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Uni-Kassel
14. März 2017

Projekt Konzept zur Zukunftssicherung Battenbergs und seiner Ortsteile

Die Stadt Battenberg beabsichtigt im Rahmen ihrer Demografie-Partnerschaft ein Entwicklungskonzept und eine Stärken-und-Schwächen-Analyse des baulich-räumlichen Kontextes durchzuführen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Gebiet der Oberstadt, die mit den Zeugen der baulichen Vergangenheit die identitätsstiftende Situation darstellt. Hier zeigen sich...

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Die Stadt Battenberg beabsichtigt im Rahmen ihrer Demografie-Partnerschaft ein Entwicklungskonzept und eine Stärken-und-Schwächen-Analyse des baulich-räumlichen Kontextes durchzuführen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Gebiet der Oberstadt, die mit den Zeugen der baulichen Vergangenheit die identitätsstiftende Situation darstellt. Hier zeigen sich (Beispiel Geschichtsverein Battenberg) auch Geschichtsbewusstsein und Heimatstolz als wichtige Faktoren des bürgerschaftlichen Engagements. Das Fachgebiet Entwerfen im Bestand / Denkmalpflege ist von der Hessischen Staatskanzlei beauftragt ein Modellprojekt mit Übertragungsfähigkeit zu entwickeln. Die Untersuchung und Dokumentierung der Infrastruktur von Handel, Dienstleistung und Verkehr sowie der Bebauung mit Wohn- und Nutzgebäuden bildet die Grundlage für eine darauf folgende Bewertung. Hierbei werden die Faktoren der Energieaufwendungen und der Nachhaltigkeit die Parameter für eine zukünftige Entwicklung sein – ohne die erhaltenswerte und durch Denkmalschutz gekennzeichnete Substanz anzugreifen. Die Aufwendungen für eine Zukunftssicherung im Sinn des -kompletten Wohnens- werden ebenfalls untersucht und Verbesserungen vorgeschlagen. Das -komplette Wohnen- versteht sich als ein Angebot, das die Vorzüge des Überschaubaren und der Nachbarschaft mit dem für alle Altersklassen wichtigen Angebot des Komforts und des Außenraums verbindet. Begehungen mit dem Bezirkskonservator des Landesamts für Denkmalwesen sollen eine Überprüfung und Fortschreibung der Denkmaltopografie im Sinn der veränderten demografischen Entwicklung und der Nutzungsmöglichkeiten von Fachwerk- und älteren Massivgebäuden ergeben. Hierzu sind Kartenmaterial und Begehungsprotokolle, evtl. auch ein Leerstandskataster anzufertigen. Auch hier kann auf das Expertenwissen der vor Ort Wohnenden und deren Mitwirkungsbereitschaft zurückgegriffen und zusätzliche Unterstützung durch eine Offizialisierung durch Denkmalschutz und örtliche Verwaltung erzeugt werden, die das Bürgerschaftliche Engagement weiter anwachsen lässt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Einbeziehung der Jugendlichen und Schüler ( vorgesehen ist auch die Einbeziehung sächsischer Schüler aus der Demografie-Partnerstadt) in den Prozess durch eine Beteiligung der Schulen und Lehrer in Form von Workshops oder Unterrichtseinheiten, die sich mit den baulichen, aber auch den sozialen Bedingungen ihrer Lebensumwelt auseinandersetzen. Die Zusammenarbeit von Studierenden und Schülern hat sich bereits mehrfach bewährt, nicht zuletzt, um Aufenthaltsorte zu verbessern und Verantwortung zu wecken. Die Aktivierung der gesamten Bevölkerung kann durch eine anfängliche Multiplikatoren-Veranstaltung (unter Beteiligung der Hessischen Staatskanzlei) gelingen, zu der Verantwortliche von Vereinen, Kirchen, sozialen und politischen Zusammenschlüssen von Minister und Bürgermeister eingeladen werden, um sie über die bevorstehenden Erhebungen zu informieren, zur Unterstützung aufzurufen, mit der Bitte, die erhaltenen Informationen an ihre Mitglieder weiterzugeben. In dieser Anfangsphase wird neben Bestandserhebung und der Auswertung die Entwicklung einer auf Battenberg abgestimmten Vorgehensweise, eines -Prozessdesigns- notwendig sein, um möglichst viele Bürger für verschiedene Arbeitsgruppen und öffentliche Veranstaltungen zu erreichen. In Abstimmung mit Bürgermeisteramt, Magistrat, Stadtverordneten, Vertretern von Institutionen, Kirchen, Verbänden und Staatskanzlei sollen Konzepte entwickelt und zusammengeführt werden, um die Informationen möglichst weit zu streuen und Rückmeldungen zu erhalten. Diese Verfahren haben sich in der zurückliegenden Arbeit bewährt und zur Konsensbildung erheblich beigetragen. Die demografische Veränderung, die in den nächsten 10 bis 30 Jahren den Alltag mitbestimmen wird, ist durch Presse und Fernsehen heute relativ weit bekannt. Oft genug wird sie allerdings nur als ein Schreckgespenst dargestellt. Die ökonomische Krise