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Uni-Kassel
14. März 2017

Proseminar mit Tutorium Tucholsky und Walter Mehring

Walter Mehring (1896-1981) und Kurt Tucholsky (1890-1935) galten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als große Satiriker, Linksintellektuelle und kritische Literaten. Beide wurden als scharfe Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und später des Nationalsozialismus bekannt und lösten mit ihren Texten...

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Walter Mehring (1896-1981) und Kurt Tucholsky (1890-1935) galten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als große Satiriker, Linksintellektuelle und kritische Literaten. Beide wurden als scharfe Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und später des Nationalsozialismus bekannt und lösten mit ihren Texten zahlreiche Skandale aus. Mehring beispielsweise empörte mit seinem Schauspiel -Der Kaufmann von Berlin-, das in einigen Teilen in jiddischer Sprache verfasst war; Tucholskys Satz -Soldaten sind Mörder.- führte zum Prozess gegen den Herausgeber der Zeitschrift -Weltbühne-, Carl von Ossietzky. Beide verband trotz verschiedener politischer und ästhetischer Strategien eine enge Freundschaft. Tucholsky schrieb beispielsweise 1920 über Mehring: -Die virtuose Beherrschung einer neuen Form – das ist noch gar nichts. Wenn wirklich neue Philosophie, Ablehnung aller Metaphysik, schärfste und rüdeste Weltbejahung einen Straßensänger gefunden haben, der das alles in den Fingerspitzen hat: Leierkastenmusik, die Puppe auf dem Sofa des Strichmädchens, die eingesperrten Kinder, deren Mutter uff Arbeet jeht, Männer vom Hausvogteiplatz, für die die Welt keine Rätsel mehr birgt, brave Abonnenten, denen das Insertionsorgan Kindtaufe, Hochzeit und Sonnenaufgang vorschreibt – wenn die neue Zeit einen neuen Dichter hervorgebracht hat: hier ist er.- Mehring wiederum schätzte Tucholsky und schrieb 1936 in seinem Abschiedsbrief nach dessen Selbstmord: -Jede Zeile, jede Polemik von Ihrer Hand war ein Brief, gerichtet an die heroischen Dummköpfe, die Gangster mit Gymnasialbildung und die Sonnwendpriester in Gesundheits-Wollersatz-Wäsche. Die Adressaten konnten nicht einmal mogeln, sie hätten das Schreiben nicht erhalten. Es traf sie mit tödlicher Sicherheit. Man hat Ihnen den Empfang allseitig durch Ausbrüche zügellosen Hasses bestätigt.- Willy Haas schreibt 1958 über das Verhältnis Mehring/Tucholsky: -Sie waren beide aggressiv […]. Beide hatten viel von den klassischen, witzigen Pariser Kabaretts, zumal von den politischen Kabaretts, gelernt und in ihre Chansons eingeschmolzen: den spezifischen satirischen Witz […] ihren Verve, ihre Respektlosigkeit, ihr Temperament, ihren Haß gegen den Bourgeois – selbst etwas von ihrem Nihilismus, ihrer pittoresken Koketterie, ihre Neigung zum Bluff, aber auch von ihrem echten Pathos der sozialen Anklage.- Beide Autoren haben ein breites literarisches und essayistisches Werk hinterlassen. Anders als Kurt Tucholskys Texte wurden die Walter Mehrings nach 1945 weitgehend vergessen und nur selten wieder gedruckt. An einer Auswahl literarischer und essayistischer Texte beider Autoren möchte dieses Seminar literaturgeschichtliches Grundwissen aufbauen, unterschiedliche literarische Gattungen beleuchten und literaturtheoretische Grundlagen vermitteln. Folgende Texte schaffen Sie sich bitte an: Tucholsky: Rheinsberg Schloss Gripsholm Ein Reader mit allen weiteren zu lesenden Texten, u.a. mit den dramatischen, lyrischen und essayistischen Texten, sowie eine Literaturliste und ein Semesterapparat werden Ihnen zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. Das Seminar wird von einem Moodle-Kurs begleitet. Das verbindliche Tutorium zur Veranstaltung findet dienstags von 16 bis 18 Uhr in Raum 0019 statt. Folgende Texte schaffen Sie sich bitte an: Tucholsky: Rheinsberg Schloss Gripsholm Ein Reader mit allen weiteren zu lesenden Texten, u.a. mit den dramatischen, lyrischen und essayistischen Texten, sowie eine Literaturliste und ein Semesterapparat werden Ihnen zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. Bemerkung LitWiss Leistungsnachweis Hausarbeit oder Klausur FB 02 Institut für Germanistik Hausarbeit oder Klausur Uni Kassel WiSe 2012/13 Germanistik NF Dux Anna Lina