Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Ästhetik des Monströsen Tier Mensch Wesen in mittelalterlicher Literatur
Die reiche Bilderwelt des Monströsen gilt als ein Faszinosum der mittelalterlichen Epoche. Sie prägt nicht nur Literatur und bildende Kunst, sie ist auch gleichermaßen verankert in Wissenstexten der Zeit und Bestandteil der Alltagswelten, in der das Wundersame seinen festen Platz...
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Jetzt Lernplan erstellenDie reiche Bilderwelt des Monströsen gilt als ein Faszinosum der mittelalterlichen Epoche. Sie prägt nicht nur Literatur und bildende Kunst, sie ist auch gleichermaßen verankert in Wissenstexten der Zeit und Bestandteil der Alltagswelten, in der das Wundersame seinen festen Platz an den Grenzen der höfischen Zivilisation hat. Der Begriff des Monströsen leitet sich von lateinisch monstrum (-Mahnzeichen-) sowie von monstrare (-zeigen-) ab und bezeichnet im engeren Sinn ein im Vergleich zum idealtypisch gesehenen Menschen ‚ungestaltes‘ Wesen: Diese Abweichungen zu ersinnen, meint somit auch die Norm zu definieren. Über die Gattungsgrenzen hinweg ist ein Interesse für das Andersartige, Seltsame und Abnorme spürbar und offenkundig macht das Ungeheuerliche einen zentralen Teil der Begeisterung aus, die diese Werke bis heute auf Rezipienten ausüben.
Auf mittelalterlichen Weltkarten fehlen folglich nie die merkwürdigen Mischwesen, wie sie seit der Antike in vielen Weltchroniken beschrieben werden: Etwa die Skiopoden, die ihre großen Füße als Sonnenschirme benutzen können oder die hundsköpfigen Cynocephalen, die Kopffüßler und die Kranichschnäbler. Auch wenn man heute über die dargestellten Wundervölker eher schmunzelt, gelten sie für die mittelalterlichen Rezipienten zumindest potenziell als real existent, denn sie waren schriftlich bezeugt. Durch ihre Darstellung und Beglaubigung in literarischen, theologischen und enzyklopädischen Werken gehören sie einer kollektiven Vorstellungswelt an, die in die mittelalterliche Lebenswirklichkeit eingelassen war. Insbesondere die volkssprachige Literatur um 1200 imaginiert die Wunder und Rätsel fremder Kulturen und versammelt Riesen, Drachen, Waldmenschen, Zwerge und Tier-Mensch-Wesen in zahllosen Varianten.
Das Hauptseminar begibt sich anhand unterschiedlicher Gattungen wie mittelalterlichen Weltkarten, Chroniken, Spielmannsepik, Artusroman, Antikenroman, Prosaroman und Flugblättern auf die Spuren des Monströsen und untersucht seine unterschiedlichen Erscheinungsformen in Bild und Text.
vorläufiger Seminarplan:
23.10. Ästhetik des Monströsen
Herzog Ernst (Grippia Episode)
Seminarplan, Exkursion
30.10.. Monstra in Kartographie und Geschichtsschreibung
Ebstorfer Weltkarte
Schedel‘sche Weltchronik und Arolser Weltchronik
06.11. Monstra in Kartographie und Geschichtsschreibung
Werkstattgespräch: Erster Entwurf Poster: Ebstorfer Weltkarte
Chroniken (Schedel‘sche Weltchronik, Arolser Weltchronik)
13.11. Exotische Kuriosita als Gegenwelt des Höfischen
Herzog Ernst (Arimaspi-Episode)
20.11. Sitzung entfällt
27.11. Exotische Kuriosita als Gegenwelt des Höfischen
Wildleute im Iwein, Wigalois, Wigamur
04.12. Exotische Kuriosita als Gegenwelt des Höfischen
Mischwesen: Melusine und Trojaroman
11.12. Exotische Kuriosita als Gegenwelt des Höfischen
Werkstattgespräch: Vergleichende Zusammenführung der Mischwesen und Wildleute und Entwurf Poster
18.12. Sitzung entfällt
15.01. Monströse Körper als apokalyptische Zeichen
Frühneuzeitliche Flugblätter
22.01. Monströse Körper als apokalyptische Zeichen
Frühneuzeitliche Flugblätter
29.01. Tiermenschen
Verwandlungsnarrative: Wolfsmenschen
05.02. Gastvortrag Urte Helduser
12.02. Tiermenschen
Werkstattgespräch: Poster-Entwurf: Monströse Körper-Tiermenschen
Ästhetik des Monströsen:
Fabelwesen, Tier-Mensch-Wesen, Monstren, Ungeheuer usw.
