Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Die Geschichte Haitis und ihre zeitgenössische mémoire collective
Die Geschichte Haitis hat seit dem welthistorisch relevanten Ereignis der Sklavenrevolte (1791) und der darauf folgenden, frühen nationalen Unabhängigkeit in der Hemisphäre der westlichen Kolonialmächte (und bei in ihren europäischen Nachbarländern) eine eigentümliche Rolle gespielt, sowohl kulturell als auch politisch...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Geschichte Haitis hat seit dem welthistorisch relevanten Ereignis der Sklavenrevolte (1791) und der darauf folgenden, frühen nationalen Unabhängigkeit in der Hemisphäre der westlichen Kolonialmächte (und bei in ihren europäischen Nachbarländern) eine eigentümliche Rolle gespielt, sowohl kulturell als auch politisch sowie historisch. Wie Hans-Jürgen Lüsebrink betont hat, handelt es sich bei der haitianischen Revolution wie auch bei dem Erdbeben von Lissabon, der Entdeckung Amerikas und der Französischen Revolution um eines der historischen Ereignisse, die ein weltliterarisches Echo hervorriefen, auf mehreren Kontinenten, bei einer Vielzahl von Autoren und in einer historischen Langzeitwirkung.
Das Proseminar setzt sich mit der widersprüchlichen Bedeutung der Geschichte Haitis und ihrer Darstellung (nicht nur, aber auch in der westlichen Historiographie) auseinander. Hierzu wird zunächst die haitianische politische und Sozialgeschichte seit dem Epochenbruch, den die Sklavenrevolte markiert hat, betrachtet. Auf die Rekonstruktion der grundlegenden historischen Entwicklungen folgt in einem zweiten Schritt die Untersuchung der mit der haitianischen Geschichte verbundenen Kultur- und Repräsentationsgeschichte: welche historisch aufgeladenen nationalen Fremd- und Selbstbilder hat die haitianische Geschichte zwischen der Sklavenrevolte (1791) und dem tragischen Erdbeben (2010) befördert? Die Erarbeitung der Grundlinien der politischen Geschichte wird in dem Proseminar somit ergänzt um die (erinnerungskulturelle) Thematisierung (ausgewählter Aspekte) der Nationalgeschichte und deren Relevanz für das kollektive Gedächtnis Haitis. Zur Auslotung dieser Fragestellung sollen Ausflüge in die jüngere haitianische Literatur und in den zeitgenössischen Film vorgenommen werden.
Interessierte SeminarteilnehmerInnen sollen sich schon einmal einen ersten Einblick in die Geschichte und Gegenwart Haitis verschaffen. Hierzu können die Ausgaben Nr. 341 und Nr. 388 der Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika (ila) dienen:
https://www.ila-web.de/ausgaben/341#undefined
https://www.ila-web.de/ausgaben/388#undefined
Alternativ ist ein erster Einstieg in die Thematik über die einführenden Artikel aus dem Sonderheft Haiti der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (Nr. 28-29/2010) möglich, das kostenfrei bei der Bundeszentrale für Politische Bildung ( www.bpb.de) bestellt (oder als PDF heruntergeladen) werden kann.
In der ersten Sitzung werden eine ausführliche Literaturliste vorgestellt und der endgültige Themenplan gemeinsam diskutiert und festgelegt.
FB 02 Institut für Romanistik
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Hispanistik/Spanisch
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