Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Carmina Burana
Das Seminar widmet sich einer Gruppe von Texten, die in der Mittelaltergermanistik, insbesondere in der akademischen Lehre eine marginale Rolle spielen, obwohl sie für den Gesamtzusammenhang der literatur- und kulturgeschichtlichen Rahmenbedingungen mittelhochdeutscher Literatur von erheblicher Bedeutung sind: Die Texte der...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar widmet sich einer Gruppe von Texten, die in der Mittelaltergermanistik, insbesondere in der akademischen Lehre eine marginale Rolle spielen, obwohl sie für den Gesamtzusammenhang der literatur- und kulturgeschichtlichen Rahmenbedingungen mittelhochdeutscher Literatur von erheblicher Bedeutung sind: Die Texte der sogenannten Vagantendichtung. Überliefert sind sie uns in einem um 1230 entstandenen Codex, der seinen Namen, Codex Buranus, von seinem Aufbewahrungsort, Benediktbeuren, hat. Die dort enthaltenen Lieder, die Carmina Burana, sind im allgemeinen nur aufgrund der Vertonungen einer kleinen Auswahl durch Carl Orff bekannt.
Die Texte entstanden im 11. und 12. Jahrhundert, sind in Mittellatein verfasst, enthalten aber häufig auch mittelhochdeutsche Einzelstrophen und gelegentlich sind Lieder in einer kunstvollen Zweisprachigkeit komponiert. Die behandelten Themen sind neben lehrhaft-didaktischen Inhalten, mythologische Geschichten der griechisch-römischen Antike, Trink- und Spiellieder sowie eine große Anzahl an Liebesliedern. Als Autoren nimmt man sowohl hochgestellte Geistliche, als auch sogenannte Vaganten an. Die Dichter verfügten sowohl über das übliche Schulwissen des Mittelalters, als auch über Kenntnisse der volkssprachigen Dichtung.
Eigentlich kann man über die mittelhochdeutsche Literatur, insbesondere die Spruch- und Minnelyrik, nicht urteilen, ohne sich einmal mit den Carmina Burana beschäftigt zu haben. Genau das wollen wir dieses Semester machen und versuchen, die kulturgeschichtlichen Rahmenbedingungen einer Dichtung zu rekonstruieren, deren Produzenten und Rezipienten eine große Schnittmenge mit jenen Grupen bilden, die auch für das Entstehen der volkssprachigen, mittelhochdeutschen Literatur verantwortlich waren. Dabei gibt es nicht nur Ähnlichkeiten der Themen und Texte im Bereich der Minnedichtung zu entdecken, sondern auch manche ganz anders anmutende Bearbeitung weltlicher und religiöser Themen.
Primärliteratur :
• Carmina Burana. Texte und Übersetzungen. Mit den Miniaturen aus der Handschrift und einem Aufsatz von Peter und Dorothee Diemer, hrsg. von Benedikt Konrad Vollmann. Frankfurt a.M. 2011 (Deutscher Klassiker Verlag TB 49).
• Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters. Edition der Texte und Kommentare von Ingrid Kasten. Übersetzungen von Margherita Kuhn. Frankfurt/M. 2005 (Deutscher Klassiker Verlag TB 6).
Sekundärliteratur :
zur Vagantendichtung und den Carmina Burana:
• Lexikon der antiken Gestalten in den deutschen Texten des Mittelalters. Hg. v. Manfred Kern u.a. Berlin 2003.
• Fritz Peter Knapp: Die Literatur des Früh- und Hochmittelalters in den Bistümern Passau, Salzburg, Brixen und Trient von den Anfängen bis 1273 (= Geschichte der Literatur in Österreich von den Anfängen bis zur Gegenwart, hrsg. v. Herbert Zemann, Bd. 1). Graz 1994.
• Burghart Wachinger: Deutsche und lateinische Liebeslieder. Zu den deutschen Strophen der Carmina Burana. In: Der deutsche Minnesang. Aufsätze zu seiner Erforschung, Bd. 2, hrsg. v. Hans Fromm. Darmstadt 1985 (= Wege der Forschung 608), S. 275–308.
• Sayce, Olive: Plurilingualism in the Carmina Burana. A study of the linguistic and literary influences on the codex. Göppingen 1992 (GAG).