-Fabelwesen-
• Cherry, John (Hrsg.): Fabeltiere: von Drachen, Einhörnern und anderen mythischen Wesen. Stuttgart 1997.
• Giebel, Marion: Tiere in der Antike: von Fabelwesen, Opfertieren und treuen Begleitern. Darmstadt 2003.
• Gerhardt, Christoph: Gab es im Mittelalter Fabelwesen? In: Wirkendes Wort: deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre, Bd. 38. Trier 1988, S. 156-171.
• Hildebrandt, Reiner: Die Fabeltiere in der -Physica- Hildegards von Bingen. In: Sprachliches Agieren von Frauen in approbierten Textsorten: internationale Fachtagung, Magdeburg 10.-11.09.2007. Hrsg. von Brandt, Gisela. Stuttgart 2008, S. 5-15.
• Impelluso, Lucia: Die Natur und ihre Symbole: Pflanzen, Tiere und Fabelwesen. In: Bildlexikon der Kunst. Hrsg. von Zuffi, Stefano, Bd. 7. Berlin 2005.
• Kirschbaum, Engelbert (Hrsg.): Allgemeine Ikonographie: Fabelwesen – Kynokephalen. In: Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 2. Hrsg. von Braunfels, Wolfgang. Darmstadt 2012.
• Meurer, Hans; Richarz, Klaus: Von Werwölfen und Vampiren: Tiere zwischen Mythos und Wirklichkeit. Stuttgart 20
• Mode, Heinz: Fabeltiere und Dämonen: die phantastische Welt der Mischwesen. Leipzig 1977.
• Morrison, Elizabeth: Beasts: factual & fantastic. In: The Medieval imagination. Los Angeles 2007.
• Müller, Ulrich (Hrsg.): Dämonen, Monster, Fabelwesen. In: Mittelalter-Mythen, Bd. 2. St. Gallen 1999.
• Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen: eine kleine Einführung in Mythen und Typen phantastischer Geschöpfe. In: Mittelalter- Mythen, Bd. 2. St. Gallen 1999, S. 1-38
• Obermaier, Sabine: Tiere und Fabelwesen im Mittelalter. Berlin 2009.
• Petermann, Werner: Hundsköpfe und Amazonen: als die Welt noch voller Monster war. Wuppertal 2007.
• Pochat, Götz: Das Fremde im Mittelalter: Darstellung in Kunst und Literatur. Würzburg 1997.
• Rottloff, Andrea: Von Drache, Basilisk und Phoenix : die Welt der Fabelwesen bietet ein vielfältiges Bild von Vorstellungen zwischen Realität und Wunderglaube. In: Antike Welt: Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, Bd. 36. Darmstadt 2005, H. 5, S. 21-29.
• Schmitz-Emans, Monika: Wassermänner, Sirenen und andere Monster Fabelwesen im Spiegel von Kleists -Berliner Abendblättern-. In: Kleist-Jahrbuch. Hrsg. im Auftr. d. Vorstandes der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft und des Kleist-Museums. Stuttgart 2005, S. 162-182.