hat ein Übriges dazu getan, die Angst vor der Zukunft zu schüren. Es muss also die Realität so gezeigt werden, wie sie beeinflusst und durch bürgerschaftliches Engagement mitgestaltet werden kann. Die Ansätze hierzu liegen in der Beteiligung an Maßnahmen, die das Leben in der Kleinstadt verändern und zwar nicht in der alleinigen Verantwortung der Verwaltung, sondern durch eigenes Handeln der Bürger. Der Ausbau der Potentiale, die in Battenberg als Struktur, als materielle Substanz und vielleicht als Vorstellung in den Köpfen der Bürger vorhanden ist, stellt die Grundlage für ein künftiges Vorgehen dar. Vertrauensbildende Maßnahmen sind in der Anfangsphase wesentlich und müssen zwischen den Verantwortlichen der Stadt und den Bürgern gesucht und umgesetzt werden. Die vier Stadtteile sollen in die Erhebung und Planung soweit einbezogen werden, dass eine Gesamtsicht erreicht und ein eventuelles Konkurrenzhandeln ausgeschlossen wird. Es muss auch vermittelt werden können, dass der Schwerpunkt der Bemühungen zunächst auf der Oberstadt liegt, die die größte Außenwirkung erzielt und das Zentrum bildet, das nicht leer fallen darf. Die bekannten Potentiale wie Schwimmbad, Hallenbad, Gemeindehaus mit Versammlungsraum, der entstehende Burggarten, Häuser für ältere Menschen in städtischer Lage, funktionierende Treffpunkte, Investitionen des größten familiengeführten Unternehmens am Ort, eine Reihe funktionierender Einzelhandelsgeschäfte und eine landschaftlich reizvolle Lage lassen die Hoffnung auf den Zuzug jüngerer Arbeitnehmer und Familien erhalten. Die stimmigen Voraussetzungen (-komplettes Wohnen-) müssen dafür aber noch geschaffen werden. Neben den planerischen und baulichen Problemen gibt es eine Reihe -nichtbaulicher- Problemstellungen, die erfahrungsgemäß bei den Bestandsaufnahmen mit entdeckt oder gemeldet werden. Für diese Fälle und für die Entwicklung des Prozessdesigns arbeitet in der Gruppe ein/e erfahrene/r Sozialwissenschaftler/ in mit, der/die aus dem Bereich der Stadtsoziologie kommt. Zusammen mit ihr, mit den Studierenden, den wissenschaftlichen Mitarbeitern und dem Leiter des Fachgebiets bildet sich die Arbeitsgruppe, die von der Stadtseite und den Bürgern ergänzt wird und (möglicherweise) von einer Steuerungsgruppe aus ebendiesen Beteiligten begleitet wird. Die Tätigkeit in Battenberg kann zum 15.April in voller Besetzung beginnen, zuvor sind Planunterlagen zu besorgen und auszuwerten, Ortsbesichtigungen und -Sondierungsgespräche- mit beteiligten Ämtern und Institutionen zu führen. Die Laufzeit beträgt ein Semester, vom 1.April bis 30.September 2012. Übergeben wird ein Forschungsbericht - digital und in Papierform - nebst zugehöriger Ergänzungsdokumente (wie Leerstandskataster o.ä.) mit Planungsvorschlägen, Maßnahmenempfehlungen und erforderlichenfalls Szenarien zur Zukunftsgestaltung, in der Laufzeit wird die Einrichtung von Arbeitskreisen und bürgerschaftlichen Arbeitsgruppen angestrebt und begleitet. Das Forschungsprojekt im Sommersemester 2012 ist für zehn Studierende mit Abschluss als Dipl.-Ing. oder Bachelor in Architektur. Stadtplanung und Landschaftsplanung im Aufbaustudium (Master) ausgeschrieben und von Tutor, wissenschaftlichem Mitarbeiter, Sozialwissenschaftler/in, FG-Leiter betreut. jeweils mit den Schwerpunkten Entwurfslösungen und planerisch konzeptionelle Lösungen Architektur Pro - 2.001 Pro - 2.002 Pro - 2.003 Stadtplanung Landschaftsplanung Betreuer Prof. Alexander G. Eichenlaub Wiss.Mitarbeiter Dipl.-Ing. Thomas Pristel, Stadtplaner Dipl.-Soz. NN Tutor Moritz Jerchow BA Die Tätigkeit vor Ort wird von Kassel aus gestartet. In der Anfangsphase (Bestandserhebung etc.) und in der Abschlusszeit ist eine Unterbringung in Battenberg für je eine Woche vorgesehen. Ebenso kann bei Abendveranstaltungen Übernachtung notwendig werden. Entstehende Kosten werden ersetzt. Die Fahrten erfolgen mit Mietwagen, bzw. Fachbereichsbus, da Battenberg nicht an der Schiene liegt, und die Fahrtdauer mit Bahn und Bus über zwei Stunden beträgt. Entstehende Kosten werden vom FG getragen. Verpflegung vor Ort während der Anfangs- und Schlusswoche und bei Übernachtungen wird in Höhe der Differenz zum Mensa-Essen übernommen. Druck- und Kopierkosten werden auf Nachweis ersetzt. Es wird unbedingt empfohlen, das begleitende Seminar Umbauwerkstatt - umdenken - umschreiben - umzeichnen - D - 2.103x x zu besuchen. FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung Uni Kassel SoSe 2012 Architektur Stadt- und Regionalplanung Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Eichenlaub Alexander