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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Arbeit Bewusstsein Identität

Unter dem Eindruck einer sich massenhaft verbreitenden und strukturell verfestigenden Arbeitslosigkeit formulierte der Soziologe Oskar Negt zu Beginn der 1980er Jahre: -Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen-...

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Unter dem Eindruck einer sich massenhaft verbreitenden und strukturell verfestigenden Arbeitslosigkeit formulierte der Soziologe Oskar Negt zu Beginn der 1980er Jahre: -Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen- (1984: 8). Negt verwies damit zum einen auf die fatalen Konsequenzen von Arbeitslosigkeit für Betroffene und machte deutlich, dass sich diese nicht in einer materiellen Gefährdung erschöpfen, sondern die Betroffenen darüber hinaus in ihrer Existenz als sinnlich-kulturell tätige Gesellschaftsmitglieder bedrohen. Zum anderen macht Negt in dieser Passage die zentrale Bedeutung von bezahlter Erwerbsarbeit sowohl für die Identität von Einzelnen als auch für eine maßgeblich durch Arbeit geprägte Gesellschaft deutlich. Obwohl das Thema -Arbeitslosigkeit- nach wie vor gesellschaftlich brisant ist, sind gegenwärtig auch am Erwerbssystem beteiligte Personen von einer Erosion traditioneller Identitätskonstruktionen betroffen: Unter dem Label der -Prekarisierung- werden Beschäftigte thematisiert, für die eine (lebenslange) Berufstätigkeit keinen verlässlichen Anknüpfungspunkt zur eigenen Identitätskonstruktion mehr bietet, weil sie nur partiell und unter entsicherten Beschäftigungsbedingungen in das Erwerbsystem integriert sind. Darüber hinaus werden gut integrierte Beschäftigte mit Managementstrategien konfrontiert, die ihnen unternehmerisches Denken und Handeln abfordern, so dass Beschäftigte in zunehmendem Maße mit einer -totalen- Vereinnahmung ihrer Persönlichkeit konfrontiert sind und möglicherweise ein -unternehmerisches Selbst- ausbilden. Im Seminar werden wir grundlagenorientiert nach dem Zusammenhang der soziologischen Schlüsselbegriffe -Arbeit-, -Bewusstsein- und -Identität- fragen. Dabei werden wir uns nicht nur auf intensive Textarbeit beschränken, sondern zum Ende des Seminars auch einen Theorie-Praxis Transfer anvisieren. Studierende, die eine der beiden ersten inhaltlichen Sitzungen gestaltet wollen und von einer längeren Vorbereitungszeit sowie einer kürzeren Textgrundlage profitieren wollen, melden sich bitte via E-Mail: heiden@uni-kassel.de • In der Bibliothek wird ein Semesterapparat eingerichtet. • Moosbrugger, Jeanette (2008): Subjektivierung von Arbeit: Freiwillige Selbstausbeutung. Ein Erklärungsmodell für die Verausgabungsbereitschaft von Hochqualifizierten. Wiesbaden: VS. • Negt, Oskar (1984): Lebendige Arbeit, enteignete Zeit. Politische und kulturelle Dimensionen des Kampfes um Arbeitszeit. Frankfurt am Main / New York: Campus. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SS 2009 Soziologie HF FB 05 Gesellschaftswissenschaften Dr. Heiden Mathias