Uni-München
14. März 2017Proseminar Die Fabel in Mittelalter und Früher Neuzeit
In besonderer Kontinuität wird Fabeldichtung von der Antike bis in die Gegenwart gepflegt. In der Konfrontation eines reduzierten und typisierten Figurenarsenals in kleinen Szenen und Handlungsabfolgen entfaltet die Fabel ihr Potential zu modellhafter Demonstration von Regeln sozialen Miteinanders und kommentiert...
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Jetzt Lernplan erstellenIn besonderer Kontinuität wird Fabeldichtung von der Antike bis in die Gegenwart gepflegt. In der Konfrontation eines reduzierten und typisierten Figurenarsenals in kleinen Szenen und Handlungsabfolgen entfaltet die Fabel ihr Potential zu modellhafter Demonstration von Regeln sozialen Miteinanders und kommentiert Übertritte, Sanktionen und Restitutionen von gesellschaftlichen Ordnungsentwürfen.
Schwerpunkte der Textarbeit im Seminar sollen die Fabeln des angeblichen Gattungsbegründers Äsop und seine/ihre Rezeption im Mittelalter sein, ebenso aber auch Texte des Strickers (um 1220) und Fabelstoffe in der mittelhochdeutschen Sangspruchdichtung, Ulrichs Boners Sammlung Der Edelstein und der Äsop Heinrich Steinhöwels (um 1476). Einen weiteren Schwerpunkt der gemeinsamen Diskussionen wird die Reformationszeit ausmachen, in der die Fabeldichtung und die theoretische Reflexion der Gattung bei Luther, Sebastian Brandt, Nathanel Chyträus und Hans Sachs zu einer neuen Blüte gelangen. Der Protestant Erasmus Alberus (1534/1550) stellt die Handlungen seiner Fabeln in ein konkretisiertes und dabei realistisch gezeichnetes Umfeld und gelangt so zu neuen Sinnstiftungsmöglichkeiten; der zum Luthertum konvertierte Burkard Waldis misst im vierten Buch seines Esopus (1548), der umfangreichsten Fabelsammlung der Frühen Neuzeit, die Grenzen fabelhaften Erzählens und die Nähe zu benachbarten Kleinformen wie Schwank, Anekdote, Fazetie in besonderer Konsequenz aus.
In genauer Textlektüre wollen wir die Möglichkeiten der Fabel zu lehrhafter Sinnstiftung ebenso wie Tendenzen zu narrativer Verselbständigung nachzeichnen; Ansätze können dabei das Verhältnis von die Handlung entfaltender Narratio und lehrhaftem Morale oder auch die Positionierung des Begriffs fabula im von der Antike geprägten rhetorischen System von Mittelalter und Früher Neuzeit sein. Dabei eröffnen die verschiedenen Bearbeitungen der seit der Antike tradierten Stoffe gute Möglichkeiten, Akzentuierungen und Selbstpositionierungen der Verfasser herauszuarbeiten. Denkbar sind nicht nur kontrastierende Vergleiche mit einer weiteren Blütezeit der Fabel, dem 18. Jh. (Lessing!), sondern auch Ausblicke auf die mittellateinische Fabeldichtung ebenso wie auf die mittelhochdeutsche Tierepik, die die typischerweise einepisodischen Handlungen der Fabel zu Ketten ausbaut und dabei zu teilweise erheblicher Komplexisierung gelangt (etwa: Heinrich der Glîchezaere, Reinhart Fuchs).
Voraussetzungen zur erfolgreichen Teilnahme am Seminar sind regelmäßige Anwesenheit, die Bereitschaft zur Moderation einer Sitzung und / oder die Anfertigung eines Sitzungsprotokolls, das die wesentlichen Diskussionsergebnisse festhält.
Für das Seminar wird ein Reader mit Basistexten zur Verfügung gestellt, weitere Texte werden über das Dateidepot im lsf angeboten.
Leistungsnachweis
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik alle modularisierten Lehrämter Deutsch:
Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen). Die Prüfungen werden benotet.
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein.
oder:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein.
Wichtig:
Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung.
Downloads
DateinameBeschreibunggültig vongültig bis
Alberus - Stadtmaus und Feldmaus.pdf für 2.6. - Alberus, Stadt- und Feldmaus
PS Fabel - Seminarprogramm.doc Seminarprogramm - Stand 16.4.
Waldis+-+Bd.+2 - Umbruch de Gruyter-39-43.pdf für 9.6. - Kommentar waldis Leben Esops
PS Fabel - Seminararbeiten.docx Hinweise zu Seminararbeiten
Waldis - Kommentar I 90_II 50_III 100.pdf für 8.7. - Kommentar Waldis-Fabeln
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Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik alle modularisierten Lehrämter Deutsch:
Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen). Die Prüfungen werden benotet.
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein.
oder:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein.
Wichtig:
Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung.
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