Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Proseminar Von der Ehe zur Comédie humaine

Balzac überträgt für sein gigantisches Romanprojekt La Comédie humaine eine Idee aus der Zoologie seiner Zeit: Ebenso wie es für die Organisation der Tiere, die in Klassen eingeteilt werden können, einen allgemeinen Plan gebe, sei es möglich und nötig, die...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Balzac überträgt für sein gigantisches Romanprojekt La Comédie humaine eine Idee aus der Zoologie seiner Zeit: Ebenso wie es für die Organisation der Tiere, die in Klassen eingeteilt werden können, einen allgemeinen Plan gebe, sei es möglich und nötig, die menschliche Gesellschaft unter der Maßgabe eines allgemeinen Planes zu beschreiben. Die Frauen und Männer seiner Romane allerdings scheinen permanent das Gegenteil zu behaupten: Nicht das Ordentliche und Erwartbare stößt ihnen zu, vielmehr das Unerwartbare und Unvorhersehbare. Wäre es möglich, dass sich Balzacs enzyklopädische Ordnungsidee aus der Vertragsidee der Ehe heraus entwickelt? Seine Physiologie du mariage (1829) – eine satirische ‚Naturkunde‘ der Ehe, geschrieben vor den großen Romanen – integriert Balzac jedenfalls im Nachhinein als -étude analytique- in das Romanwerk. Parodie einer (didaktisch-komisch-philosophischen) Gattung präfiguriert dieser Text die Comédie humaine als Parodie der menschlichen Gattung. Im Seminar wollen wir zunächst anhand einer Lektüre des konzeptionell wegweisenden Père Goriot (1834/35) die wichtigsten romantheoretischen Neuerungen der Comédie humaine erarbeiten. Im zweiten Schritt geht es um die Analyse der Physiologie du mariage (ergänzt um Auszüge aus dem Contrat de mariage sowie den Petites misères de la vie conjugale) und die daraus abgeleitete Frage, inwieweit Balzacs Romansystem sich fatalerweise vor dem Hintergrund einer nicht mehr schönen, guten und wahren Eheordnung abzeichnet. Bis zu Semesterbeginn anzuschaffen sind Balzacs Le Père Goriot und die Physiologie du mariage (Gallimard, folio classique). Bitte lesen Sie unbedingt bis zur ersten Sitzung den Roman Le Père Goriot! Studierende des BA Nfs ‚Sprache, Literatur, Kultur’ Diese Veranstaltung entspricht WP 2.0.14/16/18/20. Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30–60 Min.) schreiben oder eine mündl. Prüfung (15–30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2015 Italienische und Slavische Philologie Department II Griechische und Lateinische Romanische Italienische und Slavische Philologie Sprachen und Kommunikation