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Uni-Kassel
14. März 2017

Projektseminar Glanz neuer Zeiten

Die Glanzzeiten der Textilindustrie in Deutschland liegen im ausgehenden 19. Jahrhunderts. Damals entwickelten sich durch die Mechanisierung von Produktionsprozessen Spinn-, Strick- und Webereien zu großen Industriebetrieben mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Neben Baumwolltuch und Leinengewebe für den Hausgebrauch wurden auch edle...

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Die Glanzzeiten der Textilindustrie in Deutschland liegen im ausgehenden 19. Jahrhunderts. Damals entwickelten sich durch die Mechanisierung von Produktionsprozessen Spinn-, Strick- und Webereien zu großen Industriebetrieben mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Neben Baumwolltuch und Leinengewebe für den Hausgebrauch wurden auch edle Stoffe hergestellt, die je nach Region traditionelle Besonderheiten aufwiesen und dafür international geschätzt wurden. Durch die Kriege am Anfang des 20. Jahrhunderts und spätestens seit der Globalisierung der Textilindustrie ist dieser Wirtschaftszweig in Deutschland völlig zusammen gebrochen. Die Zentren der Textilherstellung haben sich global diversifiziert: Baumwolle aus den USA wird in Fernost weiterverarbeitet und landet nach einer Reise um den Globus als fertiges Textil auf unserem Markt. An die Blütezeiten der textilen Massen- und Luxusproduktion in Deutschland erinnern heutzutage nur noch Museen, wie in Krefeld, Augsburg oder Neumünster. Lebendig dagegen ist eine stark spezialisierte Industrie, die für Bereiche wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie oder Medizin technologisch aufwändige Textilien produziert und die Arbeit einiger Forschungsinstitute, die Textilien entwickeln und neue Anwendungen erforschen. Daneben hält sich ein kleiner Markt von klassischen Textilherstellern, die der Nachfrage weiterverarbeitenden Firmen und kritischer Konsumenten mit hochwertigen Textilien nachkommen. Diese mittelständischen Betriebe pflegen meist eine qualitätsorientierte Unternehmenspolitik und bieten ein konventionelles Produktsortiment an. All diese heimischen Zweige der Textilindustrie sind für sich genommen ein wertvolles Pfund, sie leiden jedoch unter einen gemeinsamen blinden Fleck: Sie erkennen nämlich kaum die Chance, dass ihnen zeitgemäßes Textildesign sowohl einen profitablen Massenmarkt als auch ein lukratives Luxussegment aufschließen könnte. Im Projektseminar gehen wir der Frage nach, welche Kompetenzen uns im Laufe der Geschichte verloren gegangen, welche erhalten blieben und dazu gekommen sind und welche künftig wieder an Bedeutung gewinnen könnten. Über die Verbindung von Hi-Tech Know-How mit einem umfassenden ökologischen und einem hohen ästhetischen Anspruch sollen Entwürfe von Textilien entstehen, die an den Glanz alter Zeiten anknüpfen. Dabei können alte Techniken, historische Muster oder Materialverbindungen eine Brücke in die Zukunft schlagen und als Anregung zur Generierung von Entwurfsansätzen dienen. Mittels Zeichnungen (analog/digital), Moodboards und Storyboards und dem Experimentieren von Bindungen und Material werden Entwürfe von Geweben, Gestricken oder Musterdrucken erarbeitet, die dann in die entsprechenden Entwurfsprogramme übertragen und umgesetzt werden sollen. Kunsthochschule Kassel Uni Kassel SoSe 2011 Produktdesign Kunsthochschule Kassel V.-Prof. Davallu Vera V