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Uni-München
14. März 2017

Projektübung Aktenzeichen NS Kunst und Politik im Nationalsozialismus am Beispiel der Bayerischen Staatsoper Erschließung und Präsentation von Quellen zur Theatergeschichte Cromme Frank

I cannot come to Europe next Spring and Summer because of extra work I have to do here. My inability to go to Europe has nothing whatever to do with political conditions because I believe that Music stands far away...

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I cannot come to Europe next Spring and Summer because of extra work I have to do here. My inability to go to Europe has nothing whatever to do with political conditions because I believe that Music stands far away from politics. With friendliest greetings. Sincerely L. S., Beverly Hills, California. Diese Absage (gefunden im Personalakt No. 289, II.1 -Akt der Generalintendanz der bay. Staatstheater, Krauss, Clemens 1937-1938-, Bestand Intendanz Bayerische Staatsoper im Bayerischen Hauptstaatsarchiv) musste der Generalmusikdirektor und Intendant der Bayerischen Staatsoper Clemens Krauss im November 1938 von dem Dirigenten Leopold Stokowski hinnehmen. Doch ist die hierin zum Ausdruck gebrachte Haltung – Kunst und Musik hätten mit Politik nichts zu tun – speziell für diese Zeit haltbar? Spätestens seit Theodor Adorno hat sich eine andere Position durchgesetzt: Jede Kunst ist ein Abbild der Gesellschaft, in der sie produziert wird, und damit politisch. Die Bayerische Staatsoper hat ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, in welchem die Geschichte des Hauses in den Jahren 1933 (Machtergreifung der Nationalsozialisten) bis 1963 (Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten und dann wiederaufgebauten Nationaltheaters) unter politischen, institutionsgeschichtlichen und ästhetischen Blickwinkeln untersucht wird. In der an das Forschungsprojekt angeschlossenen Projektübung soll vor allem die Zeit des Nationalsozialismus im Fokus stehen: Wie korrelieren die Politisierung von Ästhetik und die Ästhetisierung von Politik – man denke z.B. an die propagandistischen Arbeiten von Leni Riefenstahl? Und bezogen auf die Bayerische Staatsoper: Welche Künstler wurden aus welchen Gründen ans Haus berufen? Gab es politische Verfolgungen, wurden nur politische Günstlinge mit Führungspositionen betraut? Welchen Einfluss hatten Propagandaminister Goebbels und der -Reichsdramaturg- Rainer Schlösser? Aber auch: Gab es auf der Opernbühne einen -nationalsozialistischen Stil-, in welchem Opern inszeniert und aufgeführt wurden? Und welche Komponisten – gedacht sei hierbei etwa an Richard Strauss, Hans Pfitzner, Carl Orff und Werner Egk – profitierten von der Herrschaft der Nationalsozialisten am meisten? Die Projektübung, angesiedelt an der Schnittstelle von Zeitgeschichte, Politik- und Theaterwissenschaft, vermittelt einen zeitgeschichtlichen Überblick über den Nationalsozialismus aus theaterhistoriographischer Perspektive. In diesem Rahmen sind mehrere Exkursionen , unter anderem zum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg oder thematische Rundgänge durch München und die Bayerische Staatsoper vorgesehen. Darüber hinaus soll von den Studierenden anhand von Archivrecherchen (etwa Bayerisches Staats- sowie Hauptstaatsarchiv, Münchner Stadtarchiv, Monacensia, Deutsches Theatermuseum) in Arbeitsgruppen anhand von Fallbeispielen ein eigenes kleines Forschungsvorhaben erarbeitet, durchgeführt und abschließend präsentiert werden. Konkret beinhaltet dies die Sichtung und Auswertung von Personal- und Werkakten, Schriftwechseln, Fotodokumentationen u.ä. sowie unter Umständen die Erstellung eines Pressespiegels. Voraussetzungen sind neben der Bereitschaft, über den Tellerrand der Theaterwissenschaft hinauszublicken, politisch-historische Grundkenntnisse sowie das Engagement, auch über die Seminarzeiten hinaus, an obligatorischen Exkursionen teilzunehmen (Finanzierung überwiegend über die twm, stud. Eigenbeitrag ca. 15€) und eigenverantwortlich im Archiv zu arbeiten. Jede/r Teilnehmer/in ist verpflichtet, neben dem Seminar eine Archiv-Arbeitsgruppe zu besuchen, welche von den Dozenten an unterschiedlichen Wochentagen angeboten wird. Ziel der Übung ist, den Umgang mit Aktenmaterial auszuprobieren und zu schulen. Anstatt wie üblicherweise Informationen primär in aufbereiteter Form aus Büchern zu beziehen, wird in der Projektübung Wissenschaft am Zeitdokument betrieben: Originale Schriftwechsel, Personalakten, Notizen, Zeitungsausschnitte etc. ausfindig zu machen und in Händen zu halten, sie einzuordnen, zu interpretieren und zu hinterfragen, ist herausfordernd, aber auch hochgradig faszinierend, reflektiert den Umgang mit Quellen und macht Geschichte und Geschichtsschreibung erfahrbar. Leistungsnachweis: Exkursionsteilnahmen, mediale Abschlusspräsentation des eigenen Forschungsprojektes UND schriftliches Dossier. Zeiten: Projektübung Mo 12-14 Uhr, Georgenstr. 11, 009 Archiv-Arbeitsgruppen (nur eine - Einteilung in der ersten Kurssitzung) a) Mo 10-12 Uhr b) Mo 14-16 Uhr c) Do 14-16 Uhr Fixe Exkursionsdaten Fr 10.Okt.14, 15.00-17.00 Uhr: Führung Stadtmuseum -Nationalsozialismus in München- Fr 17.Okt.14, 16.00-18.00 Uhr: thematische Führung Nationaltheater Fr, 14.Nov.14, 12-16 Uhr: KZ-Gedenkstätte Dachau und Archiv Sa 6.Dez.14, ganztägig: Nürnberg Reichsparteitagsgelände, NS-Dokumentationszentrum Frank, Dominik Leistungsnachweis MA Theaterwissenschaft (WP 1.2): mediale Abschlusspräsentation (15 Minuten) UND schriftliches Dossier (9000 Zeichen) 6 ECTS, in Modul(prüfung) -Historische Diskurse des Theaters- mit Forschungsseminar -Themen und Konzepte der Theaterhistoriographie- (9 ECTS) insgesamt 15 ECTS -------------------------- Leistungsnachweis MA Profilbereich (WP TW 10.1): mediale Abschlusspräsentation (15 Minuten) UND schriftliches Dossier (9000 Zeichen) 6 ECTS -------------------------- Leistungsnachweis MA Dramaturgie (P 3.2): mediale Abschlusspräsentation (15 Minuten) UND schriftliches Dossier (9000 Zeichen) LMU München WiSe 1415 Dr. Cromme Rasmus