Uni-Essen
14. März 2017Proseminar Proseminar Französische Literaturwissenschaft L'autobiographie ou l'autofiction Verfahren literarischer Selbstdarstellung im französischen Gegenwartsroman
Die retrospektive Darstellung einer Lebensgeschichte weist auf eine lange literarische Tradition zurück und hat im Roman der Gegenwart Hochkonjunktur. Mit dem -autobiographischen Pakt- (Lejeune) zwischen dem Autor und dem Leser, der dem Rezipienten eine Einheit von Autor, Erzähler und Protagonisten...
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Jetzt Lernplan erstellenDie retrospektive Darstellung einer Lebensgeschichte weist auf eine lange literarische Tradition zurück und hat im Roman der Gegenwart Hochkonjunktur. Mit dem -autobiographischen Pakt- (Lejeune) zwischen dem Autor und dem Leser, der dem Rezipienten eine Einheit von Autor, Erzähler und Protagonisten garantiert, erzeugt die Autobiographie Wahrscheinlichkeit mithilfe faktualer Referenzen zum Leben der Autorinnen und Autoren. Dennoch werden die Gattungsgrenzen der Autobiographie im Roman der Gegenwart durch romanhafte Camouflierung und den Einbau von fiktionalen und fantastischen Elementen häufig aufgebrochen, sodass die strikte Trennung zwischen autobiographischer Faktualität und literarischer Fiktionalität nicht mehr eingehalten wird. Die aktuelle Diskussion um den von Serge Doubrovsky eingeführten Begriff ‚Autofiktion‘ soll in diesem Proseminar thematisiert und anhand diverser Textbeispiele aufgezeigt werden. Ziel dieses Proseminars ist es, neben den Verfahren zur Selbstdarstellung, Selbstdeutung und Selbststilisierung sowie die psychologische Analyse vor allem die neuen autobiographischen bzw. autofiktionalen Verfahrensweisen zu erarbeiten und zu diskutieren. Beispielhaft soll die fiktionale Rekapitulation der Erinnerung einer Kindheit (Amélie Nothomb: Métaphysique des tubes, 2000), einer Liebeserfahrung (Marguerite Duras: L’amant, 1984), die Bewältigung von Krankheit und Tod (Hervé Guibert: À l’ami qui ne m’a pas sauvé la vie, 1990) sowie der provokative Umgang mit einem Skandal (Christine Angot: L’inceste, 1999) untersucht und besprochen werden.
Bitte besorgen Sie sich rechtzeitig folgende Texte und lesen Sie diese vorab. Die Lektüre von L’amant wird zu Beginn des Semesters vorausgesetzt.
Angot, Christine: L’inceste, Paris: Stock/LGF, 1999, 190 S.
Duras, Marguerite: L’amant, Stuttgart: Reclam, 2006, 142 S.
Guibert, Hervé: À l’ami qui ne m’a pas sauvé la vie, Paris: Gallimard, 2002, 282 S.
Nothomb, Amélie: Métaphysique des tubes, Paris: Albin Michel, 2000, 157 S.
Voraussetzung für einen Leistungsnachweis ist die regelmäßige Teilnahme, die Lektüre der Texte, ein Referat sowie eine schriftliche Hausarbeit. Die Seminarsprachen sind Französisch und Deutsch.
Literatur:
Blanckeman, Bruno: Les récits indécidables. Jean Echenoz, Hervé Guibert, Pascal Quignard , Villeneuve d’Asqu: Presses Universitaires du Septentrion, 2008.
de Man, Paul: -Autobiographie als Maskenspiel-, in: Menke, Christoph (Hrsg.): Die Ideologie des Ästhetischen, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1993, S. 131-146.
Hubier, Sébastien: Littératures intimes. Les expressions du moi, de l’autobiographie à l’autofiction, Paris: Armand Colin, 2003.
Lejeune, Philippe: Le pacte autobiographique, Paris: Seuil, 1975.
Mancas, Magdalena Silvia: Pour une esthétique du mensonge : Nouvelle Autobiographie et postmodernisme, Frankfurt/M.: Lang, 2010.
Wagner-Egelhaaf, Martina: Autobiographie, Stuttgart/Weimar: Metzler, 2000.
Internetquelle: www.autofiction.org
Romanistik
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