• The Carmina Burana. Four essays. Ed. by Martin H. Jones. London 2000.
• Kühne, Udo: Deutsch und Latein als Sprachen der Lyrik in den 'Carmina Burana'. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 122 (2000), S. 57-73.
zum Minnesang:
• Schweikle, Günther: Minnesang. 2., korrigierte Auflage, Stuttgart [u.a.] 1995 (Sammlung Metzler 244).
• Hübner, Gert: Minnesang im 13. Jahrhundert. Eine Einführung. Tübingen 2008. (Narr Studienbücher).
Grundlegendes zum europäischen Mittelalter und zum Mittelhochdeutschen:
• Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 2 Bde. [in einem]. München 1986 [u.ö.] (dtv 4442).
• Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik. München 52003 (C.H. Beck Studium).
• Brinker-von der Heyde, Claudia: Die literarische Welt des Mittelalters. Darmstadt 2007.
• Paul, Hermann: Mittelhochdeutsche Grammatik. Mit einer Syntax von Ingeborg Schröbler. 25. Auflage, neu bearbeitet von Thomas Klein u. a. Tübingen 2007 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte A, Hauptreihe 2).
• Weddige, Hilkert: Mittelhochdeutsch Eine Einführung. 5., durchgesehene Auflage, München 2003 (C. H. Beck Studium).
• Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 38., unveränderte Auflage, Stuttgart 1992.
• Hennig, Beate: Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch. 5., durchgesehene Auflage, Tübingen 2007 (Studienbuch).
• www.mediaevum.de
zum Mittellateinischen:
• http://www.zeno.org/Georges-1910
• http://www.zeno.org/Georges-1913
• http://www.univie.ac.at/latein/index.html
• http://www.mls.uzh.ch/documenta/online/sprache.html
• Manitius, Max: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, 3 Bde. München 1911-1931 (= Handbuch der Altertumswissenschaft IX, 2).
• Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. 2. durchgesehene Auflage, Bern 1954.
• Langosch, Karl: Lateinisches Mittelalter. Einleitung in Sprache und Literatur. 3.erg. Auflage, Darmstadt 1975.
• Berschin, Walter: Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters (Mittellatein). Eine Vorlesung. Hg. von Tino Licht. Heidelberg 2012.
Bemerkung
LitWiss
Voraussetzungen
Teilnahmevoraussetzungen gemäß Studienordnung und Modulhandbuch.
Die Tatsache, dass wir es hier mit mittellateinischer Literatur zu tun haben, sollte niemanden von einer Teinahme abschrecken. Natürlich sind Lateinkenntnisse von Vorteil, aber die zweisprachige Ausgabe ist sehr gut kommentiert, so dass es in jedem Falle möglich ist, sich intensiv mit den Texten auseinanderzusetzen.
Leistungsnachweis
Es wird erwartet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich aktiv in die Seminararbeit einbringen; die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und die gemeinsame Präsentation ihrer Ergebnisse im Seminar führen zum Erwerb einer Studienleistung. Zum Erwerb einer Prüfungsleistung ist darüber hinaus entweder die Anfertigung einer Hausarbeit oder die Teilnahme an einem Kolloquium nötig.
FB 02 Institut für Germanistik
Teilnahmevoraussetzungen gemäß Studienordnung und Modulhandbuch.
Die Tatsache, dass wir es hier mit mittellateinischer Literatur zu tun haben, sollte niemanden von einer Teinahme abschrecken. Natürlich sind Lateinkenntnisse von Vorteil, aber die zweisprachige Ausgabe ist sehr gut kommentiert, so dass es in jedem Falle möglich ist, sich intensiv mit den Texten auseinanderzusetzen.
Es wird erwartet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich aktiv in die Seminararbeit einbringen; die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und die gemeinsame Präsentation ihrer Ergebnisse im Seminar führen zum Erwerb einer Studienleistung. Zum Erwerb einer Prüfungsleistung ist darüber hinaus entweder die Anfertigung einer Hausarbeit oder die Teilnahme an einem Kolloquium nötig.
Uni Kassel
WiSe 2013/14
Germanistik NF
Prof. Dr.
Mecklenburg Michael