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14. März 2017Politische Kommunikation von Verbänden in Deutschland und Europa
Das Diktum Max Webers von 1910, dass der -heutige Mensch … unzweifelhaft neben vielem anderen ein Vereinsmensch in einem fürchterlichen, nie geahnten Maße- sei, gibt einen Hinweis auf die traditionell hohe Organisationsdichte in Deutschland. Doch auch wenn die Beteiligung und...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Diktum Max Webers von 1910, dass der -heutige Mensch … unzweifelhaft neben vielem anderen ein Vereinsmensch in einem fürchterlichen, nie geahnten Maße- sei, gibt einen Hinweis auf die traditionell hohe Organisationsdichte in Deutschland. Doch auch wenn die Beteiligung und Mitgliedschaft der Bürgerschaft in unzähligen Vereinen, Interessenverbänden und gesellschaftlichen Vereinigungen Deutschland einen der höchsten Organisationsgrade in Westeuropa beschert, gilt die Vertretung partikularer Interessen im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess zumal in Form des lobbying nach Einfluss strebender pressure groups dem in Deutschland überlieferten, vor allem von Hegel geprägten Verständnis von der Einheit des Staates und dessen Vorrang gegenüber der Gesellschaft als problematische Anmaßung.
Das Seminar fokussiert die Strukturen und Strategien der politischen Kommunikation von Verbänden in den politischen Systemen der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union und erfasst damit deren spezifische Funktionsweise und Einwirkungsmöglichkeiten. Auf Grundlage einer pluralismus- und korporatismustheoretischen Fundierung wird geklärt, anhand welcher Kriterien Interessenverbände im intermediären, zwischen Bürger und Politik vermittelnden System einerseits von den Vereinigungen im kulturellen, sportlichen und Freizeitbereich und andererseits von den Parteien abgegrenzt werden können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Vergleich der spezifischen Voraussetzungen kommunikativer Interaktion von Verbänden, wie sie in den jeweiligen institutionellen Settings der deutschen und der europäischen Politik, aber auch in unterschiedlichen Ausprägungen von Öffentlichkeit und Bürgerschaftlichkeit verankert sind. Schließlich kommen auch das jenseits einer legalen verbandlichen Interessenvermittlung und eines legitimen Lobbyismus angesiedelte korrumptive Verhalten von Verbänden in Deutschland und in der EU sowie die jeweiligen Strategien einer Korruptionsbekämpfung zur Sprache.
von Alemann, Ulrich / Bernhard Weßels: Verbände in vergleichender Perspektive, Berlin 1997.
Dagger, Steffen / Michael Kambeck(Hg.): Politikberatung und Lobbying in Brüssel, Wiesbaden 2007.
Eising, Rainer / Beate Kohler-Koch (Hg.): Interessenpolitik in Europa, Baden-Baden 2005.
Kleinfeld, Ralf / Annette Zimmer / Ulrich Willems: Lobbying: Strukturen, Akteure, Strategien, Wiesbaden 2007.
Koch-Baumgarten, Sigrid: Verbände zwischen Öffentlichkeit, Medien und Politik, Wiesbaden 2014.
Leif, Thomas / Rudolph Speth (Hg.): Die fünfte Gewalt: Lobbyismus in Deutschland, Wiesbaden 2006.
Lösche, Peter: Verbände und Lobbyismus in Deutschland, Stuttgart 2007.
Sebaldt, Martin / Alexander Straßner: Verbände in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung, Wiesbaden 2004.
Willems, Ulrich / Thomas von Winter: Interessenverbände in Deutschland, Wiesbaden 2007.
Seminar für Sozialwissenschaften
Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen.
Universität Siegen
SoSe 2014
94 apl. Prof. Dr. A
Bergem Wolfgang 94 A