Rainald Goetz: sogenannte Dramatik
Zur Einstimmung: -In der Fluchtlinie einer dekonstruktivistischen Ästhetik, die das Subjekt dezentriert und raum-zeitliche Ordnungen auflöst, entwirft Goetz hochkomplexe, selbstreflexive und ironische szenische Apparaturen, die Geschichte(n) nicht mehr repräsentieren, sondern sie als Gegenstand von Kommunikationen auf die Bühne bringen. Goetz
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Jetzt Lernplan erstellenZur Einstimmung: -In der Fluchtlinie einer dekonstruktivistischen Ästhetik, die das Subjekt dezentriert und raum-zeitliche Ordnungen auflöst, entwirft Goetz hochkomplexe, selbstreflexive und ironische szenische Apparaturen, die Geschichte(n) nicht mehr repräsentieren, sondern sie als Gegenstand von Kommunikationen auf die Bühne bringen. Goetz' Theatertexte arrangieren nicht mehr Sprechanlässe im Zusammenhang eines auf Spiel und Gegenspiel, Handlung [...] und Spannungsaufbau setzenden Theaterereignisses; sie machen die Sprache selbst zum Akteur einer exzentrischen, nicht mehr um einen Mittelpunkt angelegten Kommunikationsverdichtung, die allemal offen lässt, ob die agierenden Personen Handlungsträger im engeren Sinne sind oder lediglich [als] Sprech-Funktionen, das heißt: Laut-Sprecher sprachlich vorgeformten Sprachmaterials fungieren, das auf die Sprechenden verteilt [...] wird.- (Norbert Otto Eke: -Welt-Kunst-Beobachtung. Rainald Goetz und das Theater-, in: text + kritik 190 (2011), S. 52.) Eigentlich läuft es ja bei der verhältnismäßig einfachen Antwort auf die Frage, was ein Drama sei, auf die altbekannten Konstituenten hinaus: Ein szenisches Konzept, das im Nebentext fixiert mehr oder minder exakt vorschreibt, wie die raum-zeitliche Konzeption gedacht werden muss, das Auf- und Abgänge der Handlungsträger regelt etc.; die dramatische Handlung, die den Gesamtzusammenhang der einzelnen Ereignisse - möglichst zielgerichtet - zu verknüpfen intendiert ist und Höhe- und Wendepunkt ebenso prädiziert, wie sie die Figurenpsychologie und Fabel im Allgemeinen umfasst. Die Figuren, ohne die kein Drama und kein dramatischer Konflikt denkbar scheint, bilden das dritte Konstituens, während die monologische respektive dialogische oder chorische Sprache als vierter Garant für ein traditionell vollständiges Drama zu veranschlagen ist. Was nun, wenn der Autor Rainald Goetz (Theater-)Texte schreibt, die inszeniert werden, die er selbst ‚Stücke' nennt und die dennoch so gar nichts mit der Definition zu schaffen haben, die gewöhnlich ein Drama umreißt? Wenn es keine dramatis personae, also keine Handelnden, keine Akteinteilung und keine Handlung mehr gibt oder zu geben scheint? Wenn - wie bei Jeff Koons - der vermeintliche Titelgeber nicht ein einziges Mal im Text vorkommt? Dann müssen neue Maßstäbe und Mechanismen der Textinterpretation gefunden, dann müssen althergebrachte Deutungsbemühungen überdacht werden. Denn -das literaturwissenschaftliche (semantische) Analyseinstrumentarium zumindest gewährt nur noch eingeschränkt Zugang zu einem dramatischen Werk, dem mit den Kategorien eines literarischen Theaterbegriffs kaum mehr beizukommen ist.- (Ebd.) Also: Außer dem Vorhaben, gattungstheoretisch Dramen von nicht mehr dramatischen Theatertexten (Poschmann) zu trennen, wird genau dieses im Seminar versucht werden: von Goetz' Theatertexten ausgehend zu neuen Verfahren und gangbaren Wegen der Auslegung zu gelangen! Das Seminar wird von einem wöchentlichen Tutorium (Benjamin Lembke) flankiert, das jeweils mittwochs von 16-18 Uhr stattfindet (erste Sitzung: 18. April 2012). Aufgrund der engen Verzahnung von Seminar und Tutorium wird die Teilnahme dringend empfohlen!
Theatertextlich wird es (in Auszügen) um Krieg (1986), Festung (1993) und Jeff Koons (1998) gehen. Sekundärliteratur wird im Seminar bekanntgegeben. Bemerkung LitWiss !!!!WICHTIG!!!: Sowohl Seminar als auch Tutorium finden zunächst 7x in Folge regulär (also wöchentlich) statt; die restlichen Semesterwochenstunden werden am Wochenende vom 29.-30. Juni 2012 als Blockveranstaltung komprimiert. Die Anwesenheit am Blocktermin ist absolute Voraussetzung für die Seminarteilnahme! FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SoSe 2012 Germanistik/Deutsch Germanistik HF Lehnert Nils