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Uni-Hannover
14. März 2017

Repair Prinzip Werkstatt Dinge zwischen Form und Funktion

-Die Kultur der Reparatur ist alt, doch durch die niederländische Repair-Bewegung [das erste Repair Café wurde in Amsterdam 2009 als Reaktion auf unsere Überfluss- und Wegwerfgesellschaft gegründet], ist das Reparieren zu einer kulturkritischen Haltung geworden: zu einem aktiven Protest […]-...

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-Die Kultur der Reparatur ist alt, doch durch die niederländische Repair-Bewegung [das erste Repair Café wurde in Amsterdam 2009 als Reaktion auf unsere Überfluss- und Wegwerfgesellschaft gegründet], ist das Reparieren zu einer kulturkritischen Haltung geworden: zu einem aktiven Protest […]- – so Wolfgang Heckel in seinem Plädoyer für eine Kultur der Reparatur (2013). Reparieren – verstanden als Recycling, angefangen mit Kleidungsstücken bis zu technischen Geräten wie Radios über Küchengeräte bis zu Computern, oder im Sinne des Upcycling als aufwertender -kreativer Umgang mit Wergwerfprodukten- – wird so zu einer Form ‚gelebter Nachhaltigkeit‘. Dieser ressourcenschonende Umgang mit den uns umgebenden produzierten Dingen wendet sich gegen eine konsumökonomische ‚Erziehung zum bequemen Konsumenten‘ und fördert in einem demokratischen Sinne die Autonomie und Mündigkeit der Beteiligten. Die Repair-Cafés als Werkstätten bieten Hilfe zur Selbsthilfe (Austausch von praktischem Wissen) und können Räume der Entschleunigung sein, die kreatives Denken und Machen ermöglichen. Werkstätten sind seit jeher heterogene Orte des Arbeitens und Gestaltens gewesen, in denen Menschen unterschiedlichen Alters , unterschiedlicher Herkunft und Biografie, mit verschiedensten Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammengekommen sind: -Werkstätten sind Orte, an denen noch oder wieder in subjektbezogenen Zeitrhythmen gearbeitet und Erfahrung nicht nur simuliert […] wird. Werkstätten sind […] zufällige oder inszenierte Zusammenkünfte von Lebenszeit, Ort und Subjekt in produktiven Situationen und Prozessen, wobei Werkstatt ein vieldeutiger, individuell interpretabler Begriff zwischen Realität und Fiktion, sinnlicher Präsenz eines Raumes und imaginativer Utopie eines Gedankens sein kann.- (Gert Selle 1997) In dieser Veranstaltung werden wir uns also mit dem Phänomen des Reparierens, seinen ästhetischen Dimensionen, gestalterischen Aspekten und den (kunst)pädagogischen Implikationen im Zusammenhang mit dem Prinzip der Werkstatt im schulischen und außerschulischen Bereich auseinandersetzen. Reparieren ist nicht nur kreativ und macht erfinderisch, es hat auch einen pädagogischen Anspruch, denn: -Wer repariert, setzt sich mit Dingen [seiner Lebenswelt] auseinander, begreift die Welt …- (Heckel 2013) – und das Geheimnis der inneren Zusammenhänge der Dinge, die deren Funktion bestimmen. Dabei stehen Form und Funktion von Dingen in einem sich wechselseitig bedingenden Verweis- und Hervorbringungszusammenhang. So haben Dinge auch in der ästhetischen Bildung ihren festen Platz, denn: -Handelnd erfährt und strukturiert das Subjekt die Welt der Dinge und ihrer Beziehungen zueinander, und dabei erhalten die Objekte eine notwendige Komplementarität zum Subjekt; sie bilden Mittel und Ziele seines Tuns, Festpunkte für seine Orientierung im Raum, und die Handlungskomplexe repräsentierend, denen sie angehören, werden sie zu Symbolen seiner Beziehung zur Welt. Zugleich aber kann das Subjekt sich selbst nur im Umgang mit Objekten ausreichend erfahren […]. (Ernst Boesch 1983) Bringen Sie als Einstieg zum ersten Termin bitte etwas mit, das sie reparieren möchten. Wir werden dann auch unsere kleine Recherche beim Besuch des Repair Cafés in Bremen (initiiert durch eine Seminarveranstaltung von Sigrid Kannengießer) vorbereiten, in der wir versuchen wollen, der ästhetischen und gestalterischen Dimension des Reparierens auf die Spur zu kommen. Anfang Juli werden wir dann noch einmal in Bremen zu Gast an der Universität Bremen sein und in Kooperation mit dem Seminar -Materialität der Medien- (Kannengießer) eine gemeinsame Blockveranstaltung durchführen. Wolfgang M. Heckl (2013): Die Kultur der Reparatur. München: Carl Hanser Verlag Gert Selle (1997): Siebensachen. Ein Buch über die Dinge. Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag Weitere Literatur wird im Seminar und über Stud.IP bekannt gegeben. Kunst, Master LA Sonderpädagogik Bringen Sie als Einstieg zum ersten Termin bitte etwas mit, das sie reparieren möchten. Wir werden dann auch unsere kleine Recherche beim Besuch des Repair Cafés in Bremen (initiiert durch eine Seminarveranstaltung von Sigrid Kannengießer) vorbereiten, in der wir versuchen wollen, der ästhetischen und gestalterischen Dimension des Reparierens auf die Spur zu kommen. Anfang Juli werden wir dann noch einmal in Bremen zu Gast an der Universität Bremen sein und in Kooperation mit dem Seminar -Materialität der Medien- (Kannengießer) eine gemeinsame Blockveranstaltung durchführen. Universität Hannover SoSe 2015 Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft Improda Dennis