Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Wissenschaft Literatur und Kultur in der Aufklärung Spaniens und Lateinamerikas
In der Epoche der Aufklärung treffen erstmals das Selbstbewusstsein der Gegenwart und das Bewusstsein über die eigene Geschichtlichkeit aufeinander. Aus dieser Konstellation heraus entwickelt sich in Spanien einerseits eine apologetische Haltung über die Ankunft des Zeitalters der Vernunft und andererseits...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der Epoche der Aufklärung treffen erstmals das Selbstbewusstsein der Gegenwart und das Bewusstsein über die eigene Geschichtlichkeit aufeinander. Aus dieser Konstellation heraus entwickelt sich in Spanien einerseits eine apologetische Haltung über die Ankunft des Zeitalters der Vernunft und andererseits erfolgt die Bewusstwerdung und Diskussion der besonderen Probleme der Gegenwart. Orientiert an der Vernunft als Bewertungsmaßstab und Handlungsrichtlinie entsteht eine Traditionskritik, die sich bei den spanischen Autoren des 18. Jahrhunderts mit der Annahme über einen eigenen Entwicklungsrückstand zu einer reformerischen Haltung verbindet. Dieser Reformgeist stützt sich auf einem neuen Glauben in die Wissenschaften und unterzieht die Wissenschaften und andere zentrale gesellschaftliche Institutionen, Normen und Werte einer Überprüfung mit dem Ziel des Fortschritts. In Teilen Lateinamerikas findet eine Verlängerung dieser Entwicklung mit zeitlicher Verzögerung und unter ähnlichen strukturellen
Bedingungen statt. Beiden Entwicklungen gemeinsam ist der Umstand, dass die Errungenschaften der Aufklärung über die Presse medial vermittelt und gleichzeitig reflektiert werden. Erst die sich zu diesem Zeitpunkt herausbildende Öffentlichkeit ermöglicht den soziokulturellen und politisch-normativen Wandel jener Epoche, welcher in seiner Fortführung in beiden Kulturräumen letztlich mit regionalen und nationalen Identitätsstiftungsprozessen einhergeht.
Das Ziel des Seminars besteht darin, auf der Grundlage spanischer und lateinamerikanischer Prosa- und Pressetexte, die Diskurse, welche den spezifischen Wandel in Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur Spaniens und Lateinamerikas abbilden, zu analysieren und ihre Bedeutung für aktuelle Nationalitäts- und Identitätsdiskussionen herauszuarbeiten.
Zur Einführung empfohlen:
Schütz, Jutta, -Das 18. Jahrhundert in Spanien –el siglo de las luces?-, in: Neuschäfer, Hans-Jörg
(Hrsg.), Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart/Weimar 2006, S. 185-193.
Kleinmann, Hans-Otto, -Zwischen kultureller Imitation und politischer Bewusstseinsbildung. Zur Rezeption der Aufklärung in Lateinamerika-, in: Jüttner, Siegfried/Schlobach, Jochen (Hrsg.), Europäische Aufklärung(en). Einheit und nationale Vielfalt, Hamburg 1992, S. 283-294.
FB 02 Institut für Romanistik
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Hispanistik/Spanisch
Möller Beate