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Uni-Siegen
14. März 2017

Rechtspopulistische und neofaschistische Parteien in Europa und Nordamerika

Le Pen, Wilders, Strache, Blocher, Bossi… In einem Großteil der europäischen Staaten scheinen sich inzwischen Politiker und Parteien, die sich demagogisch als Anwälte des -Normalbürgers- positionieren, rechts der meist liberal-konservativ oder christlich-demokratisch geprägten Volksparteien dauerhaft etabliert zu haben. Hierbei pflegen...

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Le Pen, Wilders, Strache, Blocher, Bossi… In einem Großteil der europäischen Staaten scheinen sich inzwischen Politiker und Parteien, die sich demagogisch als Anwälte des -Normalbürgers- positionieren, rechts der meist liberal-konservativ oder christlich-demokratisch geprägten Volksparteien dauerhaft etabliert zu haben. Hierbei pflegen sie eine scharfe Rhetorik gegen (meist muslimische) Einwanderer und befürworten -law and order--Lösungen gesellschaftlicher Probleme, treten jedoch ebenso mit der Forderung nach der Einführung mehr direktdemokratischer Elemente im parlamentarischen System auf. Diese Politiker und ihre Parteien werden im Allgemeinen dem sich seit den 1970er und 1980er Jahren formierenden Rechtspopulismus zugeordnet. Einige dieser Rechtspopulisten waren oder sind an nationalen Regierungen beteiligt und haben nachhaltige Veränderungen in der politischen Kultur bewirkt, wie nicht nur die drei Berlusconi-Regierungen in Italien seit 1994 zeigen. Andere, wie beispielsweise die Dänische Volkspartei, haben bürgerlichen Minderheitenregierungen zur Macht verholfen. In Deutschland findet sich nicht erst seit der Debatte um Thilo Sarrazin ein mit der Neuen Rechten teilidentisches Kräftespektrum aus Internet-Blogs, Zeitschriften, Think-Tanks und Interessengruppen mit deutlicher Affinität zum Rechtspopulismus. Auf kommunaler und regionaler Ebene erhält dieses zum Teil bereits jetzt mit der -pro--Bewegung eine parteiförmige Entsprechung.Aber auch in den USA wirkt mit der sogenannten -Tea Party- innerhalb sowie im Umfeld der Republikanischen Partei eine als -rechtspopulistisch- apostrophierte Gruppierung, die sich unter Bezug auf angeblich -amerikanische Werte- streng gegen sozialen und demokratischen Fortschritt positioniert. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich Rechtsparteien, denen die verhältnismäßig moderne Anpassungsfähigkeit der -Populisten- zu weit gegangen wäre und die sich relativ offen auf die Diktaturen Hitlers oder Mussolinis vor 1945 beriefen und berufen. Diese neofaschistischen Parteien existieren mal mehr, mal weniger bedeutend zum Teil bis heute. Das Seminar will unter Rückgriff auf eine Analyse eines Teams um den Marburger Politigen Reinhard Kühnl zu Struktur, Funktion und Ideologie der NPD in den späten 1960er Jahren extrem rechte Parteien in Europa vergleichend untersuchen. Mithilfe profilartiger Darstellungen rechtspopulistischer und neofaschistischer Formationen sowie ideologiekritischer Analysen ihrer Programmatik und Untersuchungen ihres politischen Handelns wird schließlich nicht nur das vielschichtige Bild zweier Parteienfamilien gezeichnet, sondern auch den Fragen nach ihrem Wechselverhältnis und den Folgen für die Demokratie nachgegangen. - Phillip Becher: Rechtspopulismus (Reihe -Basiswissen Politik / Geschichte / Gesellschaft / Ökonomie-), Köln: PapyRossa-Verlag 2013. - Reinhard Kühnl / Rainer Rilling / Christine Sager: Die NPD. Struktur, Ideologie und Funktion einer neofaschistischen Partei. 2. Auflage, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1969. - Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, Bonn: Pahl-Rugenstein Verlag Nachfolger 1996. - Tim Spier: Modernisierungsverlierer? Die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010. - Richard Stöss: Rechtsextreme Parteien in Westeuropa, in: Oskar Niedermayer / derselbe / Melanie Haas (Hrsg.): Die Parteiensysteme Westeuropas, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006, S. 521-563. Wirtschaftslehre / Politik, LA Bachelor BK, PO 2011 Bitte beachten Sie folgende - nach Studiengängen aufgeschlüsselte - Teilnahmevoraussetzungen für dieses Seminar: Fach-BA Sozialwissenschaften (PO 2011) - erfolgreicher Abschluss der Basismodule BM1, BM2 und BM3 Fach-BA Sozialwissenschaften (PO 2008) - erfolgreicher Abschluss der drei Basismodule Lehramt-BA Sozialwissenschaften - erfolgreicher Abschluss des Moduls M2 Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars wird eine qualifizierte Teilnahme erwartet. Leistungs-/Kreditpunkte können über Präsentationen und Hausarbeiten erworben werden. Einzelheiten werden in der ersten Seminarsitzung besprochen. An den Themen der Sitzungen vom 24. (Italien: Die MSI als Realtypus einer neofaschistischen Partei) und 31. Oktober (Westdeutschland: Die NPD der 1960er Jahre) Interessierte können sich bereits unter becher@sozialwissenschaften.uni-siegen.de melden. Universität Siegen WiSe 2013/14 M.A. Becher Phillip M.A