• Sprengel, Peter: Meerfrauen, Kantauren und andere Fabelwesen: Paul Heyses Phantastik zwischen Böcklin und Genelli; mit unveröffentlichten Briefen beider Maler an Heyse. In: Gemälderedereien: zur literarischen Diskursivität von Bildern. Hrsg. von Fliedl, Konstanze. Serien: Philologische Studien und Quellen, Bd. 242. Berlin 2013, S. 51-85.
• Tori, Luca: Animali: Tiere und Fabelwesen von der Antike bis zur Neuzeit. Genève 2012.
Mischwesen
• Deutscher Ethikrat: Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung: Stellungnahme. Berlin 2011.
• Grawert, Rolf: Menschenbilder im Wandel ihrer Aspekte: von Vernunft- zu Mischwesen: Ideengeschichte einer Verfassungsanthropologie. In: Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistergeschichte, Bd. 75. Berlin 2013.
• Irmak, Kenan Holger: Magie, Märchen, Mutation: Tier-Mensch-Wesen und die neuzeitlichen Wissenschaften: (Begleitbuch zur gleichnamigen Wanderausstellung des Westfälischen Museumsamtes LWL, Münster.) Münster 2000.
• Michel, Paul: Spinnenfuss und Krötenbauch: Genese und Symbolik von Kompositwesen. In: Schriften zur Symbolforschung, Bd. 16. Zürich 2013.
• Schmutz, Hans-Konrad (Hrsg.): Phantastische Lebensräume, Phantome und Phantasmen; Aufsätze des Züricher Symposions der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft von 10. und 11. Oktober 1996. Marburg 1997.
• Schumacher, Florian: Das Ich und der andere Körper: eine Kulturgeschichte des Monsters und des künstlichen Menschen. Marburg 2008.
• Traspel, Isgard (Hrsg.): Pferdemann und Löwenfrau: Mischwesen der Antike. In: Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung München, Bd. 31. München 2009.
-Monster-
• Brittnacher, Hans Richard: Ästhetik des Horrors. Gespenster, Vampire, Monster, Teufel und künstliche Menschen in der phantastischen Literatur. Frankfurt am Main 1994.
• Classen, Albrecht: Die guten Monster im Orient und in Europa. Konfrontation mit dem -Fremden- als anthropologische Erfahrung im Mittelalter. In: Mediaevistik, Bd. 9. Frankfurt am Main 1996, S. 11-37.
• Gebhard, Gunther: Von Monstern und Menschen: Begegnungen der anderen Art in kulturwissenschaftlicher Perspektive. Bielefeld 2009.
• Raulff, Helga (Hrsg.): Mensch und Tier: eine paradoxe Beziehung: Begleitbuch zur Ausstellung -Mensch und Tier: eine paradoxe Beziehung-. Ostfildern-Ruit 2002.
• Röttgers, Kurt (Hrsg.): Monster. Essen 2010.
• Schmitt, Kerstin: Minne, Monster, Mutationen. Geschlechterkonstruktionen im -Alexanderroman- Ulrichs von Etzenbach. In: Natur und Kultur in der deutschen Literatur des Mittelalters. Hrsg. von Robertshaw, Alan. Tübingen 1999.
• Schumacher, Florian: Das Ich und der andere Körper: eine Kulturgeschichte des Monsters und des künstlichen Menschen. Marburg 2008.
• Williams, David: Deformed discourse. The function of the monster in mediaeval thought and literature. Exeter 1996.
Bemerkung
LitWiss
Die geplante Exkursion muss leider aufgrund mangelnder Teilnehmerzahlen ausfallen.
Lerninhalte
intensive Lektüre verschiedenster mittel- und frühneuhochdeutscher Texte, die alle um das Thema Ritter kreisen.
Mentalitäts- und kulturwissenschaftliche Analysen und Textinterpretationen
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Germanistik binational
Prof. Dr.
Brinker von der Heyde Claudia