Uni-Hannover
14. März 2017Rechtspluralismus in Lateinamerika Aktuelle Tendenzen der Anerkennung indigenen Rechts und indigener Autonomie am Beispiel der bolivianischen Guarani
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben verschiedene lateinamerikanische Staaten Bestrebungen gezeigt, indigenen Bevölkerungsgruppen auf Verfassungsebene Sonderrechte zuzuerkennen, was an verschiedene internationale Abkommen und Erklärungen zu den Menschenrechten -indigener Völker- anknüpft. Dies betrifft im Besonderen Rechte auf Selbstbestimmung, in der Regel...
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Jetzt Lernplan erstellenIn den vergangenen zwei Jahrzehnten haben verschiedene lateinamerikanische Staaten Bestrebungen gezeigt, indigenen Bevölkerungsgruppen auf Verfassungsebene Sonderrechte zuzuerkennen, was an verschiedene internationale Abkommen und Erklärungen zu den Menschenrechten -indigener Völker- anknüpft. Dies betrifft im Besonderen Rechte auf Selbstbestimmung, in der Regel als Autonomiegebiete innerhalb staatlicher Grenzen, sowie auf Anerkennung indigener Rechtssysteme, welche als Ausdruck indigener Kultur erachtet werden.
Ein diesbezüglich vielbeachteter Versuch wird gegenwärtig vom lateinamerikanischen Staat Bolivien unternommen, welcher sich im Jahre 2009 zum -Plurinationalen Staat- erklärte. Dort sind seitdem Prozesse zur Etablierung indigener Autonomiegebiete und zur Anerkennung von Rechtspluralismus, d. h. der Koexistenz indigener Rechtssysteme neben dem staatlichen Rechtssystem, eingeleitet worden.
In der darauf bezogenen Debatte finden sich häufig Grundannahmen wieder, welche die mit ethnischer und kultureller Bevölkerungsvielfalt verbundenen unterschiedlichen rechtlichen Normen und Normensysteme als Ausdruck tief verwurzelter kultureller Unterschiede interpretieren. Aus rechtsanthropologischer Sicht ist dagegen die gesellschaftliche Bedeutung von Recht in pluralistischen Rechtskonstellationen zu untersuchen, dass heißt besonders seine Einbindung in soziale Strukturen und alltägliches Leben sowie seine Funktion als Ressource in sozialen Auseinandersetzungen.
Unter dieser Perspektive wird die Veranstaltung anhand der Diskussion theoretischer um empirischer Texte verschiedene aktuelle Probleme der Anerkennung von indigener Autonomie und Rechtspluralismus in Lateinamerika analysieren und am Fall der bolivianischen Guaraní debattieren. Die Guaraní werden von verschiedenen Autoren wie Pierre Clastres und Thierry Saignes als eine -Gesellschaft gegen den Staat- angesehen, welche sich bis ins ausgehende 19. Jahrhundert zudem weitgehende Autonomie vom Zugriff des bolivianischen Staates und seiner Mehrheitsgesellschaft erhalten konnte. Die Schlacht, bzw. das vom bolivianischen Heer verübte -Massaker- von Kuruyuki im Jahr 1892 wird allgemein als das Ende dieser Autonomie angesehen.
Eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Lektüre englisch- und spanischsprachiger Texte.
Institut für Soziologie
Universität Hannover
SoSe 2015
Dozent