Hannover WiSe 2015/16 Institut für Politische Wissenschaft Prof. Dr. Eisfeld Rainer